Last-Minute reisen

Spätbucher können manchmal eine Menge sparen. Ein Beispiel: Elf Tage im Mit­telklasse-Hotel Beverly Park in Playa del Ingles auf Gran Canaria kosteten für Ende Mai beim Last-Minute-Spezialisten L´tur 462 Euro pro Person, inklusive Flug und Halbpension. Im Katalog, so der Anbieter, sei die gleiche Reise mit bis zu 878 Euro ausgeschrieben. Kurzentschlossene reisten also fast für die Hälfte.

Doppelt so viele buchen kurzfristig

Auch wenn der Preisvorteil meist deutlich niedriger ist, sind Reisen auf den letzten Drücker nach wie vor ein Renner. Entge­gen den Wünschen und Beschwörungen vieler Reiseveranstalter, die geradezu verzweifelt zum Frühbuchen animieren, wächst der Last-Minute-Markt weiter. So hat sich die Zahl der Deutschen, die eine Last-Minute-Reise gebucht haben, in den vergangenen zehn Jahren sogar verdoppelt: Sie stieg von 4,5 Millionen 1994 auf fast 11 Millionen im Jahr 2004.

„Wir haben zurzeit so viele Angebote wie noch nie“, sagt Markus Faller von L´tur. Er schätzt den Anteil von Last-Minute-Reisen am Pauschalreisemarkt auf 15 bis 20 Prozent. Hauptzielgruppe seien nicht mehr die ganz Jungen, sondern die 40- bis 60-Jährigen, im Marketing-Jargon Best Ager genannt.

Bei Thomas-Cook, so der Konzernsprecher Gunther Träger, sei der Last-Minute-Anteil dagegen zugunsten von Neckermann-Frühbucherangeboten gesunken. Dennoch warb Bucher-Reisen, die Last-Minute-Marke von Thomas Cook, im Mai mit erstaunlichen Offerten für Kurzentschlossene: „Eine Woche Bulgarien schon ab 199 Euro pro Person – Kanarenurlaub ab 244 Euro – All-inclusive ab 269 Euro“.

In der Nebensaison haben Last-Minute-Bucher ohnehin die große Auswahl. Während der Sommerferien wird das Angebot allerdings deutlich dünner und häufig schrumpfen auch die Preisnachlässe. Doch ehe ein Flugsitz leer in die Sonne startet, wird die Reise kurzfristig und oft billiger verkauft.

Wie Last-Minute-Reisen entstehen

Beim Marktführer L´tur mischen zwei große Reisekonzerne mit: Das Unternehmen gehört zu 46 Prozent der Tui, 10 Prozent hält Condor, der Rest ist im Besitz des Unternehmensgründers Karlheinz Kögel. Der Baden-Badener Veranstalter stellt einerseits eigene Reisen zusammen, indem er die freien Betten von über 5 000 Hotels weltweit mit passenden Flügen kombiniert. Zum anderen werden übrig gebliebene Reisen von anderen Veranstaltern zu Last-Minute-Preisen verkauft.

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