Sportunfälle Meldung

Auf der Skipiste gelten feste Regeln. Trotzdem ist die Haftung bei Unfällen häufig strittig.

Die Bedingungen hätten nicht optimaler sein können: Neuschnee und strahlender Sonnenschein lockten am Wochenende zum Skifahren in die Berge. Auch der 16-jährige Andreas Schmidt* wollte das gute Wetter nutzen und gab gleich bei der ersten Abfahrt richtig Gas. Bis auf eine wesentlich langsamere Skifahrerin in der Mitte der Piste schien der Weg auch frei. Schmidt orientierte sich deshalb nach links und wollte gerade die langsamere Fahrerin überholen, als diese genau in seine Richtung abbog. Ein Zusammenprall war dadurch nicht mehr zu vermeiden. Die Skiläuferin erlitt einen Schlüsselbeinbruch und musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen.

Skipiste kein rechtsfreier Raum

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Direkt danach zog die Frau vor Gericht. Dort machte sie Schadenersatz für ihre zerstörten Skier sowie Schmerzensgeld für den Schlüsselbeinbruch geltend und bekam mehrere Tausend Mark zugesprochen. Skipisten sind kein rechtsfreier Raum, sondern es gelten für alle die Regeln des Internationalen Skiverbandes (FIS), musste sich Andreas Schmidt vom Gericht belehren lassen. Danach hat der von hinten kommende Skifahrer seine Fahrspur so zu wählen, dass er vor ihm fahrende Sportler nicht gefährdet. Wer dagegen verstößt, macht sich schadenersatzpflichtig.

Auch bei anderen Sportarten ist für die Haftung immer entscheidend, ob einer der Teilnehmer die meistens vom jeweiligen Verband aufgestellten Regeln verletzt hat. Lediglich bei Sportarten mit direktem körperlichen Kontakt, wie zum Beispiel Fußball, ist außer einem Regelverstoß zusätzlich ein besonders unfaires Verhalten notwendig.

Bei so genannten Parallelsportarten, wie unter anderem auch Skifahren, ist dies nicht erforderlich. Trotzdem ist ein Schadenersatzanspruch mitunter schwierig durchzusetzen. Denn häufig lässt sich der Unfallhergang nachträglich kaum rekonstruieren. Wichtig ist deshalb, sofort nach einem Zusammenstoß möglichst viele Beweise zu sichern, so zum Beispiel die Personalien von allen Beteiligten sowie möglichen Zeugen zu notieren. Dies darf nach den FIS-Regeln auch niemand verweigern. Notfalls kann man die Herausgabe von Namen und Anschriften auch mit Hilfe der Pistenwacht oder der örtlichen Polizei erzwingen.

Je nach Schwere des Unfalls sollte man sich danach aber auch fragen, ob ein Prozess wirklich lohnt. Denn zumindest der Sachschaden wird häufig nicht allzu hoch sein. Und die Arztkosten übernimmt natürlich die Krankenkasse. Um im Ausland optimal geschützt zu sein, ist allerdings eine Auslandsreise-Krankenversicherung notwendig. Wer die für den Skiurlaub abschließt, erhält dann auch in Ländern, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat, eine umfassende medizinische Betreuung. Dazu gehört notfalls auch ein Krankentransport zurück in die Heimat.

Wird ein Skifahrer durch einen schweren Unfall berufsunfähig oder dauerhaft behindert, zahlt hierfür aber keine Krankenversicherung. Und auch ein Anspruch auf Schmerzensgeld muss gegen den Unfallverursacher oder dessen Haftpflichtversicherung notfalls vor Gericht durchgefochten werden.

Bevor man dies tut, sollte man aber abwarten, wie sich die eigene Krankenversicherung verhält. Gelingt es dieser, ihre Kosten vom Unfallverursacher einzuklagen, kann man mit Hilfe dieser Prozessakten auch den eigenen Anspruch einfacher durchsetzen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn sich die Krankenversicherung mit ihrer Klage nicht zu viel Zeit lässt und auch die Gerichte zügig arbeiten. Denn drei Jahre nach dem Unfall verjährt der Schadenersatzanspruch. Spätestens dann muss der Verletzte also Klage erheben.

Voller Sieg selten

Dabei sollte er aber nicht damit rechnen, vor Gericht zu hundert Prozent zu obsiegen. Dies gelang noch nicht einmal dem Opfer des 16-jährigen Andreas Schmidt. Zwar trifft den jugendlichen Raser nach Ansicht des Gerichts die Hauptschuld an dem Unfall. Die langsamere Fahrerin wäre aber auch verpflichtet gewesen, sich vor dem Abbiegen umzuschauen. Weil sie dies versäumte, musste sie ein Drittel ihres Schadens selbst bezahlen.

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