Spenden Meldung

Der Sternenkranz des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen ist ein echtes Qualitätssiegel für seriöse Spendensammler. Die unabhängige Überprüfung können aber nicht alle beantragen. So sind etwa Umweltschützer ausgenommen.

Die aktuelle Siegelliste (www.dzi.de) kann per Post angefordert werden. Gegen drei Mark Rückporto gibt es auch (jeweils höchstens drei) Auskünfte zu ungesiegelten Organisationen:

dzi
Bernadottestr. 94
14195 Berlin

... Kontrolle ist besser. Doch längst nicht alle Spendensammler werden wirksam kontrolliert.

Zuletzt machte Rupert Neudecks Spendenorganisation "Cap Anamur" Schlagzeilen: Kosovo-Spenden seien nicht wie versprochen eingesetzt worden, bemängelten Journalisten und fragten: "Wo sind die Millionen?" Der Vorwurf des Missmanagements besteht bis heute. Kein Wunder, dass Spender sichergehen wollen, dass ihr Geld ­ als Spende, Patenschaft oder Beitrag ­ an die richtige Adresse geleitet wird. Ebenso wichtig ist, dass sich die Spendensammler nicht zu viel für die eigene Tasche abzwacken.

Doch eine Gewähr bietet der Spendenmarkt wegen seiner Größe kaum. Rund 240.000 Organisationen dürfen hierzulande Spenden annehmen ­ für Hungerhilfe, Patenkinder oder Krebsforschung. Spendenschätzungen schwanken zwischen jährlich vier und zwölf Milliarden Mark. Längst sind aus Bittstellern mit Rasselbüchse moderne "Fundraiser" geworden ­ psychologisch geschulte Manager der guten Tat, die mit Rundbriefen in Millionenauflage gleich ganze Erbschaften auf ihre Konten leiten.

Spendensiegel nicht für alle

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Die Arbeitsgemeinschaft der evangelikalen Missionen (AEM) verspricht für sein Siegel eine ähnlich strenge Prüfung wie das dzi. Allerdings ist es das Siegel eines Verbandes für seine Mitglieder. Antragsberechtigt sind nur religiöse, diakonische oder missionarische Werke.

Info:
www.aem.de

Eine staatliche "Spenden-Aufsicht" gibt es nicht. Stattdessen fühlt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (dzi) den überregional tätigen Organisationen auf den Zahn und vergibt ein Spendensiegel. Überprüft wird unter anderem, ob die Spendenorganisationen sachlich werben, die Bilanzen stimmen und Verwaltungskosten angemessen sind. Verschwender haben schlechte Karten: Nicht mehr als 35 Prozent des Geldes dürfen für Werbung, Organisation und Provisionen ausgegeben werden, der Großteil muss dem erklärten Hilfszweck direkt dienen.

Die Prüfung des dzi gilt in der Fachwelt als gründlich und gut ­ auf die Seriosität der derzeit 131 dzi-Organisationen dürfen Spender vertrauen. Trotzdem hat das Konzept Schwächen, denn es gilt: Wer nicht will, der muss nicht. Nur 133 Organisationen führen derzeit das Siegel, das beantragt werden muss und je nach Spendenaufkommen zwischen 500 und 8.000 Mark kostet. Zwar sind das zumeist bekannte Organisationen, die große Spendensummen auf sich vereinen. Doch mancher "Big Player" des Spendengeschäfts zeigt dem dzi weiter die kalte Schulter: So sind etwa die Deutsche Krebshilfe, die SOS-Kinderdörfer oder der Weiße Ring nicht dabei.

Selbst das Deutsche Rote Kreuz hat noch kein Siegel. Erstaunlich, denn das DRK ist einer der Träger des traditionsreichen dzi, meint aber, dass die Prüfung nicht auf das Rote Kreuz anwendbar wäre. dzi-Chef Burkhard Wilke sieht das anders: "Auch das DRK könnte problemlos geprüft werden, wenn es nur wollte." Weiteres Manko der dzi-Arbeit: Geprüft werden nur so genannte humanitär-karitative Einrichtungen. Umweltschützer oder Tierschutzvereine dürfen kein Siegel beantragen ­ obwohl sie Spenden sammeln. In der harten Konkurrenz ums Geld können sie da leicht ins Hintertreffen geraten, wenn Spender die insoweit falsche Frage stellen: "Haben die auch das dzi-Siegel?"

Wächterauge suggeriert Prüfung

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Mitglieder im Deutschen Spendenrat haben sich zur Seriosität verpflichtet, eine unabhängige Kontrolle findet nicht statt. Auf Beschwerden von Spendern will der Rat mit Rügen und Ausschlüssen reagieren, was aber selten vorkommt. Die Zahl der Mitglieder nimmt ­ entgegen den Angaben des Spendenrates ­ ab und ist von über 50 (1995) auf 41 (2000) gesunken.

Info:
www.spendenrat.com

Neben dem dzi gibt es seit 1993 den Deutschen Spendenrat, gewissermaßen als Gegenbewegung. Dort wird nichts überprüft, die zahlenden Ratsmitglieder, wie etwa die Herzstiftung und die "Ärzte ohne Grenzen" verpflichten sich lediglich unverbindlich, Regeln wie standardisierte Rechnungsprüfung, sachliche Werbung und zweckgerichtete Mittelverwendung einzuhalten. Melden Spender Verstöße, droht eine Rüge, schlimmstenfalls der Rauswurf.

Allzu große Angst vor öffentlichem Tadel müssen die 41 Mitglieder aber nicht haben: Bislang gab es nur zwei Beschwerden. Eine führte zur Rüge und zum Austritt der "Stiftung deutscher Wald" aus dem Rat. Dabei verstoßen viele Spendenratsmitglieder selbst gegen einfachste Regeln ­ wie etwa die Selbstverpflichtung, auf Anfrage Spendenberichte zu versenden. Das hat eine Untersuchung der Universität Trier aus dem Jahr 1996 ergeben. Das Logo des Spendenrates, ein stilisiertes Wächterauge, darf man daher nicht als Qualitätssiegel, sondern höchstens als Erklärung guten Willens verstehen. Der Spendenrat ist vor allem Lobby seiner Mitglieder ­ und nicht deren gestrenger Kontrolleur.

Nutzloses Internet-Register

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Das Signet des Deutschen Spendeninstiutes (DSK) soll ausdrücklich kein Siegel sein. Es dokumentiert lediglich, dass eine Organisation seine Daten im Institutsregister (RDS) veröffentlicht. Die vernünftige Idee funktioniert nicht, da das DSK veraltete und unvollständige Einträge nicht löscht. Ein RDS-Eintrag ist für Spender ein nutzloses Kriterium. Das Register eignet sich nur zum Auffinden von Adressen

Info:
www.dsk.de

Gar keine Kontrolle sieht schließlich das Konzept des Deutschen Spendeninstituts Krefeld (DSK) vor. In dessen "Register Deutscher Spendenorganisationen" (RDS) sollen Sammelorganisationen lediglich ihre Daten wie etwa aktuelle Jahresberichte veröffentlichen. Trotzdem verspricht das Institut im Internet vollmundig: "Sie dürfen davon ausgehen, dass die Organisationen, die ihre Arbeitsweise in diesem Register öffentlich dokumentieren, keine spender- bzw. spendenmissbrauchenden Absichten verfolgen."

Auf den ersten Blick beeindruckt das Internetangebot: Gleich 242 Organisationen präsentieren Daten. Der zweite Blick entlarvt die "31.000 Informationsseiten" aber als Info-Wüste. Viele Angaben sind veraltet, wie etwa die seit 1997 brach liegenden Greenpeace-Berichte. Bei manchen Organisationen finden sich nur Nullen oder Einsen in den Eingabefeldern und selbst das DSK präsentiert sich im eigenen Register mit unvollständigen Zahlen aus dem Jahr 1995. Verwirrung stiftet auch ein Ranking: Hundert Organisationen sind nach Umfang ihres Datenbestands im Register sortiert. Spitzenreiter ist der Hartauer Zweiradclub mit stolzen 800.000 Byte, die aber nur zusammenkommen, weil die Zweiradfreunde ihre Vereinssatzung gleich elf mal in die Datenbank kopiert haben. Die Datenmenge als Kriterium für das Maß an Transparenz ­ eine Mogelpackung.

Vorbild Schweden

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Dass ein Spendenmarkt transparenter sein kann, zeigt das Beispiel Schweden. Bei der strengen Siegelinstitution SFI stehen die Spendenorganisationen mittlerweile zur Prüfung Schlange. Clou des schwedischen Systems: Geprüfte Organisationen dürfen besondere Spendenkontonummern verwenden, die der Bevölkerung signalisieren: "Alles in Ordnung."

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