Sportmedizinische Untersuchungen Test

Wer kann es besser – niedergelassene Sportärzte oder sportmedizinische Zentren? Eine „sehr gute“ Untersuchung boten im Test nur die Zentren in Hamburg und München.

Nach Jahren des Fernsehsports wieder selbst aktiv werden, im Frühjahr eine Fahrradtour durch die Eifel machen, zu Fuß die Alpen überqueren, beim Seniorenschwimmen jugendlichen Elan auffrischen oder im Herbst endlich am New-York-Marathon teilnehmen? Wer sich solche Ziele setzt, sollte auf Nummer sicher gehen und sich von einem Arzt bestätigen lassen, dass nichts gegen ein sportliches Training spricht. Die Belastbarkeit des Herzens prüfen und die Schwachpunkte von Wirbelsäule und Gelenken ermitteln zu lassen, ist sinnvoll. Auch für diejenigen, die es eher ruhig lieben, Wassergymnastik oder Walken bevorzugen und älter als 35 Jahre sind.

Im schlimmsten Fall droht Herzinfarkt

Sportmedizinische Untersuchungen Test

Herzstück der sportmedizinischen Untersuchung: Der Belastungstest.

Wer im Alltag vorwiegend Auto, Rolltreppe, Computer und andere Errungenschaften der Industrialisierung nutzt, den Bewegungsmangel aber nicht ausgleicht, ist schlecht gerüstet für die Herausforderungen sportlicher Aktivität. Um das Risiko des Sports kalkulierbar zu machen und seine positiven Effekte voll auskosten zu können, sollte jeder seinen Gesundheitsstatus kennen. Eventuell unerkannte Schäden können bei körperlicher Belastung gefährlich werden (siehe auch „Interview“). Im schlimmsten Fall kann es sogar zu Herzrhythmusstörungen oder zum Herzinfarkt kommen.

Durch eine ärztliche Untersuchung vor Beginn des Trainings können solche Risiken weitgehend ausgeschlossen werden. Ein allgemeinärztlicher Check ist eine gute Grundlage. Darüber hinaus ermittelt ein Sportarzt, wie der Körper unter Belastung reagiert, und er kann konkrete Sporttipps und Trainingsempfehlungen geben.

Doch wohin zur sportmedizinischen Un­tersuchung? Wir wollten wissen, ob der Sportmediziner um die Ecke genau so gut ist wie das große spezialisierte Zentrum und schickten drei Testpersonen zwischen 25 und 68 Jahren auf die Reise. Sie meldeten sich bei niedergelassenen Ärzten in Osnabrück an – Allge­mein­medi­zinern, Internisten, Orthopäden und Chirurgen mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin. Außerdem suchten sie sportmedizinische Untersuchungszentren in Hamburg, München, Berlin und Köln auf. Die gehören zu einer Reihe von Zentren, die der Deutsche Sportbund zur Betreuung von Leistungssportlern lizenziert hat. Sie bieten ihre Dienste aber auch Freizeitsportlern an. Die Zentren erhalten ihre Lizenz erst nach einer fachlichen Prüfung.

Unsere Erwartungen an die Sportmediziner: Sie sollten gründlich untersuchen und die Tester – orientiert an den Untersuchungsergebnissen – umfangreich gesundheitlich und sportlich beraten, unter anderem zu Rad- und Lauftraining und einer möglichen Teilnahme am Marathon. Auch vorhandene Risiken wie Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte oder HerzKreislauf-Erkrankungen in der Familie und ihre Bedeutung fürs sportliche Training sollten sie ansprechen.

Der Sieg geht nach Hamburg

Die Siegertrophäe für die besten sportmedizinischen Untersuchungen geht an das Institut für Sport- und Bewegungsmedizin in Hamburg: test-Qualitätsurteil „sehr gut (1,0)“. Die Perfektion hat allerdings ihren Preis: Wir bezahlten Rechnungen von 730 bis 970 Euro pro Person. Das überragende Ergebnis erzielten die Hamburger mit professioneller Organisation und Information, detaillierter Erfassung von Krankheiten, Risikofaktoren und Sportinteressen, gründlicher internistischer und orthopädischer Untersuchung, differenzierter Belastungsuntersuchung.

Kern des optimalen sportme­dizinischen Checks – so wie er in Hamburg angeboten wurde – sind die körperliche Untersuchung und der Belastungstest. Schon durch Beo­bachten, Abhorchen, Abklopfen und Abtasten erfährt der Arzt eine Menge über das Innenleben seines Patienten. Er gewinnt erste Erkenntnisse über Herz, Lunge, Darm und andere Organe, prüft Gehör und Sehkraft, bewegt die Gelenke, betrachtet und prüft die Wirbelsäule. Puls und Blutdruck sind weitere wichtige Anhaltspunkte, die Auskunft über den Gesundheitszustand geben.

Für den Belastungstest auf dem Fahrrad oder Laufband werden Elektroden am Oberkörper befestigt. Sie leiten die Impulse für das Elektrokardiogramm ab. Diese Untersuchung kann Herzprobleme und -schäden aufdecken. Die Belastung wird alle drei Minuten gesteigert, das Laufband wird schneller, der Widerstand beim Fahrrad größer. Auf jeder Belastungsstufe wird der Blutdruck gemessen. Bei unseren Testpersonen, die ihre Trainingsplanung aufgrund der Messdaten optimieren wollten, ermittelte das Hamburger Institut auch die Laktatwerte und die Sauerstoffaufnahmekapazität (siehe auch „Checkliste“).

Ebenso gehörten sinnvolle Zusatzuntersuchungen wie Ultraschall des Herzens oder Lungenfunktionstest zum Programm. Und schließlich beeindruckte die umfassende mündliche und schriftliche Beratung. Beispielsweise gaben die Hamburger konkrete Empfehlungen für unterschiedliche Ausdauerbelastungen und -intensitäten beim Laufen oder Fahrradfahren sowie Tipps für Ausgleichssportarten wie Yoga, Rückenkräftigung und Dehnübungen.

München auch „sehr gut“

Die Poliklinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München liegt im Test knapp hinter Hamburg und erzielt auch ein „sehr gutes“ test-Qualitätsurteil, bei Preisen von rund 180 bis 240 Euro.

Berlin ist Dritter

Das Zentrum für Sportmedizin in Berlin ist „guter“ Dritter auf dem Siegertreppchen. Hier gab es jedoch Schwächen bei der Gesundheitsberatung. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis stachen die Berliner die Spitzenreiter aber locker aus: Der Sportcheck für unsere Freizeitsportler kostete zweimal um 100 Euro und einmal rund 210 Euro.

Formschwäche in Köln

Das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln fiel durch eine Formschwäche auf, trotz ansonsten meist guter Leistungen. Deshalb schnitt es am Ende „befriedigend“ ab. Das Manko: Eine orthopädische Untersu­chung fand bei keinem unserer Tester statt. Und die Kölner wiesen auch nicht auf die Notwendigkeit einer solchen Untersu­chung hin. Wir bezahlten rund 270 Euro.

Niedergelassene auch „mangelhaft“

Während die vom Deutschen Sportbund lizenzierten Untersuchungszentren eine gewisse Gewähr für Qualität bieten, ist es eher schwierig, einen geeigneten niedergelassenen Arzt zu finden. Die Zusatzbezeichnung Sportmedizin ist offenbar keine Garantie für Qualität, wie unsere Testergebnisse zeigen. Die Leistungen der Osnabrücker Sportärzte variierten zwischen „gut“ und „mangelhaft“. Nur der Allgemeinmediziner Dr. Frank Thomas konnte mit „gutem“ Ergebnis den Anschluss an die Spitzengruppe halten. Für die orthopädische Untersuchung verwies er auf entsprechende Fachärzte.

Das gilt übrigens generell: Wer zur sportmedizinischen Untersuchung in eine Arztpraxis geht, muss damit rechnen, dass dort nur ein Teil des Checks stattfindet. Die Internisten verweisen für die Untersuchung des Bewegungsapparats meist auf einen Orthopäden, die Orthopäden für die Belastungsuntersuchung umgekehrt auf einen Allgemeinmediziner oder Internisten.

Aufwendig, aber sinnvoll

Der Besuch mehrerer Fachärzte ist zwar zeitaufwendig und lästig, kann aber durchaus sinnvoll sein, wie die schlechten Testergebnisse der beiden Chirurgen zeigen, die eine Belastungsuntersuchung anboten. Sie ließen unsere Tester einen Kniebeugentest machen, einmal mit EKG-Registrierung, einmal mit manueller Pulsmessung – eine Methode, die diagnostisch und für die Beurteilung der sportlichen Leistung völlig ungeeignet und dementsprechend „mangelhaft“ ist.

Bei der Interpretation der Untersu­chungsergebnisse sowie den Aussagen zu Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit bewegten sich die internistisch orientierten Ärzte auf gutem bis mittlerem Niveau. Sport- und Trainingsberatung waren in den Arztpraxen bis auf einige Ausrutscher angemessen. Zwei Ärzte zogen mit einer „sehr guten“ Trainingsberatung sogar mit den sportmedizinischen Zentren gleich. Schriftliche Empfehlungen gab es häufig gar nicht, nur der Internist Dr. Stephan Hermes schickte allen Testern einen „sehr guten“ Bericht. Die Kosten für den Check bei den niedergelassenen Ärzten lagen im Test zwischen 30 und 350 Euro.

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