Spenden Test

Nur wenige Tier- und Umwelt­schutz­organisationen arbeiten wirt­schaftlich, sind trans­parent und solide organisiert.

Die Internetseite ist voll­gepackt mit Informationen: wie Igel am besten über­wintern, was kranken Eichhörn­chen hilft, dass Exoten nicht als Haustier taugen und wo es Heime für ausgesetzte Hunde und Katzen gibt. Die Organisation „Aktion Tier – Menschen für Tiere“ berichtet ebenfalls, wie „Sandy Mölling, die ehemalige Sängerin der bekannten Popband No Angels“, ein Tier­schutz­zimmer einweiht, in dem Kinder und Jugend­liche viel über Arten- und Natur­schutz lernen können.

Ausführ­lich beschreibt die Organisation Inhalte von Aktionen, Kampagnen und Projekten, für die sie 2011 rund elf Millionen Euro einge­sammelt hat. Geht es aber um Details zur Verwendung der Gelder oder Einzel­heiten der Organisations­struktur, werden die Informationen spärlicher oder bleiben die Verantwort­lichen gar stumm.

Zusammen mit dem Deutschen Zentral­institut für soziale Fragen (DZI) hatten wir 44 Organisationen aus den Bereichen Tier-, Natur- und Arten­schutz sowie Umwelt-und Klima­schutz gebeten, an unserer Unter­suchung teil­zunehmen.

Aktion Tier ist eines von 17 Hilfs­werken, das Auskünfte verweigert hat. Einige Organisationen reagierten auch auf Nach­frage nicht. Andere sagten die Teil­nahme ab (siehe Tabelle). Wie sie mit Spendengeldern umgehen, bleibt unklar.

Nur 6 der 44 Organisationen arbeiten wirt­schaftlich, sind trans­parent und gut organisiert: Atmosfair, BUND Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land, Deutscher Tier­schutz­bund, Greenpeace, Provieh und WWF Deutsch­land.

Am Geld scheiden sich die Geister

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Auskunft verweigert. Aktion Tier ist eine von 17 Organisationen, die ihre Teil­nahme an unserer Unter­suchung verweigert hat. Auch auf Nach­frage reagierte sie nicht. Wie sie mit den Spendengeldern umgeht, ist fraglich.

Wirt­schaftlich arbeitet eine Spenden­organisation nach unserer Auffassung, wenn sie für Verwaltung und Werbung höchs­tens 35 Prozent der Ausgaben eines Jahres einsetzt. Von jedem gespendetem Euro nutzt sie bei dieser Quote 65 Cent für ihren Satzungs­zweck und 35 Cent für das Gehalt ihrer Mitarbeiter in der Verwaltung, für Werbe- und Bitt­briefe, Repräsentation, für die Anfertigung des Jahres­berichts, für die Steuererklärung oder das Ausstellen von Spendenquittungen. Die 35-Prozent-Grenze halten in unserem Test 20 Spenden­organisationen ein.

Nur wer unter dieser Kostenquote bleibt, kann das Spenden-Siegel des DZI bekommen. Dieses bescheinigt die satzungs­gemäße und spar­same Verwendung der Gelder. Die Prüfung kostet eine Gebühr, die abhängig von den Einnahmen der Organisation ist. Von den Untersuchten trägt das Siegel nur der Deutsche Tier­schutz­bund.

Ein Grund mehr, die Branche näher zu beleuchten. Uns gegen­über hätte jede Organisation ohne großen Aufwand zeigen können, ob sie die Gelder sorg­sam ausgibt. Wir haben Satzungen, Geschäfts- und Jahres­berichte ausgewertet, Organisations­strukturen und Internet­seiten betrachtet sowie aufwendige Berechnungen angestellt.

„Beim Tier- und Arten­schutz ist die Gefahr sehr groß, dass die Spenden miss­braucht werden“, weiß DZI-Chef Burkhard Wilke. Ähnlich wie der Einsatz für bedürftige Kinder sei dieses Thema hoch emotional. Die Spender würden mehr aus dem Bauch heraus entscheiden als sonst. Unabhängige Beratung gebe es kaum.

Vorsicht angebracht

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Wenig trans­parent. Die Tier- und Arten­schutz­organisation Pro Wild­life zeigt in ihrem Bericht zu den Einnahmen und Ausgaben nur wenig aussagekräftige Grafiken ohne absolute Zahlen und schweigt über die Höhe der Mitarbeiterbezüge.

Bei sieben Organisationen sollte man sich eine Geld­spende sehr gut über­legen. Die Tier­schutz­organisation Terra Mater stellte keine ausreichenden Unterlagen über ihre Verwaltungs- und Werbungs­kosten zur Verfügung. Wie sie mit dem Geld umgeht, können wir nicht einschätzen.

Sechs weitere arbeiten unwirt­schaftlich: die Heinz Sielmann Stiftung, Peta Deutsch­land, Stiftung Pro Arten­vielfalt, Tiere in Not, Vier Pfoten und das Vogel­schutz-Komitee. Zum Beispiel Vier Pfoten: Nicht einmal die Hälfte der Ausgaben floss laut Geschäfts­bericht 2012 in Projekte und Kampagnen wie die Bären­hilfe, die artgerechte Haltung von Löwen, Rettungs­stationen für Orang-Utans, die Aufklärungs­kampagne über Welpen­handel und Käfighaltung von Legehennen.

Der Jahres­bericht der Heinz Sielmann Stiftung weist nur Verwaltungs­kosten von 12 Prozent aus. Unwahr­scheinlich, dass die Organisation, die nach dem als Tierfilmer bekannt gewordenen Ökologen benannt ist, kein Geld für Werbung ausgibt. Nach unseren Berechnungen ist ihre Kostenquote inklusive Werbung deutlich höher.

Ohne Werbung fließt kein Geld in die Spendenkasse eines Hilfs­werks. Allerdings werfen zum Beispiel Bitt­schreiben spätestens dann ein schlechtes Licht auf den Verein, wenn sie beim Adressaten ausdrück­lich nicht erwünscht sind oder viel zu häufig verschickt werden.

Es geht auch besser

Die sechs Spenden­organisationen der Spitzengruppe arbeiten nicht nur wirt­schaftlich, sie legen auch Einnahmen und Ausgaben detailliert offen, berichten über die Wirkung ihrer Projekte und sind so organisiert, dass Korruption erschwert und Verschwendung vermieden wird.

Mitarbeiter­gehälter offengelegt

Der BUND zeigt sich trans­parent, was die Gehälter der Mitarbeiter betrifft. Er veröffent­licht die Band­breite der Einkommen sowie die drei höchsten Jahres­gehälter. Für eine beispielhafte Organisation und Kontrolle spricht auch: Spender, die sich besonders engagieren wollen, können stimm­berechtigtes Mitglied werden.

Die Umwelts­tiftung WWF Deutsch­land veröffent­licht die Namen aller Mitglieder ihres Aufsichts­gremiums. Das ist nicht selbst­verständlich für die Branche. Mitarbeiter müssen Dienst­reisen unter ökologischen und ökonomischen Aspekten planen, in erster Linie Bahnreisen zweiter Klasse. Für Flugreisen schreibt der World Wide Fund For Nature die Economyclass vor.

Atmosfair beschreibt Projekte

Flugpassagiere können mit Atmosfair „die Klimagase ihrer Flugreise kompensieren“, ist auf der Website nach­zulesen. Sie zahlen freiwil­lig einen von den Emissionen abhängigen Beitrag.

Atmosfair beschreibt im Jahres­bericht ausführ­lich, was mit dem einge­nommenen Geld passiert. Zum Beispiel versorgt die Organisation Menschen in Entwick­lungs­ländern mit effizienten Öfen. Das führt zu einem geringeren Verbrauch von teurem Brenn­holz und damit zu einem geringeren CO2-Ausstoß.

Provisionen für Helfer verschwiegen

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Fleck auf weißer Weste. Das Antrags­formular für eine Mitgliedschaft beim BUND informiert, dass es sich um eine Werbeaktion handelt, die teil­weise erfolgs­abhängig vergütet wird. Das deutliche Wort Provisions­zahlung fehlt, erst recht deren Höhe.

Bei den meisten Spenden­organisationen in der Unter­suchung hapert es mit der Bereitschaft zur Trans­parenz. Ein Beispiel ist, darüber zu informieren, wenn Helfer Provisionen für geworbene Mitglieder bekommen. Mobile Tierrettung, Tier­schutz­liga und Tiere in Not zum Beispiel verschweigen den potenziellen Unterstützern auf Anträgen für Fördermitgliedschaften, dass sie Provisionen für die Mitglieder­werbung zahlen. Der Natur­schutz­bund­Deutsch­land, Nabu, informiert im Mitglieds­antrag verklausuliert, dass der Werber „teil­weise erfolgs­abhängig vergütet wird“ – und schweigt, wie auch der BUND, über die Höhe.

Für Seriosität spricht, wenn potenziellen Mitgliedern des Hilfs­werks ein anfäng­liches Widerrufs­recht und später eine jeder­zeitige Kündigung einge­räumt werden, so wie es zum Beispiel der WWF Deutsch­land macht.

Schutz gegen Spenden­miss­brauch

Eine seriöse Organisation regelt die Verantwort­lich­keiten ihrer Leitungs­mitglieder für jedermann nach­voll­zieh­bar. Sie verfügt über Kontroll­mecha­nismen und Aufsichts­gremien, die Korruption und Miss­brauch der Gelder erschweren. Fragwürdig finden wir, wenn Leitungs­mitglieder miteinander verwandt oder in anderer Weise persönlich verbunden sind, so wie bei den Vorstands­mitgliedern von Rettet den Regen­wald, die miteinander verheiratet sind – ebenso wie Präsidentin und Vize­präsident beim Bundes­verband Tier­schutz.

Ob es sinn­voller ist, für die Rettung des Regen­walds zu spenden, die Rechte von Tieren in Massentierhaltung zu stärken, sich für die Einsparung von CO2 zu engagieren oder für die Abschaffung von Tierquälerei, muss jeder für sich entscheiden.

Aktuell wird für viele Spendenwil­lige die Hilfe für die Taifun­opfer auf den Philippinen im Vordergrund stehen. Wie Sie seriöse Hilfs­werke erkennen, steht in der Checkliste und unter www.test.de/spenden.

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