Sprach­assistenten im Test Test

Vom Wohn­zimmer in die Cloud. Smarte Laut­sprecher senden Sprach­daten an Groß­rechner ihres Anbieters, hier Amazon. Dort werden sie analysiert und bei Bedarf an andere Dienste weitergeleitet

Mit smarten Laut­sprechern erobern Sprach­assistenten wie Amazons Alexa und Google Assistant die Wohn­zimmer – und neue Ziel­gruppen. Beim Daten­schutz bleiben Fragen.

Alexa, wie ist das Wetter? Okay Google, spiele Deutsch­land­funk. Siri, schreibe eine E-Mail an Max. Digitale Sprach­assistenten verändern die Art, wie Menschen mit Technik umgehen. Auf Smartphones funk­tioniert diese Form der Sprach­steuerung schon länger. Jetzt sorgen Amazon und Google mit smarten Laut­sprechern für Aufsehen, die sich komplett per Sprache bedienen lassen.

Im Vergleichs­test stellen wir die wichtigsten Sprach­assistenten von Amazon, Apple, Google und Microsoft vor – und eine etwas andere Lösung von Sony. Doch bevor wir die Stärken und Schwächen einzelner Angebote vergleichen, gehen wir grund­legenden Fragen nach: Was macht den besonderen Reiz der Technik aus? Wie funk­tioniert sie über­haupt? Und wo liegen mögliche Risiken?

Assistenten im Test

Unser Testfazit. Bei den smarten Laut­sprechern liegt Amazon vorn, auf Handys kann Google mehr. Beim Daten­schutz über­zeugt keiner.

Das haben wir getestet. Wir haben fünf verschiedene Sprach­assistenten der wichtigsten Anbieter getestet: Amazons Alexa und der Google Assistant lassen sich sowohl über Laut­sprecherboxen als auch über Tablet oder Smartphone ansprechen. Apples Siri und Cortana von Microsoft sind hier­zulande bisher nur auf Smartphones und Tablets, Cortana auch auf PCs vertreten. Und Sony bietet eine Art Knopf im Ohr, der sich über eine Smartphone-App steuern lässt.

Ergeb­nisse im Über­blick. Klang­lich über­zeugt vor allem der Echo-Laut­sprecher von Amazon. Bei der Sprach­erkennung liegen die Systeme von Amazon und Google vorn – und nah beieinander. Auf Mobilgeräten haben Google und Apple mehr zu bieten als Amazons Alexa. Microsoft wirkt dagegen mit seinem Assistenten Cortana kaum konkurrenz­fähig. Und wer nur bestimmte Handy-Funk­tionen steuern will, könnte auch mit dem Ohrs­töpsel von Sonys Xperia Ear zufrieden sein.

Daten­schutz. Wir haben alle Anbieter gefragt, wie sie mit Nutzer­daten umgehen. Amazon antwortete noch am ausführ­lichsten, Microsoft gab sich sehr zugeknöpft. Apple, Google und Sony reagierten gar nicht (siehe „Daten­schutz“ in den Test­kommentaren zu den fünf geprüften Sprach­assistenten). Die Daten­schutz­erklärungen sind keine große Hilfe: Sie enthalten bei allen Anbietern sehr deutliche Mängel.

Unser Tipp. Wer sich dennoch für einen smarten Laut­sprecher entscheidet, braucht ein gewisses Maß an tech­nischer Infrastruktur. Alle benötigen eine Internet­verbindung über ein lokales WLan-Netz. Außer dem Echo Show brauchen auch alle zur Inbetrieb­nahme ein Smartphone oder Tablet. Das funk­tionierte im Test problemlos. Doch wer sich so einen Laut­sprecher holt, weil er mit PC und Smartphone nicht so viel am Hut hat, wird beim Einrichten Hilfe brauchen.

Nicht mehr nur für Technik-Freaks

Mit ihren sprechenden Boxen erreichen Amazon und Google auch Menschen, die mit Smartphones und Internet bisher nicht viel zu tun hatten. Zum Beispiel Lieselotte Mühl­hausen aus Berlin. Mit ihren 95 Jahren wirkt sie nicht wie jemand, der immer das neueste Technikspielzeug im Haus haben muss. Doch ihren Echo-Laut­sprecher möchte sie nicht mehr missen: „Frühmorgens höre ich damit schon Nach­richten, und dann viel Hörbücher und auch Musik. Alexa hat einen angenehmen Ton, da kann man lange zuhören.“

Frau Mühl­hausen ist im Alter erblindet. Darum ist für sie die Sprach­steuerung eine besonders große Hilfe. Aber auch ihre Urenkel haben Alexa ins Herz geschlossen. „Die lassen sich gerne Witze erzählen oder ihre Lieblings­lieder vorspielen. Die haben das schneller gelernt als ich“, berichtet sie.

Digitale Dienste werden zugäng­licher

Die smarten Boxen machen komplexe Technik zugäng­lich für alle. Man muss keinen Computer­bild­schirm ablesen und keine Erfahrung mit Tastaturen, Computermäusen oder Smartphone-Apps haben. So ungezwungen wie mit echten Menschen lässt sich mit den digitalen Assistenten zwar noch nicht plaudern. Doch mit etwas Übung hat man schnell heraus, was und wie man etwas sagen muss, damit die virtuellen Helfer tun, was sie sollen.

Und tun können sie schon eine ganze Menge. Nach­richten und Wetterbe­richte vorlesen, Musik und Internet­radio spielen, Informationen aus dem Internet suchen oder ihre Besitzer morgens wecken – das sind einige der naheliegenden Anwendungen. Je nach System können die sprechenden Assistenten auch telefonieren, Text­nach­richten verschi­cken, Kalender­einträge verwalten. Und Technikfreunde, die ihr trautes Heim zum „Smart Home“ ausbauen, können damit auf Zuruf ihre vernetzten Lampen und Heizkörper steuern (Test Smart Home, test 7/2017).

Bevor ein Nutzer den digitalen Helfern Anweisungen geben kann, muss er sie beim Namen rufen: „Alexa“, „Okay Google“, „Hey Siri“, „Hey Cortana“. Dann signalisieren sie mit bunten Lichtern oder per Anzeige auf dem Hand­ydis­play, dass sie weitere Sprach­eingaben erwarten. Damit dieses Aufwecken per Zauber­wort funk­tioniert, muss der Assistent stets auf dem Horch­posten sein. Viele finden das beunruhigend: Hören Amazon und Google immer alles mit, was im Raum gesagt wird?

Sprach­erkennung läuft übers Internet

Derlei Befürchtungen sind nicht ganz abwegig: Die eigentliche Sprach­erkennung läuft nicht lokal auf dem Handy oder Laut­sprecher, sondern auf Groß­rechnern im Internet. Laut­sprecher oder Handy zeichnen die Sprach­daten auf und senden sie an den jeweiligen Anbieter. Dort analysieren Groß­rechner die Sprach­daten und über­setzen sie in Computerbefehle. Die führen sie dann entweder selbst aus oder leiten sie an andere Online­dienste weiter, mit denen sie zusammen­arbeiten.

Schi­cken Laut­sprecher wie Amazon Echo oder Google Home aber tatsäch­lich alles, was im Raum gesagt wird, an Amazon oder Google, auch wenn sie gerade nicht Aufnahme­bereitschaft signalisieren? In diesem Punkt können wir entwarnen: Im Daten­strom der Assistenten fanden wir keine Hinweise, dass die Anbieter heimlich mitlauschen. Erst wenn die Assistenten anzeigen, dass sie aufgewacht sind, fangen sie an, Sprach­daten zu senden. Allerdings starten die Assistenten zuweilen auch unbe­absichtigt, wenn jemand etwas sagt, das nur so ähnlich wie ihr Stich­wort klingt. Das kann man zwar verhindern, indem man das Mikrofon vorüber­gehend abschaltet, auf Dauer ist das aber eher umständlich.

Fleißige Nutzer verraten viel

Sprach­assistenten im Test Test

Vielfalt. Sprach­assistenten koope­rieren mit vielen Diensten. Doch die Sprach­erkennung läuft immer über einen Anbieter – hier Google.

Die Sorge um die Privatsphäre ist nicht unbe­gründet. Je intensiver ein Nutzer einen Assistenten verwendet, umso mehr teilt er ihm über sich und sein Leben mit. Da die Sprach­erkennung stets über einen Anbieter läuft, kann der auch über die Nutzung anderer Dienste viel erfahren. Wer etwa per Google Home seine Lieblingsalben aufruft, verrät Google seinen Musik­geschmack, auch wenn die Musik vom Streaming­dienst Spotify kommt. Und wer Siri E-Mails diktiert, ermöglicht Apple Einblicke, mit wem er sich zu welchen Themen austauscht, auch wenn die Nach­richten über den Mail-Provider GMX laufen. So haben es die Assistenten-Anbieter gar nicht nötig, ihre Nutzer heimlich zu belauschen – die verraten ja freiwil­lig schon genug.

Umso mehr werden sich potenzielle Nutzer fragen, was mit all den Daten geschieht. Doch das ist kaum heraus­zufinden. Die Daten­schutz­erklärungen der Anbieter sind jedenfalls keine große Hilfe. Vieles darin ist unklar formuliert und mit deutschem Daten­schutz­recht kaum vereinbar.

Daten­schutz mit vielen Lücken

So versuchen die Anbieter zum Beispiel, sich pauschal das Recht einräumen zu lassen, unterschiedlichste Daten zu speichern. Wie es Nutzern möglich ist, der Speicherung zu wider­sprechen, sagen sie nicht. Oder sie wollen Daten unzu­lässiger­weise an „Dritte“ weitergeben, ohne zu sagen, an wen. Unser Rechts­gut­achter meint dazu: „Man hat den Eindruck, hier wären irgend­welche Dokumente einfach nur aus dem Eng­lischen ins Deutsche über­setzt worden – und das teil­weise auch noch ziemlich nach­lässig. Die Anbieter scheinen gar nicht erst versucht zu haben, ihre Rege­lungen ans deutsche und europäische Daten­schutz­recht anzu­passen.“

Wir haben die Anbieter gefragt, wie sie mit Nutzer­daten umgehen: Welche Daten werden gespeichert und wo? An wen geben sie Daten weiter, wann löschen sie sie auto­matisch? Amazon antwortete noch am ausführ­lichsten, ließ aber wichtige Fragen etwa zur Daten­weitergabe unbe­antwortet. Microsoft antwortete noch lückenhafter, Apple, Google und Sony äußerten sich gar nicht.

Mehr Trans­parenz wäre hilf­reich

Das alles wirkt wenig vertrauens­erweckend. Solange die Anbieter so wenig darüber preis­geben, was sie mit den Daten anstellen, und sie den Nutzern so wenig Möglich­keiten geben, selbst zu entscheiden, was gespeichert wird und was nicht, bleibt mindestens ein mulmiges Gefühl: Kann man die Sprach­assistenten guten Gewissens nutzen oder sollte man lieber die Finger davon lassen? Auch unter den Mitarbeitern der Stiftung Warentest, die an diesem Artikel mitgewirkt haben, ist das umstritten. Pro oder Kontra – man wünscht sich von den Anbietern in jedem Fall deutlich mehr Informationen, um diese Entscheidung fundierter treffen zu können.

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