Spiele-Apps für Kinder Meldung

Mit niedlichen Tierbabys locken Apps Kinder zum Spiel.

Die Spiele-Apps „Meine Talking Angela“ und „Dog Run“ verleiten Kinder zu In-App-Käufen von 100 Euro und mehr, stellte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kürzlich fest und mahnte die App-Anbieter ab. Diese nutzten schamlos den Spiel­trieb der Kinder und ihre geschäftliche Unerfahrenheit aus, monieren die Verbraucherschützer. Auch die Stiftung Warentest ist bei ihrem jüngsten Test von Spieleapps auf diese Masche gestoßen.

Spiele-Apps verleiten schon Vierjäh­rige zu In-App-Käufen

Viele Kinder spielen gern mit dem Tablet oder Smartphone ihrer Eltern. Das ruft geschäfts­tüchtige App-Anbieter auf den Plan. Tiere ziehen immer, dachten sich wohl die Macher der beiden abge­mahnten Apps – und programmierten Spiele mit einem virtuellen Katzenbaby beziehungs­weise einem Hundewelpen. Kinder fahren auf die Spiele-Apps ab, Eltern können sie dadurch aber schnell ärmer machen: Die vermeintlich kostenlosen Apps locken Spieler aufdringlich zu sehr teuren In-App-Käufen. Freigegeben sind beide Apps für Spieler ab 4 Jahren.

Diamanten für das Katzenbaby

Spiele-Apps für Kinder Meldung

Die Apps Meine Talking Angela (links) und Dog Run (rechts) fordern Spieler ständig zu In-App-Käufen auf.

Meine Talking Angela. In dieser App adoptieren die Spieler ein virtuelles Katzenbaby und aufziehen. Wer die Katze schneller groß­ziehen oder virtuelle Accessoires kaufen will, kann dies mithilfe der entsprechenden In-Game-Währung (in Form von Diamanten und Münzen) tun. Einzelne Käufe können dabei bis zu 109,99 Euro kosten.

Dog Run. Hier schlüpfen die Spieler in die Rolle eines Hundewelpen, der über verschiedene Hinder­nisse springen muss, um nicht gefangen zu werden. Für einzelne In-App-Käufe können bei diesem Spiel bis zu 99,99 Euro fällig werden.

Pop-up-Werbung lockt mit Rabatten

In beiden Spiele-Apps werden die Nutzer fortwährend durch Pop-up-Werbung aufgefordert, In-App-Käufe zu tätigen. Die dafür nötige virtuelle Spiele-Währung gibt es nur gegen Euro. Laut Verbraucherzentrale werben die Anbieter teil­weise mit hohen Preis­nach­lässen („Super-Rabatt“) und drängen mit digitalen Rabatt-Countdowns zum Kauf. Die Kritik der Verbraucherschützer: Kinder würden durch solche Appelle persönlich und unver­mittelt zum Kauf bewegt, ohne das Angebot kritisch beur­teilen zu können. Beim jüngsten Test von Spieleapps stießen auch die Multimedia­experten der Stiftung Warentest auf diese Masche. Im Extremfall kamen In-App-Käufe auf bis zu 350 Euro pro Einzel­kauf. Der Test zeigt Bewertungen zu 50 bekannten Spiele-Apps von Action bis Geduld­spiel, von Bubble Witch und Candy Crush über Hay Day und Fifa Mobile Fußball bis Minecraft und Pokémon Go.

Anbieter reagieren nur zögerlich

Die geforderte Unterlassungs­erklärung hat bislang lediglich einer der Anbieter unter­schrieben (Stand: 4.12.2018). Auch dieser hat jedoch noch keine Änderungen in der App vorgenommen. Die Verbraucherzentrale verfolgt laut eigener Aussage beide Fälle weiter.

Ausweg: In-App-Käufe deaktivieren

Wer so lange nicht warten und sofort etwas unternehmen will, kann auf dem Smartphone oder Tablet seines Kindes bis auf Weiteres In-App-Käufe deaktivieren. Je nach Betriebs­system ist das auf verschiedene Weise möglich.

Android

Auf Android-Geräten lassen sich In-App-Käufe nicht voll­ständig deaktivieren. In jedem Fall aber können Eltern über das Pass­wort ihres Google-Kontos unerwünschte Käufe blockieren. Das Ganze funk­tioniert wie folgt:

  • Öffnen Sie den Play Store.
  • Wählen Sie durch Tippen auf das Drei-Striche-Icon den Menü­punkt „Einstel­lungen“ aus.
  • Unter dem Reiter „Nutzersteuerung“ wählen Sie „Authentifizierung für Käufe erforderlich“.
  • Tippen Sie auf die Option „Für alle Käufe bei Google Play auf diesem Gerät“.

iOS

Wer künftig keine kosten­pflichtigen Zusatz­inhalte mehr auf sein iPhone oder iPad laden möchte, geht folgendermaßen vor:

  • Öffnen Sie in den iOS-Einstel­lungen den Menü­punkt „Allgemein“.
  • Tippen Sie auf „Einschränkungen“ und anschließend auf „Einschränkungen akti­vieren“.
  • Richten Sie dann eine vierstel­lige Pin ein und bestätigen Sie diese.
  • Jetzt sehen Sie, welche Aktionen zulässig sind und können diese sperren.
  • Deaktivieren Sie die Option „In-App-Käufe“, indem Sie den Regler nach links schieben.

Diese Meldung ist erst­mals am 29. Oktober 2018 auf test.de erschienen. Sie wurde am 5. Dezember 2018 aktualisiert.

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