Interview: Das Herz in die Enge treiben

Sportmedizinische Untersuchungen Test

Prof. Klaus Völker ist Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportme­dizin und Prävention. Er leitet das Ins­titut für Sportmedizin des Universitätsklinikums Münster.

Wer sicher sein will, dass er sportliche Belastungen aushält, sollte sich untersuchen lassen.

Ist es nicht übertrieben, sich den Sport vom Arzt genehmigen zu lassen?

Das finde ich nicht. Leider ist es ja so, dass man nicht lebenslang von einer vollen Gesundheit ausgehen kann. Im höheren Lebensalter – und das fängt schon bei 30 bis 35 Jahren an – nehmen beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen zu.

Wie groß ist das Risiko beim Sport?

Sich bewegen ist zunächst immer ein etwas größeres Risiko als nichts zu tun. Längerfristig stärkt Sport aber das Herz. Die akute Belastungssituation hängt jedoch immer von den individuellen Voraussetzungen ab. Wer am Schreibtisch arbeitet und sich kaum bewegt, nur von der Wohnung zum Auto und vom Parkplatz ins Büro geht, für den ist schon Treppensteigen in den dritten Stock eine sehr starke und intensive Belastung. Für jemand, der das gewohnt ist, ist das ein Klacks.

Wer sollte sich untersuchen lassen?

Sinnvoll, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, wäre es für jedermann. Vordringlich sollten alle Personen, die jenseits von 35 sind oder Risikofaktoren haben, Symptome oder Auffälligkeiten in der Vorgeschichte aufweisen, sich sportmedizinisch untersuchen lassen.

Ist ein Eingangstest im Fitnessstudio eine gute Alternative?

Nein, auf keinen Fall. Das ist eine reine Leistungsbeurteilung, ein Fitnesstest. Es dürfen dabei eigentlich auch keine gesundheitlichen Werte erhoben und interpretiert werden, das wäre eine Überschreitung der Kompetenzen.

Welche Vorteile hat demgegenüber eine sportärztliche Untersuchung?

Sie beurteilt eben den gesundheitlichen Zustand. Das Belastungsschema kann ähnlich wie bei einem Fitnesstest aussehen. Aber während dieser nur die Leistung bewertet, beurteilt der Arzt die Reaktion des gesamten Herz-Kreislauf-Systems – Blutdruck, EKG, Pulsfrequenz, Atmung zum Beispiel. Dabei steigt der diagnostische Wert mit dem Grad der Ausbelastung, also mit der Erschöpfung.

Warum ist das wichtig?

Wenn ich nur leichte Einschränkungen im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems habe, kann ich solche Erscheinungen einfach nur hervorkitzeln, wenn ich bis an die Grenze gehe und das Herz wirklich in die Enge treibe. Das ist deswegen so wichtig, weil bei fast jeder Sportart zumindest die Möglichkeit besteht, in den Maximalbereich hineinzukommen. Beim Fußball oder Tennis rennen Sie vielleicht nur einmal sehr schnell, aber dann machen Sie das nicht mit halber Kraft, sondern maximal. Wenn ich als Arzt jemandem Sporttauglichkeit bescheinige, muss ich sicher sein, dass er solche Belastungen aushält, ohne Schaden zu nehmen.

Kann die Untersuchung selbst ein Risiko sein?

Kaum. Das Risiko ist natürlich etwas höher, als zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. Aber die Belastungsuntersuchung findet ja unter permanenter Kontrolle eines Arztes statt. Bei Problemen bricht er die Untersuchung rechtzeitig ab.

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