Projektleiter Stefan Fischer

Wer spendet, legt Wert darauf, dass die Spenden­organisationen vernünftig mit dem Geld umgehen. Der Test von Promi-Organisationen der Stiftung Warentest zeigt, dass Trans­parenz nicht über­all groß geschrieben wird. Projektleiter Stefan Fischer erklärt, wie die Tester vorgegangen sind und worauf sie beim Testen Wert gelegt haben.

Warum haben Sie Promi-Spenden­organisationen getestet?

Fischer: Wir wollen Verbrauchern eine Entscheidungs­hilfe geben. Gerade Prominente bekommen einen Vertrauens­vorschuss, weil sie im Sport, in der Musik oder als Schauspieler eine heraus­ragende Leistung erbracht haben oder erbringen. Wir haben aber fest­gestellt, dass man diese „Professionalität“ nicht eins zu eins auf ihre gemeinnützigen Organisationen über­tragen kann. Einige Organisationen wirken selbst­gestrickt und sind nicht sehr trans­parent.

Wie haben Sie getestet?

Fischer: Wir wollten von den Promi-Organisationen Auskünfte über ihre Trans­parenz, ihre Leitung und Kontrolle, sowie die Verwaltungs- und Werbe­kosten. Dazu haben wir den Organisationen Fragebögen zuge­schickt. Alle Fragen haben wir vorher mit Experten, Branchen- und Verbraucher­vertretern in einem Fachbeirat diskutiert. Die Antworten der Hilfs­werke haben wir ausgewertet und sie den Organisationen vor Veröffent­lichung noch mal vorgelegt und ihnen die Möglich­keit gegeben, mögliche Miss­verständ­nisse aufzuklären. In den Test aufgenommen wurden ausschließ­lich gemeinnützige Organisationen, die mit dem Namen eines Prominenten verknüpft sind. Außerdem mussten die Organisationen in den letzten beiden Geschäfts­jahren Gesamt­einnahmen von durch­schnitt­lich mindestens 250 000 Euro pro Jahr erzielt haben und öffent­lich zum Beispiel auf ihrer Internetseite um Spenden werben. Von den angefragten 28 Organisationen konnten wir zehn bewerten. Die restlichen 18 nahmen aus unterschiedlichen Gründen nicht am Test teil.

Was sind ihre Ergeb­nisse?

Fischer: Zunächst waren wir verwundert, dass die Mehr­zahl der ange­schriebenen Organisationen eine Teil­nahme am Test ablehnte. Das spricht nicht gerade für die Trans­parenz der Branche. Jedoch muss man differenzieren. Zehn Organisationen beant­worteten unsere Fragen. Manche sind im Bereich Trans­parenz sowie Leitung und Kontrolle gut aufgestellt, und schaffen das mit nied­rigen Verwaltungs- und Werbe­kosten. Erfreulich fanden wir außerdem, dass einige Organisationen unsere Fragen zum Anlass nahmen, um in den entsprechenden Bereichen nach­zubessern.

Warum sind einzelne Test­kriterien in diesem Test strenger als die gesetzlichen Anforderungen?

Fischer: Der Gesetz­geber macht nur wenige Vorschriften, was die Kontrolle von Spenden­organisationen angeht. Vereine und Stiftungen müssen ihre Finanzen nicht veröffent­lichen. Lediglich gemeinnützige GmbHs müssen eine verkürzte Bilanz publizieren, die jedoch nichts zur Spenden­verwendung aussagt. Wir sind aber der Meinung, dass Organisationen, die öffent­lich um Spenden werben, nach­weisen sollten, was sie mit dem Geld der Spender tun. Außerdem sollten sich Spenden­organisationen so aufstellen, dass einem Miss­brauch von Spenden vorgebeugt wird. Das kann man mit verschiedenen Kontroll­mecha­nismen erreichen wie zum Beispiel einem Aufsichts­organ oder mit Vergabe- und Förderricht­linien für die Hilfs­projekte. Ab einer gewissen Größe halten wir einen externen Wirt­schafts­prüfer für angemessen.

Ein wichtiges Kriterium – wofür das Geld ausgegeben wird – haben Sie nicht untersucht. Warum?

Fischer: Der Erfolg von unterschiedlichsten Projekten lässt sich nur schwer messen und schon gar nicht vergleichen. So ist die Hilfe für leukämiekranke Kinder nicht mit der Hilfe für arme Kinder zu vergleichen, die an einem Sommerfuß­ball­camp teilnehmen. Deshalb haben wir uns auf die objektiven Kriterien wie Verwaltungs- und Werbe­kostenquote, die Trans­parenz und die Leitung und Kontrolle der jeweiligen Organisationen konzentriert. Sie sind die Voraus­setzung dafür, dass Spenden zielge­richtet und effizient einge­setzt werden. Für Spender ist es wichtig, einen Einblick in die Organisation zu bekommen an die sie spenden wollen. Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Skandale im Spenden­bereich. Trans­parenz und Kontroll­mecha­nismen, beides Kriterien die wir untersucht haben, erschweren es Organisationen, Spendengelder zu veruntreuen. Über­mäßig hohe Ausgaben für Verwaltung und Werbung kann kein Spender für gut heißen.

Viele Promis haben inzwischen nachgebessert. Warum haben Sie das nicht in der Bewertung berück­sichtigt?

Fischer: Um fair zu bewerten, haben wir von vorn­herein einen Stichtag fest­gesetzt. Das war in diesem Fall der 31. Juli 2014. Unseren Fragebogen haben wir bereits Mitte Mai verschickt, so dass die Organisationen ausreichend Zeit hatten, Punkte umzu­setzen, die sich auf unsere Bewertung auswirken. Spätere Nachbesserungen durch die Organisationen haben wir bis zum Redak­tions­schluss in der Tabelle in der Spalte „Finanztest Kommentar“ aufgenommen.

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