Das schlichte Baumwollhemd ist passee. Der kluge Sportler lässt Synthetik pur an die Haut. Damit Schwitzen nicht zur Tortur wird. Aber nicht mit allen 16 Sommer- und Wintergarnituren im Test gelingt das gut.

Triumph bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid: Damals freute sich nicht nur die österreichische Damenmannschaft über etliche Medaillen. Auch der Sportwäschehersteller Löffler aus Ried im Innkreis gewann: Renommee und ein werbeträchtiges Aushängeschild. Die Athletinnen trugen unter ihren Skianzügen neu entwickelte, supersaugfähige Unterwäsche aus Löfflers Produktion. Die war aus zweilagigem Material, innen Polypropylen, außen Baumwolle. Die Synthetikschicht leitete den Schweiß schnell weg vom Körper und hielt warm, die Naturfasern nahmen die Flüssigkeit auf und ließen sie langsam verdunsten. Das sorgte für prima Klima auf der Haut und für Begeisterung bei den Skiläuferinnen. Löffler nutzte sein Know-how und beliefert heute neben vielen Spitzensportlern auch den deutschen Skiverband.

Angenehmer schwitzen

Die Vorteile moderner Hightechwäsche haben sich schnell auch unter Freizeitsportlern herumgesprochen. Kein Fachgeschäft, keine Kaufhausabteilung mehr ohne Regale mit einem solchen Angebot. Meist aus puren Kunststofffasern, manchmal kombiniert mit Baumwolle oder Wolle. Die Unterwäsche ist dabei das wichtige erste Glied in der Bekleidungskette. Sie soll die Körperflüssigkeit nicht speichern, sondern möglichst schnell an die oberen Kleidungsstücke weitertransportieren, damit die Haut so gut es geht trocken bleibt. Denn nichts ist unangenehmer als ein klitschnasses, klebendes Baumwollhemd.

In Funktionswäsche schwitzt man nicht weniger, aber angenehmer. Die strukturierten Synthetikfasern machen die schweißtreibende Betätigung erträglicher. Sie vermitteln ein besseres Tragegefühl, sollen das Auskühlen verhindern, bei Bedarf wärmen und einen dadurch sogar länger leistungsfähig machen.

So weit die Theorie. In der Praxis konnten viele Funktionswäschen diese hohen Anforderungen nicht voll erfüllen. Von den 16 Garnituren erreichten im Ziel nur 5 „gute“ Plätze. Spitzenreiter für die warme Jahreszeit sind Big Pack Active und Odlo Light; für die kalte Saison Gonso Thermo, Odlo Warm und, etwas abgeschlagen, Globetrotter Four Seasons Classic. In den Schwitzkasten nahmen wir sieben Sommerkombinationen, bestehend aus Kurzarm-Shirt und (meist) kurzer Hose, sowie acht Wintersets in lang. Dazu kam noch eine Garnitur mit Windstopperfunktion von Gore. Die ist nicht nur winddicht, sondern soll auch, so das Versprechen auf der Packung, „extrem atmungsaktiv“ sein. Im Test hat sich das leider nicht bestätigt. Das Material mit Membranschicht trocknet schlecht, wenn es feucht ist, und hält dann wenig warm. Hier droht der gefürchtete „post exercise chill“-Effekt: Kommt der Sportler zur Ruhe, kühlt das feuchte Untendrunter ihn schnell aus, er fröstelt.

Prinzip Zwiebelschalen

Das ist für sturmerprobte Segler, Surfer oder Paraglider genauso unangenehm wie für Jogger, Radler, Skiläufer oder Wanderer. Sie sind besser bedient, wenn sie sich separat vor Wind, Regen und Schnee schützen. Der Zwiebel-Look ist besonders wichtig bei wechselhaftem Wetter, kalten Außentemperaturen und wenn sich körperliche Höchstleistung mit langen bewegungsarmen Phasen abwechselt, wie zum Beispiel beim Wintersport. Damit man stets eine Schicht zum An- und Ausziehen hat.

Doch Vorsicht: Wer drüber Wasser- und Luftdichtes trägt, eine nicht atmungsaktive Regenjacke zum Beispiel, sollte ein zweilagiges Drunter anhaben, so genannte Double-Face-Ware: zur Hautseite Polyamid, Polyester oder Polypropylen, außen Feuchtigkeit speichernde Baumwolle, Wolle oder Viskose. Besteht die Unterkleidung nämlich aus Synthetik pur, bleibt die Feuchte quasi stecken. Denn das Wasser abweisende Material eines Regenschutzes lässt Schweißtropfen nicht durch, weil Schweiß zu 99 Prozent aus Wasser besteht. Den mickrigen Rest machen Kochsalz, Mineralien, Harnstoff und andere organische Bestandteile aus.

Von den geprüften Sommerwäschen ist nur Schiesser Sports Hydro als Double-Face konstruiert. Garnituren speziell für kaltes Klima mit Zwei-Schicht-Prinzip gibt es häufiger: Helly Hansen LIFA Prowool, Löffler Transtex Frottee, Schiesser Sports Thermo. Von denen kann aber nur Schiessers Winterwäsche vergleichsweise viel Schweiß transportieren, hält jedoch nicht so gut warm. Außerdem werden die drei nach dem Waschen schnell unansehnlich. So reichte es am Ende für keinen der vorderen Plätze.

60 besser als 40

Gerade Sportunterwäsche muss häufiges Waschen aushalten. Weil sie schnell müffelt. Am Tage vollschwitzen, abends durchwaschen, über Nacht trocknen und am nächsten Morgen wieder anziehen – so muss es sein. Trocken waren alle am Morgen. Das klappt. Noch besser könnte es allerdings mit dem Waschen klappen. Häufig verschwindet der Schweißgeruch dabei nicht richtig. Läufer wissen ein Lied davon zu singen. Ihnen „stinkt“ ihr Shirt manchmal schon nach einigen Wochen mächtig. Der Grund: Die angegebene Waschtemperatur ist zu niedrig. Das 30- oder 40-Grad-Programm, womöglich noch im Schongang mit Feinwaschmittel, kann den Mief bringenden Bakterien wenig anhaben. Besser ist die 60-Grad-Buntwäsche plus Vollwaschmittel.

Globetrotter light blutet aus

Das ver­tragen die meisten Stücke hin und wieder klaglos, auch wenn vielleicht die Farbe auf Dauer etwas leidet. Globetrotter Four Seasons light blutete allerdings schon bei niedrigen 40 Grad ziemlich stark aus.

Bei den Waschtemperaturen auf den Pflegeetiketten stapelt so mancher Hersteller gern tief. Zur Sicherheit, um Reklamationen leichter abwimmeln zu können. Fachleute nennen das Underlabeling – gerade bei teurer Sportwäsche ist das aber mehr als ärgerlich. Odlo dagegen stapelt nicht tief, sondern verlangt vom Kunden, die Unterhose bei 95 Grad zu waschen – allerdings „separat“. Das ist schlicht unsinnig. Soll der Kunde allein für das Höschen die Waschmaschine anwerfen? Oder sie im Kochtopf brodeln lassen? Die Ursache eines anderen Problems liegt nicht im Waschen, tritt aber oft erst danach zutage: verdrehte Näh­te. Sie haben mit einem schlechten Zuschnitt zu tun. Wer die verzogenen Teile reklamiert, sollte sich nicht mit dem Hinweis auf „falsches Waschen“ abwimmeln lassen.

Vorsicht, Weichspüler!

Auf Weichspüler sollte man lieber verzichten. Die meisten setzen sich an den Fasern fest und machen sie Wasser abweisend – dadurch geht aber die schöne Funktion des Feuchtigkeitstransports flöten. Doch mit der Zeit wäscht sich der Weichspüler wieder raus. Leider fehlen solche Hinweise auf vielen Etiketten.

Gegen unangenehme Gerüche ziehen manche Hersteller mit antibakteriellen Mitteln zu Felde. Sie besprühen oder beschichten die Fasern mit chemischen Substanzen. Doch solche Ausrüstungen können nicht nur die Hautflora stören und Allergien auslösen. Manche Substanzen wie Triclosan gelten auch als potenziell gesundheitsschädlich. Die getesteten Garnituren sind diesbezüglich glücklicherweise unbedenklich.

Streit um Silber

Auch Silber, direkt in die Faser eingebaut, soll geruchskillend wirken. Big Pack X-Static besteht beispielsweise zu 5 Prozent aus einer silberhaltigen Faser. Die Firma Trevira in Bobingen bietet mit Trevira Bioactive ebenfalls silberhaltige Textilfasern an. Kleinste, kaum messbare Mengen Silber werden an der Oberfläche der Fasern freigesetzt und sollen das Bakterienwachstum hemmen. Im Labor mit Testkeimen habe das funktioniert, sagt Dr. Bernd A. Blech, Forschungsleiter bei Trevira. Kritiker bezweifeln jedoch die Wirkung in der Praxis. Für Professor Franz Daschner vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg „gibt es bisher keine einzige gute wissenschaftliche Studie, die gezeigt hätte, dass antibakterielle Wäsche tatsächlich bei einer großen Anzahl von Menschen den Schweißgeruch verhindert“. Er empfiehlt ein bewährtes Mittel: Waschen. Aber natürlich geht auch Trevira nicht davon aus, dass antimikrobielle Silberfasern das Waschen ersetzen könnten.

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