Sportbrillen Test

Eine Sportbrille schützt die Augen vor UV-Strahlen, Wind, Insekten und Staub. „Gute“ Modelle gibt es ab 40 Euro, die beiden Testsieger sind aber viel teurer.

Das kann ins Auge gehen. Beim Laufen, Inlineskaten oder Radfahren ist das wichtigste Sinnesorgan des Freizeitsportlers diversen Angriffen ausgesetzt: UV-Strahlen, Fahrtwind, Insekten und kleine Steinchen, die durch die Luft fliegen können. Eine gute Sportbrille schützt die Augen und sieht obendrein meist auch noch schick aus.

Wir haben 15 Sportbrillen mit offenem Rahmen und Wechselscheiben untersucht, die unter anderem zum Radfahren und Laufen geeignet sind. Auffällig ist die extreme Preisspanne. Sie reicht von 2,99 Euro für das Aktionsmodell von Aldi (Nord) bis zu 285 Euro für eine Brille der amerikanischen Nobelmarke Oakley, die im vergangenen Jahr von der italienischen Luxottica Group übernommen wurde, dem Hersteller von Ray-Ban- und Prada-Sonnenbrillen.

„Gut“ geschützt ab 40 Euro

Sportbrillen Test

Die teuren Brillen von Oakley und adidas sind die Sieger des Tests. Beide erreichen die Note „sehr gut“. Einen passenden Augenschutz bekommt man aber schon für weit unter 100 Euro. Denn einige preiswerte Modelle schneiden nur geringfügig schlechter ab, darunter die Casco SX-20 für 40 Euro, die Carrera Spencer, die Alpina Tri-Guard und die BBB Attacker für 60 beziehungsweise 70 Euro.

Ein großer Vorteil der Sportbrillen gegenüber herkömmlichen Sonnenbrillen ist die Austauschbarkeit der Gläser. Die Brillen werden meist als Set mit zwei oder drei verschiedenen Wechselgläsern angeboten. So kann entsprechend den Lichtverhältnissen immer die passende Farbe gewählt werden (siehe Grafik). Weitere Gläser kosten in der Regel zwischen 15 und 40 Euro. Die meisten Wechselgläser gibt es für die Rudy Project. Auch Oakley hat mit 16 Wechselgläsern eine große Auswahl, ist aber auch hier mit 55 bis 145 Euro am teuersten.

Eine Billigbrille tut es zur Not auch. Das Aktionsmodell von Aldi (Nord) für rund drei Euro sitzt zum Beispiel gar nicht schlecht und bietet einen ordentlichen UV-Schutz. Die einfache Konstruktion zeigt jedoch, dass es sich um ein billiges Produkt handelt. Schwächen haben die Discountmodelle in der Handhabung, vor allem beim Wechseln der Gläser. Das klappt aber auch bei den teureren Brillen von Rudy Project, Bollé und Briko nicht so gut. Im Idealfall lassen sich die Gläser einfach und schnell wechseln und sitzen dann fest, was bei sechs Brillen der Fall ist.

Der Gläserwechsel war aber nur ein Kriterium im Praxistest. Unsere Testperso­nen, zwei Frauen und sechs Männer, sind im Januar mit den 15 Sportbrillen im Gepäck nach Lanzarote geflogen, um sie bei frühsommerlichen Temperaturen auf ausge­dehnten Rad- und Lauftouren zu prüfen. Dabei wurde bewertet, wie gut die Brillen sitzen, ob sie beschlagen, wie effektiv sie die Zugluft am Auge vorbeiführen und wie sie sich handhaben lassen.

Der Tragekomfort im Praxistest

Fünf Brillen wurde nach dem Praxistest ein „sehr guter“ Sitz bescheinigt. Viele Modelle lassen sich individuell anpassen, zum Beispiel durch Verbiegen der Bügel oder des Nasenaufsatzes. Eine Besonderheit bietet die adidas Gazelle: Hier können die Bügel vertikal verstellt werden, was für diejenigen nützlich ist, deren Ohren unterschiedlich hoch sind. Aber auch ohne Verstellmöglichkeit kann der Tragekomfort perfekt sein, wie die Sportbrillen von Casco und Briko zeigen.

Auch beim Laufen und Radfahren sitzen alle Modelle fest auf der Nase – nur die Rewe-Aktionsbrille macht hier eine Ausnahme. Ein noch stabilerer Sitz lässt sich mit einem an den Bügeln befestigten Gummiband erzielen, das hinter dem Kopf fixiert wird. Es muss aber extra gekauft werden. Nur bei der KED-Brille gehört es zur Standardausrüstung.

Gute Arbeit haben die Brillenkonstrukteure auch beim Windschutz geleistet. Nur das Schlusslicht des Testfelds, die Point Racing Gobi für 20 Euro, lässt etwas viel Zugluft ans Auge.

Scheiben sind leicht und bruchfest

Die Qualität der Gläser haben wir im Labor geprüft – sowohl optisch als auch mechanisch. Wobei die Bezeichnung Gläser nicht ganz stimmt, denn alle bestehen aus dem sehr leichten und bruchsicheren Kunststoff Polycarbonat. Den Schlagtest haben alle Brillen – bis auf das polarisierende dunkelgraue Glas von Casco, das etwas dünner ist – problemlos bestanden.

Die Kratzfestigkeit vieler Scheiben lässt dagegen zu wünschen übrig. Gemeint sind hier keine echten Kratzer, sondern die Beständigkeit der Oberfläche gegen Beschädigungen durch kleine Teile, was in der Praxis Insekten oder Sandkörner sein können. Besonders störend sind Kratzer bei verspiegelten Gläsern.

Sehschärfe leidet bei dunklen Gläsern

Bei der Prüfung der optischen Qualität geht es unter anderem um die Verzerrungsfreiheit, die Sehschärfe und die Farbverfälschung. Keine der getesteten Sportbrillen verzerrt, und die Sehschärfe wird zumindest bei helleren Scheiben kaum eingeschränkt. Dunkel gefärbte Gläser bewirken aber eine Verschlechterung. Für Nutzer mit voller Sehkraft ist das kein Problem, wohl aber für Personen mit etwas eingeschränkter Sehschärfe. Sie sollten an trüben Tagen klare und bei Sonnenschein Gläser mit mittlerer Tönung wählen. Der Schutz vor dem schädlichen UV-Licht ist immer gewährleistet.

Wer längere Zeit Rad fährt oder läuft, muss seine Augen schützen. Einen optimalen UV-Schutz bieten Brillen, die das Licht bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern komplett ausfiltern. Die klaren Scheiben von vier Brillen schaffen nur 380 Nanometer, was aber noch „gut“ schützt.

Das sichtbare Licht (400 bis 780 Nanometer) lassen die Brillengläser je nach Tönung unterschiedlich durch. Dass klare Gläser wesentlich lichtdurchlässiger sind als dunkel gefärbte, liegt auf der Hand. Bei der adidas-Brille lassen die klaren Scheiben zum Beispiel rund 90 Prozent des sichtbaren Lichts durch, die dunkelgrauen nur etwa 12 Prozent (siehe Grafik).

Die Brillen sitzen wie ein Visier

Im Unterschied zu normalen Brillen sind die Sportbrillen gebogen und passen sich wie ein Visier der Kopfform an. Die Sichtscheiben sitzen schräg vor dem Auge. Die dadurch hervorgerufene Ablenkung des Lichts muss durch die Augenmuskulatur kompensiert werden – jedenfalls bei der Aktionsbrille von Rewe. Sie hat normale Scheiben und kann damit Kopfschmerzen oder Augenbrennen hervorrufen. Alle anderen Brillen im Test entlasten die Augen dank ihrer Scheiben mit einem sogenannten Kompensationsprisma.

Für Brillenträger nicht optimal

Auch Brillenträger können eine Sportbrille aufsetzen. Für sie gibt es Clips, mit denen man geschliffene Gläser hinter den Scheiben der Sportbrillen befestigt. Fünf Anbieter haben einen solchen Korrektureinsatz im Programm. Wirklich überzeugen konnte diese Lösung nicht. Grund: Der Abstand zum Auge wird so gering, dass die Wimpern anstoßen können. Außerdem ist die Handhabung oft schwierig.

Zum Schluss noch zwei Besonderheiten bei den Gläsern. Zum einen gibt es neben den klaren, gefärbten und verspiegelten auch polarisierende Scheiben. Sie filtern die Lichtreflexe und Spiegelungen, beispielsweise auf Wasseroberflächen. Zum anderen wiederum passen selbsttö­nende Brillengläser die Lichtdurchlässigkeit in Abhängigkeit von der Lichtintensität automatisch an. Beide Varianten sind ebenso praktisch wie teuer.

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