Spiegelreflexkameras und Objektive Test

Das satte „Klack“ beim Auslösen einer digitalen Spiegelreflex klingt nach Profi-Fotograf. Doch gute Bilder gibt es nicht automatisch.

Besitzer einer Digitalkamera drücken jährlich 480-mal auf den Auslöser – immer öfter bei einer Spiegelreflexkamera, kurz SLR genannt. Das Prestige, ein Profiwerkzeug in der Hand zu halten, ist nicht alles. Vielmehr genügt vielen der fotografische Spielraum einer „einfachen“ Digitalkamera nicht mehr. Hinzu kommt der Preis: Eine hochwertige Kompaktkamera wie die Sony Cyber-shot DSC-R1 ohne das prestigeträchtige Klackgeräusch beim Auslösen kostet 765 Euro (test 4/06). Die getestete Nikon D50 gibt es im „Kit“, also mit einem Standard-Zoomobjektiv, schon ab 550 Euro.

Weniger Rauschen

Spiegelreflexkameras und Objektive Test

Testraum: Unsere Versuchsaufbauten im Prüfinstitut zur Messung der Vignettierung, also des Helligkeitsabfalls zu den Bildecken.

Im Beispiel spart der Käufer über 200 Euro und erwirbt gleichzeitig viele Optionen auf überragende Bildqualität. Doch löst er sie ein? In einem Punkt ganz sicher: Digitale SLRs liefern Bilder mit besonders wenig „Bildrauschen“. Das Phänomen unruhig, grießelig aussehender Farbflächen trifft ihre im Vergleich zu Kompaktkameras großen Bildwandlerchips kaum. Wir werten dennoch hart. Canon EOS 30D, Olympus E-500 und Pentax K100D sind hierin nur „befriedigend“. Doch das sind nur kleine Unterschiede auf qualitativ sehr hohem Niveau. Bis zur ISO-Einstellung 400 (siehe „Digital und gut“) ist Bildrauschen kaum ein Thema.

Bessere Porträts

Spiegelreflexkameras und Objektive Test

Versuchsaufbauten zur Überprüfung der Herstellerangaben über die Blendenöffnung der Objektive.

Ein zweiter Vorteil der SLR: das Spiel mit der Tiefenschärfe. Vorder- und Hintergrund verschwimmen, das scharf abgebildete Gesicht hebt sich plastisch heraus. Das können Kompaktkameras mit ihrem kleinen Bildsensor längst nicht so perfekt.

Allerdings lässt erst ein kleiner Trick die Tiefenschärfe auf das für Porträts gewünschte Maß schrumpfen: Die Objektivblende muss weit geöffnet werden (kleinste Blendenzahl, zum Beispiel 2,8). Im Porträtmodus macht das die Kamera automatisch. Andernfalls korrigiert der Fotograf die von der Kamera vorgeschlagene Kombination von Blendenöffnung und Belichtungszeit am Einstellrad (Panasonic: Blendenring am Objektiv). Die Sam­sung beherrscht diesen „Programm-Shift“ nicht. Hier hilft die Blendenvorwahl (Funktion Av).

Neue Trends

Spiegelreflexkameras und Objektive Test

Mit der innen gleichmäßig hell erleuchteten „Ulbricht-Kugel“ (oben) prüfen wir, wie viel Falschlicht die Objektive erzeugen.

In das Für und Wider beim Kauf einer digitalen SLR fließen aktuelle Trends ein:

  • Einen Bildstabilisator haben immer mehr Kameras eingebaut (Pentax K100D und Sony Alpha 100). Das ist preisgünstig, denn der Bildstabilisator wird beim Kamerakauf nur einmal bezahlt, funktioniert aber mit jedem Objektiv. Bei Canon, Nikon und Panasonic steckt der Bildstabilisator in speziellen Objektiven, die recht teuer sind. Bei der Panasonic im geprüften Kameraset (2 000 Euro) lag ein Leica-Objektiv mit Bildstabilisator bei.
  • Auch die Sensorreinigung liegt im Trend. Das Problem: Wenn die Kamera für einen Objektivwechsel geöffnet wird, gelangt leicht Staub ins Innere, der sich schnell auf dem Bildsensor festsetzen kann und in jedem Bild als dunkler Fleck erscheint. Beide Kameras von Olympus und die Panasonic schütteln ihn bei jedem Einschalten mit einem Ultraschall-Impuls vom Sensor. Ein Klebestreifen fängt ihn auf, das ist eine saubere Lösung. Die anderen Kameras müssen zum Service. Das kostet um die 40 Euro. Selbsthilfe mit Reinigungssets ist billiger. Doch Vorsicht: Das kann Spiegel, Verschluss oder Sensor beschädigen – das ist ein Totalschaden.
  • Das „Live-Bild“ in Kombination mit dem klappbaren Monitor an der Olympus E-330 ist praktisch bei Aufnahmen über Kopf oder am Boden. Auch die Panasonic hat diese Funktion, jedoch mit festem Monitor. Der Hintergrund: Anders als bei Kompaktka­meras bleibt der Monitor einer SLR erst einmal schwarz, denn der Sensor erkennt vor dem Fotografieren nichts. Ein Spiegel lenkt das Licht in den Sucher, bis er kurz vor dem Fotografieren hochklappt.

Für das „Live-Bild“ geschieht das schon vorher. Dann muss manuell fokussiert werden (mit gut funktionierender Softwarelupe). Die Olympus E-330 hat sogar einen zweiten Live-Bild-Modus, bei dem der Autofokus funktioniert (nicht aber die Softwarelupe).

Professionelle Technik

Spiegelreflexkameras und Objektive Test

Spielraum: Die Markierungen zeigen Bildausschnitte vom Weitwinkel bis zur Telebrennweite.

„Bestückt mit einem schlechten Zoomobjektiv, geknipst wird im Automatikmodus und gespeichert im jpeg-Format, da kann einem manche Kamera leid tun“, sagt der Leiter unseres Prüflabors. Zoomlinse und Automatik sind zwar bequem, jpeg-Bilder platzsparend, eine Garantie für gute Fotos sind aber alle drei nicht.

  • Die Könner nutzen hochwertige Festbrennweiten oder Objektive mit kleinem Zoombereich. Laien greifen hingegen viel lieber zum „Reisezoom“ wie dem Sigma 18-200 (siehe Tabelle „Zoomobjektive“). Bei ihm genügt ein Dreh, um vom Weitwinkelbereich mit etwa 18 Millimeter Brennweite bis zum Safari-tauglichen Telebereich mit etwa 135 Millimeter (innere Bildmarkierung) oder weiter zu zoomen. So ein übergroßer Zoombereich hat seine Tücken: Vor allem in den Grenzbrennweiten, weitwinklig und am Ende des Telebereichs, erscheinen gerade Linien ver­bogen („Verzeichnung“).

Oft sinkt im Telebereich die Auflösung, feine Bilddetails gehen dann unter. Profis wissen: Was im Objektiv an Details einmal verloren geht, kann kein Bildsensor und keine Bildbearbeitungssoftware später wieder hinzufügen.

Tipp. Ein gutes Standardzoom (siehe Tabelle „Zoomobjektive“) reicht für den Alltag. Bei Bedarf wird eine Telebrennweite hinzugekauft.

  • Erfahrene Fotografen benutzen die Kameras oft ohne Automatiken. Es wird manuell scharfgestellt (fokussiert), wenn der Autofokus versagt. Das tut er in der Dämmerung, bei kontrastarmen Motiven oder beim Durchblick durch einen Zaun. Von Hand fokussieren lohnt auch sonst. Im Test stellten nur die Nikon D50 und die Olympus E-500 „gut“ automatisch scharf. Die anderen schwächelten öfter mal.

Tipp. Manuell scharf stellen und mit kleinerer Blendenöffnung, zum Beispiel 8 oder 11 statt 2,8 oder 4 arbeiten.

  • Profis schwören auf das Rohdatenformat, im Englischen „RAW“ genannt. Mit den gespeicherten Daten kann quasi „ein zweites Mal“ fotografiert werden.

Über- und Unterbelichtung ist möglich, ein perfekter Weißabgleich, Schärfung und Kontrast werden eingestellt: Soll das Bild fürs Album ausgedruckt oder ins Internet gestellt werden? Für jeden Zweck gibt es die passende Einstellung – und die Rohdaten bleiben unverändert. Abschließend liefert die Bildbearbeitungssoftware ein Bild im allgemein verständlichen Dateiformat tif- oder jpeg-Format. Und das sieht meist besser aus, als das jpeg-Foto direkt aus der Kamera.

Die Kehrseite ist aber, dass dafür ein Computer erforderlich ist. Wer die Technik und die Nachbearbeitung am PC scheut, sollte nicht zur digitalen Spiegelreflex­kamera wechseln. Das satte Klackge­räusch allein macht es nicht.

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