Richtig spenden: Worauf Spender achten sollten

Erbeben­katastrophe 2015 in Nepal: Das Spendengeld der Hilfs­organisationen floss nicht nur in die Sofort­hilfe, sondern auch in den lang­fristigen Wieder­aufbau des Landes.

Viele Spender fragen sich, wie sie am wirkungs­vollsten helfen können: Kommt das Geld wirk­lich an? An wen spende ich am besten? Gibt es schwarze Schafe? Wer noch nicht weiß, für wen er spenden möchte, sollte sich vorher ein genaues Bild der Organisation machen. Unsere FAQ können dabei helfen.

An welche Organisation kann ich mit gutem Gewissen spenden?

Das ist gar nicht so einfach. Gut ist, wenn eine Spenden­organisation ihre Projekte trans­parent darstellt. Dazu gehört, dass Spender in einem zeit­nah veröffent­lichten Jahres­bericht über Einnahmen und Ausgaben für die Projekte informiert werden und Werbe- und Verwaltungs­kosten getrennt ausgewiesen sind. Zur Trans­parenz gehört auch, alle Fragen der Spender zu beant­worten. Wichtig ist, ob eine Organisation bereits vor einer humanitären Katastrophe im jeweiligen Land aktiv war. Denn Hilfs­organisationen, die bereits Strukturen vor Ort haben, können meist schnell und effektiv helfen.

Welche Qualität haben die verschiedenen Spendensiegel?

Das Spendensiegel des Deutschen Zentral­instituts für Soziale Fragen (DZI) ist besonders aussagekräftig. Alle zwei Jahre prüfen Mitarbeiter des DZI, ob Spenden zweck­gerichtet, spar­sam und wirt­schaftlich verwendet wurden. Im Unterschied zum DZI-Spendensiegel verpflichten Mitgliedschaften bei der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ), beim Deutschen Spendenrat und beim Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro) lediglich zur Veröffent­lichung wichtiger Informationen über Projekte und Finanzen. Da bei der Initiative Trans­parente Zivilgesell­schaft keine Kosten anfallen, könnte hier eigentlich jede Spenden­organisation mitmachen.

Kann ich einer Organisation, die gemeinnützig ist, bedenkenlos Geld geben?

Nein, denn die Gemeinnützig­keit wird anhand von formalen Kriterien vergeben. Sie sagt nichts über die Qualität einer Spenden­organisation aus. Spender sollten sich deshalb eine eigene Meinung bilden, bevor sie Geld an eine Organisation über­weisen.

Gibt es unter den Hilfs­organisationen auch schwarze Schafe?

Ja. Setzen Organisationen Spender emotional unter Druck oder verschi­cken ständig kosten­intensive Bettel­briefe, sind sie nicht empfehlens­wert. Vor welchen Hilfs­werken das DZI warnt, steht unter der Rubrik Das DZI rät ab auf der DZI-Website. Eine weitere Negativ­liste veröffent­licht die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Rheinland-Pfalz. Doch Vorsicht: Beide Listen sind nicht voll­ständig.

Wie viel von meinem Geld kommt bei den Hilfs­bedürftigen an?

Das hängt davon ab, wie viel eine Organisation für Werbung, Verwaltung und die Dokumentation ihrer Arbeit ausgibt. Nicht immer sind Kosten von mehr als 10 Prozent auch ein Indiz für schlechtes Wirt­schaften mit dem Spendengeld. Oft müssen Menschen erst mit aufwendigen Werbe­kampagnen, die auf Notsituationen aufmerk­sam machen, zu Spenden moti­viert werden. Das DZI hält Kosten für Verwaltung und Werbung in Höhe von bis zu 30 Prozent als noch vertret­bar.

Sollte ich mein Geld besser mehreren Organisationen geben?

Das hängt von der Höhe des Betrags ab. Da jede Spende Verwaltungs­kosten verursacht, sollten Einzel­spenden nicht zu klein ausfallen. Erst ab 100 Euro oder mehr ist es über­legens­wert, den Betrag zu splitten und an mehrere Organisationen zu spenden. Da sie sich vor einer Über­weisung über die Spenden­organisation genau informieren sollten, ist es sinn­voller, sich auf einige wenige Hilfs­werke zu konzentrieren.

Warum bitten Hilfs­werke darum, ohne Zweck­bindung zu spenden?

Das tun die Organisationen, weil nicht jedes Unglück die gleiche mediale Aufmerk­samkeit bekommt. Wird über eine Katastrophe viel im Fernsehen berichtet, kommt oft mehr Geld zusammen, als tatsäch­lich benötigt wird. Hat ein Spender als Zweck die Hilfe für Opfer des Tsunamis in Indonesien bestimmt, darf sein Geld nicht für hungernde Kinder im Südsudan ausgegeben werden, die vielleicht weniger große Schlagzeilen produziert haben.

Leiten Spenden­organisationen meine Spende an andere Organisationen weiter?

Ja, seriöse Organisationen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie bei großen humanitären Katastrophen wie zuletzt auf der Insel Sulawesi in Indonesien nicht allein vorgehen, sondern bereits im Land tätige örtliche Hilfs­werke unterstützen. Bei den drei Spendenbünd­nissen Aktion Deutsch­land Hilft, Bündnis Entwick­lung Hilft und bei dem Aktions­bündnis Katastrophen­hilfe wird das Geld der Spender zunächst an die Mitglieds­organisationen verteilt. Diese leiten das Geld dann teil­weise an Part­ner­organisationen weiter, die bereits im Katastrophen­gebiet arbeiten. Spender, die ein Mitglied der Spendenbünd­nisse gut kennen und auf dessen Arbeit vertrauen, sollten direkt spenden.

Sind Dauer­spenden besser als Einzel­spenden?

Natürlich hilft jede Spende. Vor allem in Notsituationen sind Einzel­spenden wichtig, um akute Hilfs­maßnahmen finanzieren zu können. Für lang­fristige Wieder­aufbaumaß­nahmen und nach­haltige Entwick­lungs­arbeit sind dagegen regel­mäßige Spenden per Dauer­auftrag oder Last­schrift wichtig. Manche Organisationen versuchen deshalb durch Patenschaften einen emotionalen Bezug herzu­stellen, um Dauer­spenden zu erhalten.

Worauf muss ich achten, wenn ich regel­mäßig spenden will?

Auch wenn eine Fördermitgliedschaft, Dauer­spende oder vielleicht sogar eine Patenschaft mit einem konkreten Zweck oder sogar einem Patenkind verbunden sind, sollte sie trotzdem kurz­fristig künd­bar sein. Es muss immer die freie Entscheidung eines Spenders sein, ob er sein Engagement fortsetzen will. Seriöse Hilfs­organisationen räumen Spendern auch ein 14-tägiges Widerrufs­recht ein.

Was passiert mit meinem Geld, wenn für eine Katastrophe zu viel gesammelt wurde?

Das kommt auf die Organisation an. Nach der Erbeben­katastrophe 2015 in Nepal erhielt etwa Child Fund Deutsch­land mehr Spenden als benötigt und buchte das Geld darauf­hin als Reserve für spätere Katastrophen um. Der Spender erfährt das nicht. Vorbild­lich finden wir die Reaktion der Organisation Ärzte ohne Grenzen, die für die Tsunami­katastrophe in Südost­asien 2004 mehr Spenden bekam als tatsäch­lich benötigt. Ärzte ohne Grenzen informierte darauf­hin Spender über die Über­zahlung und bat sie, das Geld für andere Hilfs­projekte einsetzen zu dürfen. Wer das nicht wollte, bekam sein Geld zurück.

Fließt das bei Katastrophen gesammelte Geld nur in Nothilfe oder wird damit auch lang­fristige Aufbau­arbeit betrieben?

Das hängt von der begüns­tigten Hilfs­organisation ab. Bei den Spendenbünd­nissen wird das Geld auf die Mitglieder verteilt, sodass sowohl Sofort­hilfe als auch lang­fristige Aufbauhilfe geleistet wird. Wer im Notfall vor allem die akute Hilfe unterstützen will, der muss sich ein Hilfs­werk aussuchen, das seine Arbeit darauf konzentriert. So leistet die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ meist sofort nach einer Katastrophe medizi­nische Erst­hilfe.

Kann ich eine Spende von der Steuer absetzen?

Ja, Spenden können Sie in Höhe von maximal einem Fünftel der gesamten Einkünfte von der Steuer absetzen. Normaler­weise brauchen Sie dafür bei Beträgen von mehr als 200 Euro eine Spendenquittung. Handelt es sich allerdings um Spenden nach humanitären Notlagen oder Katastrophen – wie im Oktober 2018 in Indonesien –, reicht dem Finanz­amt ein einfacher Spenden­nach­weis für Zahlungen auf Sonder­konten. Das kann ein von der Bank abge­stempelter Einzahlungs­beleg, ein Konto­auszug oder ein PC-Ausdruck über eine Online­über­weisung sein. Auf dem Beleg sollten Name und Konto­nummer von Spender und Empfänger sowie Betrag und Buchungs­tag erkenn­bar sein.

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