Ob von Hirsch­hausen, Klins­mann oder Lahm – viele Prominente sammeln Spenden für einen guten Zweck. Ein Blick hinter die Kulissen.

Wenn Eckart von Hirsch­hausen mit Clowns zaubert, geht kranken Kindern das Herz auf. Und Spender öffnen ihr Portmonee bereitwil­lig, um die Auftritte von Clowns in Kinder­kliniken zu fördern. Von Hirsch­hausen, beliebter deutscher Moderator, Zauberkünstler, Kabarettist, Comedian und Schrift­steller hat im Jahr 2008 die gemeinnützige GmbH „Humor Hilft Heilen“ (HHH) gegründet.

Spricht man HHH laut aus, weiß man, worum es geht. Lachen als Therapie durch Clownbe­suche bei Kindern und Senioren. Die Spenden fließen aber auch in Work­shops für Pfle­gekräfte und in Studien zum Humor im Gesund­heits­wesen.

Wie von Hirsch­hausen sammeln viele Prominente Spenden für einen guten Zweck. Vor allem Sportler wie Fußball­welt­meister Philipp Lahm, Basketball-Ass Dirk Nowitzki und Eislaufstar Katarina Witt geben gemeinnützigen Organisationen ein Gesicht. Doch an welche Organisation sollen Spender Geld über­weisen, wenn sie nicht nur mit dem Herzen, sondern auch mit dem Verstand entscheiden wollen?

Nur 10 von 28 gaben Auskunft

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Finanztest hat 28 Spenden­organisationen in Zusammen­arbeit mit dem Deutschen Zentral­institut für soziale Fragen (DZI) untersucht. Über­raschend viele der Organisationen mit prominenten Gesichtern wollten sich von uns nicht in die Karten schauen lassen. 18 von 28 lehnten eine Teil­nahme am Test aus den unterschiedlichsten Gründen ab. Spendenorganisationen: Die Absager. Einige berufen sich darauf, das Finanz­amt habe sie bereits geprüft, oder verweisen auf ihr Recht, als gemeinnützige Einrichtung nur wenig öffent­lich preis­geben zu müssen.

Nur zehn Organisationen beant­worteten unsere Fragen umfassend. Unter die Lupe genommen haben wir Verwaltungs- und Werbe­kosten, Trans­parenz sowie Leitung und Kontrolle der Organisationen.

Die Antworten der Hilfs­werke auf unsere Fragen zeigen, dass viele nicht so professionell arbeiten, wie wir es angesichts der großen Namen erwartet hätten. Bei einigen hapert es bei der Trans­parenz, bei anderen in der Leitung und Kontrolle.

Beim Test außen vor bleibt der Erfolg der Spenden­projekte. Wir sind nicht nach Äthiopien gefahren, um zu schauen, ob Wasser aus den Brunnen sprudelt, die der inzwischen verstorbene Schauspieler Karlheinz Böhm mit der Stiftung „Menschen für Menschen“ gebaut hat. Auch das Kinder­heim der Klins­mann-Stiftung in Bulgariens Haupt­stadt Sofia haben wir nicht besucht.

Spenden­organisationen bessern nach

Besonders gut sind nach unseren Kriterien die Hilfs­werke von Buch­autor und Verleger Florian Langen­scheidt, von Karlheinz Böhm und von Hannelore Kohl, der verstorbenen Ehefrau des ehemaligen Bundes­kanz­lers. Auch für die Hans-Rosen­thal-Stiftung gilt: „Das war spitze!“, so wie es der im Jahr 1987 gestorbene Show­master in der Fernsehsendung Dalli Dalli immer rief.

Die Hilfs­werke Agapedia von Jürgen Klins­mann und Children for a better World von Florian Langen­scheidt haben sich nach dem Stichtag unseres Tests, dem 31. Juli 2014, verbessert. Klins­mann führte eine Geschäfts­ordnung und eine Reise­kosten­richt­linie ein. Langen­scheidt hat das Vier-Augen-Prinzip sowie ein monatliches Kündigungs­recht einge­führt.

Groß­teil der Spende kommt an

Erfreulich finden wir, dass keiner der zehn Test­teilnehmer mehr als 35 Prozent seiner Ausgaben für Verwaltung und Werbung einsetzt. Das heißt, ein Groß­teil der Spenden geht an die Hilfs­bedürftigen. Damit schneiden die Spenden­organisationen der Prominenten deutlich besser ab als viele der Tier- und Natur­schutz­organisationen im Test vom Vorjahr. Spenden: Diesen Organisationen können Sie trauen, test 12/2013.

Die Marianne Strauß Stiftung, die sich unbürokratisch um unver­schuldet in Not geratene Menschen kümmert, gibt sogar nur 5 Prozent des Spendengeldes für Verwaltung und Werbung aus. Das schafft die Stiftung, weil sie über­wiegend ehren­amtliche Mitarbeiter einsetzt.

Nied­rige Verwaltungs- und Werbe­kosten von 9 Prozent der Gesamt­ausgaben haben die Organisationen von Hans Rosen­thal, Karlheinz Böhm und Philipp Lahm.

Die höchsten Ausgaben für Verwaltung und Werbung hat im Test mit 31 Prozent „Humor Hilft Heilen“ (HHH). Diese Quote ist nach den Richt­linien des Deutschen Zentral­institut für soziale Fragen vertret­bar.

HHH hat im Jahr 2012 viel Geld für Werbung und Verwaltung ausgegeben und viel Spendengeld einge­sammelt. Da die Organisation insgesamt längst nicht so viel Geld ausgegeben wie einge­nommen hat, fällt die Kostenquote hoch aus. Denn die Kosten werden ins Verhältnis zu den Gesamt­ausgaben inklusive des in Projekte investierten Geldes gesetzt. Hätte die Organisation bereits alle Spenden ausgegeben, läge die Kostenquote bei knapp 20 Prozent.

Einige wirken etwas selbst­gestrickt

Vieles ist schon gut bei den zehn Spenden­organisationen. Insbesondere im Prüf­punkt Trans­parenz haben aber einige Luft nach oben. Sie könnten zum Beispiel mit ausführ­licheren Beschreibungen ihrer Projekte und mehr Einblick in die Finanzen punkten.

Trans­parenz ist keine Frage der Größe. Das zeigt die Rosen­thal-Stiftung, die mit Einnahmen von rund 320 000 Euro im Jahr 2012 eher klein ist. Etliche größere Stiftungen wirken dagegen etwas selbst­gestrickt und halten Trans­parenz für nicht so wichtig, Tabelle: Diese zehn Spendenorganisationen haben unsere Fragen umfassend beantwortet. Dabei sollte es für Organisationen, die Spendengelder sammeln, selbst­verständlich sein, gut nach­voll­zieh­bar über Projekte, Finanzen und deren Kontrolle auf der Internetseite zu berichten.

Auch bei Leitung und Kontrolle ihrer Organisation tun sich einige Hilfs­werke schwer. Das Vier-Augen-Prinzip, bei dem eine zweite Person Verträge über­prüft, ist nicht über­all Stan­dard. Bei der Marianne-Strauß-Stiftung gibt es zwischen Vorstand und Kontroll­organ gleich mehrere persönliche und verwandt­schaftliche Verflechtungen. Das finden wir nicht optimal. Besser ist eine solide Trennung zwischen Geschäfts­führung und Aufsicht. Trotzdem ist die Einzel­fall­hilfe der Stiftung eine gute Sache.

Mehr Trans­parenz versprochen

Unser Test scheint für die teilnehmenden Promi-Organisationen ein nützlicher Anstoß zu sein. Einige haben unsere Prüfung zum Anlass genommen, Satzungen und Geschäfts­ordnungen nach­zubessern und für Spender trans­parenter zu werden.

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