Spenden Special

Ein Erdbeben und ein Tsunami haben im Oktober 2018 große Teile der Insel Sulawesi in Indonesien verwüstet.

Erst bebte die Erde, dann kam die Flut. 1 500 Tote gab es im Oktober 2018 auf der indonesischen Insel Sulawesi. Mehr als 100 000 Über­lebende brauchten dringend Lebens­mittel, Trink­wasser, Unterkünfte und medizi­nische Hilfe. ARD und ZDF blendeten Konto­nummern von Spendenbünd­nissen ein. Doch welche Organisation kann nach einer Katastrophe wirk­sam helfen? Und wie werden Gelder verteilt, die Fernseh­zuschauer an Spendenbünd­nisse über­weisen? Finanztest ist der Frage nachgegangen.

Unser Rat

Spenden. Wollen Sie spenden, geben Sie Ihr Geld einer Organisation, die Sie gut kennen und der Sie vertrauen.

Bünd­nisse. Im Katastrophenfall können Sie Ihr Geld auch an die Spendenbünd­nisse über­weisen, die in ARD und ZDF werben. Die Mitglieds­organisationen der Bünd­nisse arbeiten in der Regel mit Helfern am Ort des Geschehens zusammen. Wie das Geld der Zuschauer an die einzelnen Mitglieder der Spendenbünd­nisse verteilt wird, steht in unserer Grafik.

Zweck. Über­legen Sie, ob Ihr Geld nur für die Katastrophe ausgegeben werden darf, über die das Fernsehen gerade groß berichtet. Geben Sie keinen Spenden­zweck an, kann die Hilfs­organisation Ihr Geld auch für Notfälle einsetzen, die medial kaum Schlagzeilen machen.

Steuer. Setzen Sie Ihre Spende von der Steuer ab. Über­weisen Sie auf ein anerkanntes Notfall­konto, brauchen Sie auch für Beträge von mehr als 200 Euro seit 2017 nur noch einen Konto­auszug aufzuheben – falls das Finanz­amt nach­fragt.

Wer gehört zu wem?

Grund­sätzlich gilt: Spender, die eine Einzel­organisation bereits gut kennen und ihr vertrauen, sollten ihr Geld am besten direkt dorthin über­weisen (Richtig spenden). Wer keine Organisation kennt, aber helfen möchte, wenn er im Fernsehen von einer Katastrophe hört, kann sein Geld auf ein von der ARD oder dem ZDF angegebenen Nothilfe­konto über­weisen. Bei der ARD geht das Spendergeld an zwei Bünd­nisse: an „Aktion Deutsch­land Hilft“ und das „Bündnis Entwick­lung Hilft“. Beim ZDF wird das Geld für das „Aktions­bündnis Katastrophen­hilfe“ einge­sammelt. In den drei Bünd­nissen hat sich ein Groß­teil der Katastrophen­hilfe­organisationen Deutsch­lands zusammen­geschlossen, um nach Krisen gemein­sam um Spenden zu werben. Das ist kostenlos und effizienter, da die einzelnen Mitglieder Werbeausgaben sparen.

Spenden Special

Mehr als 100 000 Menschen ­benötigen nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in ­Indonesien Lebens­mittel, Trink­wasser, Notunterkünfte und medizi­nische Sofort­hilfe

Kein Einheits­bündnis in Deutsch­land

In Groß­britannien haben sich auf Initiative der Rund­funk­anstalt BBC zwecks effizienterer Spendenwerbung viele Hilfs­werke zu einer Organisation zusammengetan. Das hat in Deutsch­land nicht geklappt. Grund dafür waren Streitereien. So wollte beispiels­weise das Bündnis Entwick­lung Hilft nicht in einen Topf mit der Aktion Deutsch­land Hilft geworfen werden, weil es deren Mitglieder nicht für seriös genug hielt. Schließ­lich stritt man auch über die Aufteilung der Gelder.

DZI-Siegel für trans­parente und effiziente Verwendung des Spendengelds

Wie die Bünd­nisse das einge­sammelte Spendengeld an ihre Mitglieds­organisationen verteilen und welche Hilfs­werke den jeweiligen Bünd­nissen angehören, steht in unserer Grafik. Dort zeigen wir auch, welche Organisationen sich vom Deutschen Zentral­institut für soziale Fragen (DZI) prüfen lassen und das DZI-Spendensiegel tragen. Das Siegel erhalten Hilfs­organisationen, wenn sie unter anderem eine trans­parente und effiziente Verwendung der Spendengelder nach­weisen.

229 Organisationen mit DZI-Siegel

Gemeinnützige Hilfs­werke müssen mindesten 25 000 Euro Spenden pro Jahr einsammeln, bevor sie das Spendensiegel des Deutschen Zentral­instituts für soziale Fragen (DZI) beantragen können. Um es zu erhalten, müssen sich die Organisationen jedes Jahr einer strengen Prüfung durch Mitarbeiter des DZI unterwerfen, die bis zu sechs Monaten dauern kann. Die Grund­gebühr für die Prüfung beträgt 500 Euro plus einen Zusatz­betrag von 0,035 Prozent der jähr­lichen Gesamt­einnahmen plus 19 Prozent Mehr­wert­steuer. Jede Hilfs­organisation muss nach­weisen, dass sie Spenden zweck­gebunden, spar­sam und wirt­schaftlich verwendet. Dazu müssen alle Einnahmen und Ausgaben für Verwaltung und Werbung offengelegt werden.

Was die Hilfe erschwert

Wenn Zuschauer schreck­liche Fernseh­bilder vor Augen haben, wollen sie oft sofort helfen. Doch Gelder schnell und effektiv einzusetzen, ist manchmal gar nicht so einfach, wie es in den Spenden­aufrufen klingt. Nach dem verheerenden Erdbeben im April 2015 in Nepal etwa dauerte es viele Monate, bis die nepalesische Regierung interne Streitig­keiten um die Verteilung ausländischer Hilfs­gelder beigelegt hatte. Bis dahin durften keine auswärtigen Helfer ins Land. Weiter erschwerten eine Grenz­schließung aufgrund innen­politischer Konflikte und der Monsun­regen die Hilfe. Auch viele Faktoren außer­halb des Einfluss­bereichs der Organisationen tragen dazu bei, schnelle Hilfe zu verhindern. Alle Bünd­nisse betonen deshalb, dass die Zusammen­arbeit mit einheimischen Part­nern in den Krisen­gebieten das A und O einer wirk­samen Hilfe ist.

ARD: Aktion Deutsch­land Hilft

Die im Jahr 2001 gegründete Aktion Deutsch­land Hilft hat mit knapp 27 Voll­zeitstellen im Inland deutlich mehr Mitarbeiter als die anderen beiden Bünd­nisse. Das Bündnis wirbt auch außer­halb des Fernsehens um Spenden und hat im Jahres­bericht sehr ausführ­lich über Einnahmen und Ausgaben berichtet. Es hat 13 Mitglieder – darunter ist der Paritätische Wohl­fahrts­verband mit weiteren zehn Hilfs­werken. Aktuell kümmern sich die Mitglieder etwa um die vertriebene Volks­gruppe der Rohingya in Bangladesch, Hungers­nöte in Afrika, um Opfer der Monsunfluten in Indien, des Taifuns auf den Philippinen, des Tsunamis in Indonesien und Seenot­rettung im Mittel­meer. Zwar hat die Aktion Deutsch­land Hilft das Spendensiegel des DZI, doch für viele der Mitglieder gilt das nicht: Von den 13 Voll­mitgliedern lassen nur 4 vom DZI über­prüfen, wie sie mit den erhaltenen Spenden umgehen.

ARD: Bündnis Entwick­lung Hilft

Das Bündnis Entwick­lung Hilft wurde 2005 nach der Tsunami-Katastrophe in Südost­asien gegründet und koope­riert seitdem ebenfalls mit der ARD. Alle seine Mitglieder und das Bündnis selber haben das DZI-Spendensiegel. Haupt­einsatz­orte sind Afrika, Asien und Latein­amerika. Neben der Sofort­hilfe fördert das Bündnis Projekte zur Existenz­sicherung oder den Aufbau von Gesund­heits- und Bildungs­einrichtungen. Außerdem gibt es jedes Jahr einen Welt­risik­obericht heraus, in dem die Gefahren von Natur­katastrophen analysiert werden.

ZDF: Aktions­bündnis Katastrophen­hilfe

Das 2001 gegründete Aktions­bündnis Katastrophen­hilfe ruft gemein­sam mit dem ZDF zu Spenden auf. Im Bündnis sind Caritas Interna­tional, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophen­hilfe und Unicef Deutsch­land vertreten. Alle haben das DZI-Spendensiegel. Wie wichtig Strukturen vor Ort sind, zeigte sich auch nach der Katastrophe in Indonesien. Obwohl die Regierung keine ausländischen Helfer ins Krisen­gebiet ließ, konnten zum Beispiel die vier Bünd­nismitglieder trotzdem Anfang Oktober Notfall­hilfe leisten – über lokale Partner. 

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