Spiel­schleim Test

Spaß­verderber. Borsäure sorgt für die schleimige Konsistenz – kann aber schaden.

Spiel­schleim glibbert durch die Finger und lässt sich zu schil­lernden Fäden ziehen. Glitzer, bunte Kügelchen, Plastikfiguren oder fluoreszierendes Pulver machen den Slime – eng­lisch für Schleim – oft noch bunter. Kinder lieben den glibb­rigen Spielspaß. Doch alle fünf stich­proben­artig getesteten Slimes setzten viel zu viel Borsäure frei. test.de klärt auf und bringt ein Rezept für Slime aus Marshmallows.

Borsäure ist der Spiel­verderber

Für die besondere Konsistenz der Slimes sorgt Borsäure, die gleich­zeitig aber auch der große Spiel­verderber ist. In größerer Konzentration ist sie gesund­heits­schädlich. Wir haben exemplarisch fünf Spiel­schleim-Produkte verschiedener Farben im Internet gekauft und im Labor jeweils die hell­grüne Variante über­prüft, weil sie in allen Sets enthalten war. Wir haben analysiert, in welchem Maß sie verschiedene Chemikalien, darunter Borsäure, freisetzen. Ergebnis: Alle fünf Schleime geben so viel Bor ab, dass sie gar nicht hätten verkauft werden dürfen.

Befund ist kein Einzel­fall

Unser Befund ist kein Einzel­fall. Kürzlich wurde ein Produkt vom Markt genommen: der bei Tedi verkaufte Knet­schleim „Dinosaurier“ des Anbieters Out of the Blue. Auch unsere italienischen, britischen und spanischen Part­ner­organisationen haben Slimes gefunden, die unerlaubt viel Bor freisetzten. Von den insgesamt 33 untersuchten Fertig-Slimes über­schritten 16 den Grenz­wert.

Video: Test­ergeb­nisse – und ein Rezept für gesunden Schleim

Borsäure kann Durch­fall, Erbrechen und Krämpfe hervorrufen

Kinder kommen beim Spielen mit dem Schleim vor allem über die Haut mit Borsäure in Kontakt. Aber auch Mund­kontakt oder gar Verschlu­cken ist nicht auszuschließen, insbesondere wenn der Schleim wie bei „Vikilulu Crystal Slime“ in Getränkedosen verpackt ist oder wie bei anderen mit Strohhalmen ausgeliefert wird. Als Spuren­element ist Bor für den Menschen wichtig. Gelangt jedoch zu viel davon in den Körper, kann es akut etwa Irritationen, Durch­fall, Erbrechen und Krämpfe hervorrufen. In Tier­versuchen beein­trächtigte Borsäure die Frucht­barkeit sowie die Embryonal­entwick­lung.

Alle fünf getesteten Slimes deutlich über Grenz­wert

Die Europäische Chemikalien­agentur (ECHA) hat sie für den Menschen deshalb als repro­duktions­toxisch einge­stuft. Für Lebens­mittel sowie für Kinder­spielzeug gelten in der EU daher Grenz­werte. Flüssige oder haftende Spiel­zeugmaterialien dürfen nicht mehr als 300 Milligramm Bor pro Kilogramm freisetzen. Diesen Grenz­wert reißen alle fünf von uns getesteten Schleime deutlich. Die von Vikilulu, Jim‘s Store und iBase Toy geben sogar mehr als das Dreifache an Bor ab, als für Kinder­spielzeug erlaubt ist. Auch die anderen beiden sind nicht verkehrs­fähig.

Bestellung über Amazon

Wir haben die Slimes über Amazons Platt­form Marketplace bestellt. Alle Slimes stammen von chinesischen Firmen. Bei Verkauf über Marketplace ist Amazon selbst nicht der Anbieter und bei Produktmängeln nicht zur Gewähr­leistung verpflichtet. Dennoch haben wir das Unternehmen mit den Ergeb­nissen konfrontiert. Es teilte uns mit: „Die entsprechenden Produkte sind nicht mehr erhältlich.“

Lieber weg damit

Eine akute Gefahr geht von den geprüften Schleimen wahr­scheinlich nicht aus. Wir empfehlen dennoch, Kinder nicht der Matscherei mit den Borverbindungen auszusetzen. Insbesondere, da Bor aus anderen Quellen dazu­kommt, zum Beispiel aus Lebens­mitteln. Vergleichs­weise viel Bor enthalten beispiels­weise Nüsse. Neu ist das Problem mit dem Bor nicht. 2004 warnte das Bundes­institut für Risiko­bewertung vor borsäurehaltiger „Hüpf­knete“. Vor Slimes hatte die Behörde schon 1995 gewarnt. Wie das Test­ergebnis zeigt, hat sich wenig geändert:

5 Slime-Produkte im Schad­stoff­test

Cosoro

Spiel­schleim Test

Kristall Knete Set,13,00 Euro

Setzt doppelt so viel Bor frei wie erlaubt. Mit Strohhalmen geliefert, kann das Produkt zum Probieren verleiten.

SuSenGo

Spiel­schleim Test

Super Slime Set,25,00 Euro

Gibt mehr als doppelt so viel Bor ab wie erlaubt. „Fun Colourful Safety DIY“ steht auf jeder der Dosen. Bunt sind die Schleime definitiv, sicher nicht.

iBase Toy

Spiel­schleim Test

Glitzernder Glibber,12,60 Euro

Setzt dreimal mehr Bor frei als erlaubt. Fünf Dosen Glitzer­schleim, dazu Glit­zerstern­chen. Glamourös sind unsere Labor­ergeb­nisse keineswegs.

Jim‘s Store

Spiel­schleim Test

Kinder Spielzeug Schleim,11,00 Euro

Gibt mehr als dreimal so viel Bor ab wie erlaubt. In der Beschreibung des Produkts auf Amazon Marketplace hieß es dennoch: „Sicheres Material“.

Vikilulu

Spiel­schleim Test

Crystal Slime,11,00 Euro

Setzt mehr als dreimal so viel Bor frei wie erlaubt. Die Getränkedosen-Verpackungen erhöhen noch die Gefahr, dass Kinder den Schleim probieren.

Selbst­gemacht: Süßer Knet­schleim aus Marshmallows

Im Internet kursieren etliche Rezepte für Spielzeug-Schleim. Ohne Borsäure gehts auch hier nichts. In den Selbermach-Rezepten sorgt oft Bor aus Kontaktlinsen­reinigern für die schleimige Konsistenz – die Risiken bleiben dieselben wie bei den Slimes aus dem Internet.

Süßes, aber sicheres Rezept. Kein optimales Schleim­ergebnis, aber für genauso viel Spaß sorgt folgendes Rezept ohne Borsäure, wie Erfahrungen aus unserer Redak­tions­küche bestätigen:

180 Gramm Marshmallows für 30 Sekunden abge­deckt in der Mikrowelle so oft erhitzen, bis sie flüssig sind. Die Masse klebt höllisch: Deshalb Hände mit Mehl bestäuben und so viel Mehl einarbeiten, bis die Masse sich zu zähen, nicht mehr klebenden Strängen formen und kneten lässt. Mit Lebens­mittel­farben und -dekoration verzieren. In Frisch­haltefolie einge­wickelt, bleibt der Knet­schleim ein paar Tage fluffig.

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