Die Wenigsten denken beim Spenden an die Steuer – trotzdem belohnt das Finanz­amt Wohl­tätig­keit.

Wer an gemeinnützige Organisationen spendet, tut Gutes und kann sich einen Teil des Geldes über die Steuern zurück­holen. Hier erklären die Steuer­experten der Stiftung Warentest, welche Regeln dafür gelten.

Diese Steuer­regeln gelten für Spenden

Knapp jeder Dritte in Deutsch­land hat 2019 an eine gemeinnützige Organisation gespendet. Das berichtet der Deutsche Spendenrat, der Dach­verband der großen gemeinnützigen Organisationen in Deutsch­land. Nur bei 0,5 Prozent des Spendenvolumens gaben die Spender Steuererspar­nisse als ausschlag­gebend für ihre Zahlung an.

Spenden sind Sonder­ausgaben

Doch von Steuer­vorteilen profitieren können alle – egal, warum sie spenden. Das Finanz­amt honoriert Wohl­tätig­keit. Es erkennt Spenden als Sonder­ausgaben an, sodass die Einkommensteuer sinkt. Bis zu 20 Prozent des Gesamt­betrags der Einkünfte sind als Spende absetz­bar. Waren die Spenden höher, können sie im folgenden Jahr Abzüge bringen. Unsere Grafik zeigt, wann das Finanz­amt Spenden an gemeinnützige Organisationen anerkennt und was etwa bei Mitglieds­beiträgen oder Sach­spenden zu beachten ist. Bei Zahlungen an politische Parteien und Stiftungen ist sogar noch mehr drin als der Höchst­betrag.

Unser Rat

Corona-Spenden. Haben Sie im Jahr 2020 auf ein Sonder­konto zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gespendet? Dann benötigen Sie auch bei Spenden über 200 Euro keine Spenden­bescheinigung des Empfängers. Es reicht zum Beispiel der Konto­auszug als Beleg aus.

Lohn­steuer­abzug. Spenden Sie regel­mäßig und viel? Beantragen Sie beim Finanz­amt eine Lohn­steuerermäßigung. So senken Spenden sofort Ihre Steuerlast und Sie müssen nicht bis zum Steuer­bescheid warten. Das Finanz­amt verrechnet dann im Bescheid Ihre vorläufige Ermäßigung mit den tatsäch­lichen Spenden.

Neue Anlagen. Seit der Steuererklärung für 2019 müssen Sie Spenden nicht mehr im Haupt­vordruck, sondern in der neuen Anlage Sonder­ausgaben eintragen.

Vereinfachung bei Corona-Spenden

Konto­auszug reicht auch bei hohen Spenden. Um unkomplizierte Spenden im Rahmen der Corona-Pandemie zu ermöglichen, hat das Bundes­finanz­ministerium den Nach­weis vereinfacht. Als Beleg reichen zum Beispiel Konto­auszug oder Ausdruck der Über­weisungs­bestätigung im Online­banking. Dabei ist es egal, wie hoch der Betrag ist. Normaler­weise ist ein einfacher Beleg nur bei Spenden bis 200 Euro ausreichend. Bei höheren Spenden wird eine Bescheinigung des Empfängers benötigt, die oft auto­matisch oder auf Anfrage zuge­schickt wird.

Regelung gilt bis Ende 2020. Die Vereinfachung gilt für Spenden auf Sonder­konten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie des Staates oder von Vereinen der anerkannten Wohl­fahrts­verbände. Das sind etwa der Deutsche Caritas­verband, das Deutsche Rote Kreuz oder die Diakonie Deutsch­land. Zunächst gilt die Regelung für Spenden vom 1. März bis zum 31. Dezember 2020.

Neue Anlage Sonder­ausgaben

Mit der Steuererklärung für 2019 hat sich der Aufbau der Formulare verändert. Spenden kommen jetzt in die neue Anlage Sonder­ausgaben, nicht mehr in den Haupt­vordruck. Spenden etwa an gemeinnützige Hilfs­organisationen, Kirchen, Vereine, Gemeinden, Museen und Universitäten trägt man dort in Zeile 5 ein. Für Spenden und Mitglieds­beiträge an politische Parteien oder Wählerver­einigungen sind die Zeilen 7 und 8 vorgesehen. Wer an eine gemeinnützige Stiftung gespendet hat, muss die Zeilen 9 bis 12 ausfüllen.

Wer als gemeinnützig gilt

Wichtig: Spenden zählen nur, wenn sie an steuer­begüns­tigte Organisationen fließen. Dazu zählen neben Kirchen, Gemeinden, Stiftungen, staatlichen Museen, Universitäten, Vereinen und Parteien auch als gemeinnützig anerkannte GmbHs. Ob eine Organisation steuer­begüns­tigt ist, stellt das Finanz­amt fest. Entscheidend ist, dass sie mit der Spende gemeinnützige, wohl­tätige oder kirchliche Zwecke fördert. Ist dies der Fall, erhält die Organisation einen Frei­stellungs­bescheid.

Tipp: Über­prüfen Sie bei weniger bekannten Organisationen, ob eine Frei­stellung vorliegt. Häufig gibt die Website darüber Auskunft. Eine Frei­stellung sollte maximal fünf Jahre alt sein. Ist nur das Datum eines Bescheids der „Fest­stellung der satzungs­mäßigen Voraus­setzungen“ angegeben, sollte dieses nicht länger als drei Jahre zurück­liegen.

Direkte Zuwendungen an Bedürftige gelten nicht als Spenden. Wer eine andere Person dauer­haft unterstützt, kann aber unter Umständen Leistungen als außergewöhnliche Belastungen absetzen.

Bei Auslands­spenden genau hinsehen

Selbst Spenden an eine Organisation mit Sitz in einem EU- oder EWR-Staat zahlen sich bei der Steuererklärung aus. Der Empfänger muss mit einer im Inland steuer­begüns­tigten Körperschaft vergleich­bar sein und die Spende das Ansehen Deutsch­lands im Ausland fördern. Das hat der Bundes­finanzhof entschieden (Az. X R 5/16). Ob die Voraus­setzungen erfüllt sind, klären Steuerzahler am besten mit dem Finanz­amt, bevor sie die Zuwendung leisten.

Schon bei der Lohn­steuer profitieren

Wer regel­mäßig viel spendet und so eine Steuerermäßigung erhält, muss mit der Erstattung nicht bis zum Steuer­bescheid warten. Er kann beim Finanz­amt einen Antrag auf Lohn­steuerermäßigung stellen. Das Finanz­amt trägt in der monatlichen Lohn­steuer­bescheinigung einen Frei­betrag ein, sodass Arbeitnehmern weniger vom Lohn abge­zogen wird. Der Frei­betrag wird im Steuer­bescheid mit den tatsäch­lich gezahlten Spenden verrechnet.

Zu hohe Spenden sind nicht verloren

Über­schreiten Steuerzahler den Höchst­betrag von 20 Prozent des Gesamt­betrags der Einkünfte, ist der Steuer­vorteil des darüber hinaus­gehenden Betrags nicht verloren. Das Finanz­amt vermerkt den ungenutzten Teil in einem besonderen Bescheid. Die Summe steht dann als „Spenden­vortrag“ im Folge­jahr zur Verfügung.

Damit das Finanz­amt den Spenden­vortrag berück­sichtigt, muss der Steuerzahler in der Steuererklärung für das Folge­jahr ein Kreuz in Zeile 6 der Anlage Sons­tiges setzen. Das Finanz­amt berück­sichtigt den Über­schuss aus dem Vorjahr dann auto­matisch.

Auf Aufwands­vergütung verzichten

Neben Geld­spenden können auch Mitglieds­beiträge und Sach­spenden zu Steuer­vorteilen führen (siehe Grafik). Komplizierter ist die Regelung bei Aufwands­spenden. Wer im Verein mithilft, kann seinen erbrachten Aufwand nur als Spende geltend machen, wenn er auf eine vertraglich oder in der Satzung fest­gelegte Vergütung verzichtet.

Beispiel. Martin Schmitz fährt fast jeden Samstag ein Jugend­team des Volleyball­ver­eins seiner Heimatstadt zu Turnieren. Laut Satzung des Vereins hat er für diese Fahrten Anrecht auf einen Aufwands­ersatz von 30 Cent je Kilo­meter. Er hat die Fahrten protokolliert und kann nach­weisen, dass er insgesamt mehr als 832 Kilo­meter gefahren ist. Schmitz verzichtet jedoch auf eine Auszahlung und lässt sich dies vom Verein quittieren. Den verzichteten Aufwands­ersatz von 249,60 Euro setzt Schmitz als Spende ab.

Spende gilt nur ohne Gegen­leistung

Erhält ein Spender eine Gegen­leistung, lehnt das Finanz­amt die Zuwendung komplett ab, so etwa bei Unicef-Gruß­karten oder Tombolalosen. Gleiches gilt für Aufnahme­beiträge und „Eintritts­spenden“ für Sport­ver­eine. Auch Eltern, die bei Anmeldung ihres Kindes an einer Privatschule eine vom Träger­ver­ein „erwartete Spende“ leisten, können diese nicht absetzen.

Wer eine Schenkung erhält und laut Vertrag verpflichtet ist, einen Teil zu spenden, tut das laut Bundes­finanzhof freiwil­lig und kann die Spende absetzen.

Keinen Vorteil erhalten dagegen Erben, die aufgrund testamentarischer Anordnung spenden.

Steuertipps der Stiftung Warentest

Noch mehr Fragen zu Steuern? Unser Sonder­heft Finanztest Spezial Steuern enthält alle Informationen zu Formularen, Elster und Steuer­bescheid, sowie wichtige Spartipps für die Steuer­jahre 2019 und 2020.

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So setzen Sie Spenden an gemeinnützige Organisationen ab

Erfüllt eine Organisation die Voraus­setzungen, können Sie die Spende absetzen. Wir erklären, was bei welcher Spenden­art gilt.

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Spenden an Parteien und Stiftungen

Bei Spenden an politische Parteien oder Stiftungen können Sie mehr als den Höchst­betrag von 20 Prozent der Einkünfte absetzen.

Spenden an eine Partei

Von Ihren Spenden und Mitglieds­beiträgen an unabhängige Wählerver­einigungen und politische Parteien bis zu 3 300 Euro für Paare (1 650 Euro für Singles) zieht das Finanz­amt die Hälfte direkt von Ihren Steuern ab. Also bis zu 1 650 Euro bei Paaren und 825 Euro bei Singles. Haben Sie mehr als 3 300 Euro an Parteien gezahlt, zählen bis zu weitere 3 300 Euro für Paare (1 650 Euro für Singles) als Sonder­ausgaben. Spenden und Mitglieds­beiträge, die diesen Höchst­betrag über­steigen, lassen sich nicht ins Folge­jahr über­tragen. Ein Spenden­vortrag ist hier nicht möglich.

Beispiel. Julia und Stephan Knübel haben 2019 insgesamt 4 600 Euro an eine politische Partei gespendet. Das Finanz­amt zieht die Hälfte von 3 300 Euro – also 1 650 Euro – direkt von den Steuern des Ehepaares ab. Die weiteren 1 300 Euro zählen als Sonder­ausgaben und senken das zu versteuernde Einkommen und somit auch die Steuerlast.

Spenden an eine Stiftung

Zahlen Sie in das Vermögen einer steuer­begüns­tigten Stiftung ein, können Sie bis zu 2 Millionen Euro (Singles 1 Million Euro) geltend machen. Der Höchst­betrag von 20 Prozent des Gesamt­betrags der Einkünfte zählt hier nicht. Den Abzug können Sie alle zehn Jahre nutzen. Er lässt sich beliebig über diesen Zeitraum verteilen und in Jahren hoher Steuerlast gezielt einsetzen.

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Dieses Special ist erst­mals am 18. Oktober 2016 auf test.de erschienen. Es wurde am 10. November 2020 aktualisiert.

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