Spenden Meldung

Vorsicht: Wer sicher sein will, dass das Geld wirklich Bedürftige erreicht, sollte auf das Spendensiegel achten.

Geben ist seliger denn Nehmen – doch besonders in der Weihnachtszeit wird die Bibelweisheit allzu oft ins Gegenteil verkehrt: Auf dem Spendenmarkt tummeln sich gerade jetzt auch Scharlatane und Ganoven. Wie lassen sich seriöse Organisationen erkennen? Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat Informationen über rund 2 100 Organisationen gesammelt. test.de klärt auf und gibt Tipps, wie Sie sicher spenden.

Spendenbetrüger lauern überall

Da waren drei allzu pfiffige Jungen aus dem Kreis Steinfurt mit einer Spendendose durch die Gemeinde gepilgert. Sie baten um Geld für die Neuenkirchener St. Josef-Kirche. Und damit das Ganze auch glaubwürdig wirkte, legten sie eine Spendenliste vor, auf der sie vorsorglich bereits einige Namen eingetragen hatten. Doch eine Nachbarin rief im Pfarrbüro an, wo niemand etwas von der Sammlung wusste, dann bei der Polizei. Die konnte die 13- bis 15-Jährigen festnehmen und das Geld den Spendern zurückgeben. So glimpflich geht es nicht immer aus. Nicht nur zur Weihnachtszeit haben Spendenbetrüger Hochsaison: Sie nutzen jeden aktuellen Anlass. So kursieren derzeit im Internet gleich mehrere Seiten mit Spendenaufrufen für das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch, die nichts zu tun haben mit der von ihr selbst gegründeten „Natascha-Kampusch-Foundation“.

Drei Milliarden Euro pro Jahr

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Geschätzte drei Milliarden Euro spenden die Deutschen jedes Jahr. Genaue Zahlen gibt es nicht, ebenso wenig über die Zahl der Hilfswerke: Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat Informationen über rund 2 100 Organisationen gesammelt. Doch es gibt wesentlich mehr. „Bundesweit arbeiten rund 500 000 gemeinnützige Vereine“, berichtet DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke, „nur sammeln nicht alle Spenden.“ In der Flut der Hilfswerke bildet das DZI eine Art Leuchtturm. Das Institut, das sich aus öffentlichen Mitteln finanziert, vergibt ein Spendensiegel an seriöse Organisationen. Dafür prüft es unter anderem die Verwendung der Mittel, die Werbeaktivitäten und die Verwaltungskosten: Bis 20 Prozent werden als angemessen gewertet, bis 35 Prozent als noch vertretbar, denn schließlich kann es aufwendig sein, Güter in schwer zugängliche Krisengebiete zu leiten. Organisationen mit höheren Verwaltungskosten wird das Siegel verweigert – wobei Werbung nicht zu den Verwaltungskosten zählt.

213 Organisationen mit Spendensiegel

Derzeit tragen 213 Organisationen das Spendensiegel, das jährlich neu beantragt werden muss. Hier können Spender sicher sein, dass das Geld wirklich Bedürftige erreicht. Die Liste steht unter www.dzi.de. Geprüft werden jedoch nur Hilfswerke, die sich selbst beim DZI melden und die Kosten für die Prüfung übernehmen. Vor allem kleine Organisationen sparen sich das. Fehlt ein Verein in der Liste, muss er also nicht unseriös sein. Außerdem prüft das DZI nur Hilfswerke, die sich im humanitär-karitativen Bereich engagieren, nicht also zum Beispiel Tier- oder Umweltschutzvereine. Der Tierschutzbund oder Greenpeace können das Spendensiegel gar nicht bekommen.

Infomaterial sichten

Wer lieber Organisationen aus diesen Bereichen spenden möchte, muss genau hinschauen. Oft sagen schon Infomaterial und Jahresberichte eine Menge aus. So warb ein „International Children's Fund“ mit Fotos hungernder Kinder: „Der kleine, schwache Körper beginnt, sich selbst zu zerfressen. Oh, wie diese ausgedörrten Lippen ein bizarres Todesgrinsen formen.“ Was so überzogen mitleiderregend daherkommt, hält das DZI für unseriös. Tatsächlich steckte eine gewerbliche Schweizer Firma dahinter.

Nicht überreden oder gar nötigen lassen

Vorsicht gilt auch bei Haustür-Verkäufern, die angebliche Behindertenware oder fußgemalte Bildchen anbieten. Oft sind es Profis, die den Großteil des Geldes selbst einstecken. Grundregel: Wenn die Sammelbüchse penetrant unter die Nase gehalten wird, sollten Sie Abstand halten. Spenden ist eine freiwillige gute Tat, die aus eigenem Antrieb erfolgen sollte, nicht aus Überredung oder gar Nötigung. Ähnlich ist es bei Werbern, die Passanten in der Fußgängerzone mit Fotos von Folteropfern oder Tierquälerei drangsalieren. So wurde der Menschenrechtsverein für Migranten, der angeblich Folteropfer im Iran unterstützt, von der EU als Terrororganisation eingestuft.

Professionelle Verkäufer im Einsatz

Doch auf professionelle Verkäufer wollen selbst renommierte Organisationen nicht verzichten. „Auch das Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund oder die Johanniter arbeiten mit Werbern zusammen“, berichtet DZI-Sprecherin Tanja Ibrahim. Sie verkaufen meist Fördermitgliedschaften. Die Provision richtet sich nach der Zahl der Verkäufe. Trotzdem lohnt sich das für die Hilfswerke: Bei einigen bleiben Fördermitglieder im Schnitt etwa 15 Jahre. Das spart Geld für die Werbung.

Vorsicht vor Trittbrettfahrern

Doch auch wenn bekannte Namen an der Haustür klingeln, sollten Spender vorsichtig sein. Oft sind es nur Trittbrettfahrer, die sich gezielt Namen geben, die denen seriöser Organisationen ähneln. So wurden Betreiber des Tierschutzvereins „Arche 2000“ zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Betrugs in Millionenhöhe verurteilt. Der Verein hat nichts zu tun mit Tierschutzvereinen, die ebenfalls die Bezeichnung „Arche“ im Namen führen.

In Ruhe überlegen

Vor allem sollten Spender nicht vorschnell unterschreiben. Manche Drücker geben vor, sie bräuchten eine Unterschrift nur als Nachweis, dass sie tatsächlich unterwegs waren. Wer nicht aufpasst, unterschreibt ungewollt eine Einzugsermächtigung. Ähnlich gehen Drücker am Telefon vor: Um Infomaterial zu verschicken, fragen sie nach der Adresse und gleich auch nach der Kontoverbindung. Später wird dann Geld abgebucht und ein telefonischer Vereinsbeitritt behauptet.

Tipps: So spenden Sie richtig

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