Spenden Special

Viele Menschen spenden seit dem Sommer 2015 für Flücht­linge – auf ganz unterschiedliche Art und Weise. 34 Prozent aller Bürger in Deutsch­land haben 2015 Sach­spenden gestiftet, 8 Prozent Geld­spenden und 6 Prozent haben sich ehren­amtlich engagiert, so der Deutsche Spendenrat e. V. Egal ob sie für Flücht­linge, Sport­ver­eine oder Erdbeben­opfer gespendet haben: Häufig können Spender ihre Steuern senken. Finanztest zeigt, wie das geht.

Vereinfachter Spenden­nach­weis

Noch bis Ende 2016 reicht zum Beispiel bei Spenden für Flücht­lings­hilfe in unbe­grenzter Höhe der vereinfachte Spenden­nach­weis. Den gestattet das Bundes­finanz­ministerium bei humanitären Notlagen und nach Natur­katastrophen, wenn Opfer dringend auf Hilfe angewiesen sind. Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohn­steuer­hilfe e. V. (VLH) sagt: „Wer noch bis Jahres­ende für die Flücht­lings­hilfe, für Betroffene der Unwetter vom Frühsommer oder Erdbeben­opfer in Ecuador spendet, benötigt lediglich einen von der Bank abge­stempelten Einzahlungs­beleg, einen Konto­auszug oder einen PC-Ausdruck über die erfolgte Online­über­weisung.“ Name und Konto­nummer von Spender und Empfänger sowie Betrag und Buchungs­tag müssen erkenn­bar sein. „Auf Konto­auszügen dürfen sämtliche Angaben geschwärzt werden, die nichts mit der Spende zu tun haben“, erläutert Georgiadis.

Bis 200 Euro reicht ein Konto­auszug

Spenden Special

Knapp 300 Tote forderte das Erdbeben im August im italienischen Amatrice, nord­östlich von Rom.

Der vereinfachte Nach­weis gilt sonst nur für Geld- und Sach­spenden im Wert von bis zu 200 Euro. Ist der Empfänger eine gemeinnützige Organisation oder politische Partei, muss der Verwendungs­zweck deutlich sein. Es reicht, wenn die Angaben auf der Durch­schrift des Über­weisungs­trägers oder einem anhängenden Abschnitt stehen.

Nur bei höheren Beträgen ist eine Spenden­bescheinigung nötig

Bei höheren Beträgen pocht das Finanz­amt auf eine Spenden­bescheinigung – offiziell „Zuwendungs­bestätigung“ genannt. Diese ist Voraus­setzung für den Spenden­abzug. Sie muss vom Empfänger nach amtlichem Muster ausgestellt sein und darf auch mehrere Geld­spenden umfassen. Der Spender muss seiner Steuererklärung die Bescheinigung im Original beifügen.

Manche Kirchen stellen „Kollektenbons“ aus

Wer bei einer Straßensamm­lung spendet, kann den Betrag nicht geltend machen. Dasselbe gilt für die Kollekte in Gottes­diensten. Manche Kirchen­gemeinden nehmen aber Spenden entgegen und stellen „Kollektenbons“ im Wert von 1 bis 10 Euro sowie Spenden­bescheinigungen aus. Statt Bargeld kann der Gläubige dann einen Bon in den Klingelbeutel legen – und die vorher geleistete Spende von der Steuer absetzen.

Freiwil­lig und ohne Gegen­leistung

Das Finanz­amt stellt weitere Bedingungen für den Spenden­abzug. Christina Georgiadis von der VLH sagt: „Der Spender muss freiwil­lig handeln und darf für seine Zuwendung keine Gegen­leistung erhalten.“ Zahlungen, die ein Erbe aufgrund einer Anordnung im Testament leistet, sind folg­lich nicht abzugs­fähig. Geht der Spender dagegen aus freien Stücken eine Zahlungs­verpflichtung ein, indem er zum Beispiel eine Patenschaft für ein notleidendes Kind über­nimmt, zieht das Amt jedoch mit.

Karten fürs Benefiz­konzert und Tombola-Lose nicht absetz­bar

Damit ist es vorbei, sobald der Spender eine Gegen­leistung erhält – selbst wenn deren Wert nur einen geringen Teil der Spende ausmacht. Das Finanz­amt lässt eine Aufteilung in „reine“ Spende und Gegen­leistung nicht zu, sodass der Steuerzahler die Differenz zwischen beiden nicht geltend machen kann. Aus diesem Grund sind Zuschläge für Wohl­fahrts­briefmarken und Unicef-Gruß­karten ebenso wenig absetz­bar wie der Ticket­preis für ein Benefiz­konzert, die Beitritts­spende für den Golf­klub sowie der Obolus für Lose bei der Tombola einer Wohl­fahrts­organisation.

Empfänger darf keine Person sein

Das Finanz­amt ist zudem nur dann mit von der Partie, wenn die Spende an eine steuer­begüns­tigte Organisation fließt. Dazu zählen neben Universitäten und staatlichen Museen auch Gemeinden und Kirchen sowie Vereine, Stiftungen und Parteien. Ob eine Organisation steuer­begüns­tigt ist, geht meist aus ihrem Informations­material hervor. Ansonsten hilft direktes Nach­fragen.

Welche Spenden­organisationen sind seriös?

Die Anerkennung durch das Finanz­amt sagt jedoch nichts darüber aus, ob die Organisation verantwortungs­voll mit dem Geld umgeht. Orientierung dazu bietet etwa das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das seriösen Organisationen ein Spendensiegel verleiht (Geeignete Organisationen finden). Zuwendungen, die direkt an bedürftige Personen gehen, sind nicht steuerlich abzugs­fähig. Auch Spenden mit der Auflage, sie an bestimmte Personen weiterzuleiten, sponsert das Amt nicht. Wünscht der Spender eine Zweck­bindung, kann er allenfalls Vorschläge äußern – oder Geld auf ein speziell eröff­netes Spenden­konto einzahlen.

Auf den Zweck kommt es an

Nächste Hürde: Der Empfänger muss mit der Spende einen gemeinnützigen, wohl­tätigen oder kirchlichen Zweck fördern, etwa Tier- und Natur­schutz, Sport oder bürgerschaftliches Engagement. So sind auch Sach­spenden für die Tombola eines Vereins absetz­bar, solange der Erlös ausschließ­lich dem Satzungs­zweck zugute­kommt. Nicht anerkannt werden Sach­spenden für den Geschäfts­betrieb eines Vereins – etwa für einen Flohmarkt oder Basar, auf dem die Sachen weiterverkauft werden. Auch wer zum Sommer­fest des Tennis­ver­eins ein Fass Bier beisteuert, muss dieses allein zahlen.

Wert von Sach­spenden schätzen

Für Sach­spenden gelten darüber hinaus dieselben Regeln wie für Geld­spenden. „Wer etwa Flücht­lingen Winterkleidung, einen Kinder­wagen, ein Fahr­rad oder ein Handy spendet, kann deren Wert von der Steuer absetzen“, bestätigt Christina Georgiadis. Dasselbe gilt, wenn ein Spender Trikots und Bälle für den Fußball­ver­ein, Bücher für die Unibiblio­thek oder eine Geige für den Musik­ver­ein bereit­stellt.

Verkehrs­wert zum Zeit­punkt der Spende zählt

Doch welchen Betrag darf der Spender ansetzen? Bei neuen Sachen zählt der Kauf­preis auf der Rechnung. Ist der Gegen­stand dagegen gebraucht, gilt sein Verkehrs­wert zum Zeit­punkt der Spende. Diesen korrekt zu schätzen, erfordert oft einigen Aufwand. Der Spender kann dafür zum Beispiel vergleich­bare Klein­anzeigen heran­ziehen.

Finanz­amt möchte detaillierte Angaben

Auch für Sach­spenden will das Finanz­amt einen Nach­weis sehen – mit der genauen Bezeichnung des Gegen­standes, seinem Neupreis, dazu Alter, Zustand und Wert sowie dem Tag der Spende. Aufpassen: Umfasst eine Spende mehrere Sachen, reicht es nicht, die Gesamt­summe anzu­geben. Die Zuwendungs­bestätigung muss dann als Anhang eine Liste enthalten, in der alle Posten detailliert aufgeführt werden.

Verzicht nur nach Vereinbarung

Auch Kosten im Rahmen ehren­amtlicher Tätig­keit für einen gemeinnützigen Verein lassen sich als Spende absetzen – wenn beide Seiten vorab die richtigen Weichen stellen. Wer zum Beispiel für den Fußball­ver­ein am Wochen­ende Kinder mit seinem Privat­auto zu Auswärts­spielen fährt, kann sich in vielen Vereinen für jeden gefahrenen Kilo­meter 30 Cent erstatten lassen. Auch privat getragene Kosten für Bürobedarf lassen sich oft abrechnen. Verzichtet der Helfer auf die Erstattung und lässt sich statt­dessen vom Verein eine Spenden­bescheinigung geben, kann er den ihm zustehenden Betrag über die Steuererklärung absetzen. Wichtig: Der Anspruch auf Kosten­erstattung muss in der Vereins­satzung oder in einem im Vorfeld geschlossenen Vertrag fest­gehalten sein.

Steuer­vorteil statt Vergütung

Ein ähnliches Vorgehen empfiehlt sich für Helfer, die dem Verein ihre Arbeits­zeit spenden wollen. Da unentgeltliche Arbeit keine Spende darstellt, muss zunächst Anspruch auf Vergütung bestehen – laut Satzung oder per Vertrag. Statt sich das Geld auszahlen zu lassen, kann der Helfer dann zeit­nah zugunsten des Vereins darauf verzichten und erhält eine Spenden­bescheinigung. Eine Vergütungs­spende akzeptiert das Finanz­amt nur, wenn das Entgelt angemessen ist und der Verein wirt­schaftlich in der Lage wäre, es zu zahlen. Zudem darf er die Vergütung nicht nur unter der Bedingung zusagen, dass der Helfer darauf verzichtet.

Übungs­leiterfrei­betrag geltend machen

Dieser muss, trotz des Verzichts, die Einnahmen in seiner Steuererklärung angeben – es sei denn, es handelt sich um einen pauschal versteuerten Minijob (bis 450 Euro im Monat). Wer neben seinem Haupt­job etwa als Trainer, Betreuer oder Chorleiter tätig ist, kann den Übungs­leiterfrei­betrag geltend machen und bis zu 2 400 Euro im Jahr steuerfrei bekommen. Neben­beruflich tätige Vorstände, Büro- und Reinigungs­kräfte sowie Platz­warte kassieren dank Ehren­amts­pauschale bis zu 720 Euro im Jahr steuerfrei.

Mitglieds­beiträge zählen meist nicht

Bei gemeinnützigen Vereinen sind neben Spenden auch Aufnahme­gebühren und Mitglieds­beiträge steuerlich absetz­bar. In den meisten Fällen geht diese Regelung jedoch ins Leere, denn fördert der Verein auch nur einen „Frei­zeitzweck“, stellt sich das Amt quer. Wer also seinem Fußball- oder Tennis­club die laut Satzung üblichen Beträge zukommen lässt, kann nichts absetzen. Das gilt zum Beispiel auch für Chorsänger, Laien­schauspieler, Schrebergärtner, Modell­flugfreunde und Karnevalisten.

Stiftungen ermöglichen Extra-Abzug

Über den Spenden­höchst­betrag (Unser Rat) hinaus mindern Spenden an steuer­begüns­tigte Stiftungen die Steuerlast – jedoch nur, wenn sie in deren Vermögens­stock fließen, also den zu erhaltenden Teil des Vermögens. Die Stiftung muss das auf der Spenden­bescheinigung bestätigen. Spender können so zusätzlich bis zu einer Million Euro geltend machen – Ehepaare und gesetzliche Lebens­partner das Doppelte. Der Abzug lässt sich nur einmal alle zehn Jahre nutzen, der Betrag allerdings beliebig über diese Zeitspanne verteilen und in Jahren mit hoher Steuerlast gezielt einsetzen.

Parteispende senkt Steuerlast direkt

Auch Spenden und Mitglieds­beiträge an politische Parteien sind neben dem normalen Spenden­abzug steuerlich begüns­tigt. Als Partei gelten auch alle im Statut aufgeführten Unterglie­derungen auf Kreis- und Orts­ebene, also etwa Jugend­verbände, Frauen­ver­einigungen und Sozial­ausschüsse. Parteispenden werden in zwei Schritten berück­sichtigt. Pro Jahr zieht das Finanz­amt bis zu 1 650 Euro (Ehe-/gesetzliche Lebens­partner: 3 300 Euro) zur Hälfte direkt von der Steuerschuld ab. Das ergibt unterm Strich eine Ersparnis von bis zu 825 beziehungs­weise 1 650 Euro. Zuwendungen über die 1 650 oder 3 300 Euro hinaus können als Sonder­ausgabe in der Steuererklärung einge­tragen werden.

Beispiel: „Ein Single, der in einem Jahr 2 000 Euro gespendet hat, bekommt also 1 650 Euro direkt abge­zogen und kann die restlichen 350 Euro als Sonder­ausgaben geltend machen“, rechnet Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohn­steuer­hilfe vor.

Für Mitglieds­beiträge gilt der vereinfachte Nach­weis

Bei Parteien gilt im Unterschied zu anderen steuer­begüns­tigten Organisationen jede Zahlung über den Mitglieds­beitrag hinaus als Spende – etwa Aufnahme­gebühr und Mitglieder­umlagen. Ab 200 Euro will das Finanz­amt dafür eine Spenden­bescheinigung sehen, während für Mitglieds­beiträge der vereinfachte Nach­weis gilt.

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