Spekulationsgewinne und -verluste Meldung

Anleger sollten kurz und schmerzlos Aktiennieten verkaufen. Innerhalb bestimmter Fristen bringen die Verluste steuerliche Vorteile.

Aktionär zu sein, ist eine feine Sache, solange die Kurse steigen. Geht es aber abwärts, wird vielen mulmig. Clevere sehen dabei nicht tatenlos zu, sondern stecken auch mal Verluste ein. Das trennt nicht nur die Spreu vom Weizen im Depot, sondern bringt unter Umständen auch einen Steuerbonus. Denn das Finanzamt hält ein besonderes Trostpflaster bereit: Eine Steuerregel über private Veräußerungsgeschäfte, früher Spekulationsgeschäfte genannt, erlaubt die Berücksichtigung von Verlusten. Davon haben Anleger Vorteile, wenn sie Gewinne aus solchen Geschäften versteuern müssen. Wie Kursverluste in diesem Fall sogar Steuern sparen, zeigt Finanztest am Beispiel von Fred Ehrlich.

Signale zum Handeln

Fred Ehrlich hat im vergangenen Jahr seine ersten Erfahrungen mit Aktien gemacht. Er hatte eine gute Wahl getroffen. Schon nach kurzer Zeit verdoppelte sich der Kurs von 20 auf 40 Mark. Kurzentschlossen verkaufte Fred 200 Aktien und gewann so 4.000 Mark.

An das Finanzamt dachte Fred damals keinen Augenblick. Erst als er seine Steuererklärung mit einem PC-Programm machte, wurde er stutzig. Er sollte die 4.000 Mark als Einnahmen aus Wertpapiergeschäften angeben. Weil der 4.000-Mark-Gewinn über der Freigrenze von 1.000 Mark liegt, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Zwar konnte Fred rund 300 Mark Spesen für An- und Verkauf und Depotgebühren als Werbungskosten gegenrechnen, doch das Finanzamt verlangte von den verbleibenden 3.700 Mark Gewinn noch rund 1.000 Mark Steuern.

Fred Ehrlich hatte 8.000 Mark Kapital gleich wieder in Aktien angelegt und am 29. August letzten Jahres 80 Aktien für je 100 Mark gekauft. Doch seitdem ist der Kurs von 100 Mark um 15 Prozent gefallen. Soll Fred weiter dem Schwinden des Kapitals zusehen? Ganz und gar nicht. Verkauft er jetzt die Aktien, gewinnt Fred sogar: Steuervorteile machen die Verluste durch den Kurssturz zum Teil wieder wett. Denn Anleger können auch Verluste in ihrer Steuererklärung angeben und diese mit Spekulationsgewinnen verrechnen.

Allerdings berücksichtigt die Behörde die Verluste nur, wenn zwischen Kauf und Verkauf der Wertpapiere noch nicht mehr als zwölf Monate vergangen sind. Diese Frist ist für das Finanzamt entscheidend, weil Gewinne und auch Verluste aus Wertpapiergeschäften nur dann als steuerpflichtige Spekulationen gelten. Nach Ablauf der Einjahresfrist sind weder Kursgewinne zu versteuern noch lassen sich Verluste geltend machen. Der Verkauf muss also spätestens am 29. August 2001 perfekt und banktechnisch erfasst sein.

Verluste horten

Verluste können nicht nur im Jahr des Entstehens Vorteile bringen. Realisiert Fred Ehrlich im August Spekulationsverluste und kann sie in diesem Jahr nicht mit gleichartigen Gewinnen ausgleichen, sollte er die Verluste ins Jahr 2000 zurücktragen. Dann bekommt er sogar für 2000 noch Steuern erstattet, statt 1.000 Mark zu zahlen.

Auch für die Zukunft könnte Fred noch nicht verrechnete Spekulationsverluste per Steuererklärung horten. Vielleicht streicht er ja in zwei, drei oder zehn Jahren Spekulationsgewinne zum Beispiel aus dem Verkauf einer vermieteten Immobilie ein und muss darauf wegen der anrechenbaren Verluste dann weniger Steuern zahlen.

Kritische Beamte

Weil von Jahr zu Jahr mehr Menschen wie Fred Ehrlich mit Aktien Geld verdienen und manche vergessen haben, das in ihrer Steuererklärung anzugeben, sorgt Bundesfinanzminister Hans Eichel mit einem Formular für "Sonstige Einkünfte" für Aufmerksamkeit. In der Anlage SO müssen Steuerzahler ihre Spekulationsverluste amtlich dokumentieren.

Aber Achtung! In der Steuererklärung 2000 erstmals private Veräußerungsgeschäfte zu erklären und ausgerechnet mit Verlusten anzufangen, kann sich als Falle herausstellen. Möglicherweise fragen die Beamten nach Börsengewinnen der Vorjahre. Wer solche verschwieg, hat sich strafbar gemacht.

Mehrere Ämter haben Spekulationsgeschäfte aus Aktienverkäufen zu Prüffeldern der Steuererklärung erkoren und wollen die Anlage SO besonders kontrollieren. Das ist keineswegs die Regel, denn grundsätzlich sollen Beamte ökonomisch arbeiten und den Angaben in der Steuererklärung vertrauen, soweit sie schlüssig und glaubhaft sind.

Außerdem können die Finanzämter frühere Börsengewinne erforschen. Sie sind mit dem Bonner Bundesamt für Finanzen vernetzt, an das die Banken seit 1999 freigestellte Kapitalerträge und seit 2000 die tatsächlichen Kapitalerträge der Kunden melden. Jeder Finanzbeamte kann sich in diese Datenbank der Banken einloggen und sämtliche Informationen abfragen. Das Bonner Amt hat schon steigende Nachfragen vermeldet. Wer allerdings den Alltag beim Finanzamt kennt, kann auf Gelassenheit setzen. Mit kleinlichen Nachforschungen kann der Beamte keine Lorbeeren ernten, der Arbeitsdruck ist zu hoch.

Fred Ehrlich gehört zu den Ehrlichen und hat seine Spekulationsgewinne in der Steuererklärung angegeben. Doch der Dumme will er nicht sein. Deshalb hat er gegen seinen Steuerbescheid 2000 Einspruch eingelegt und das Ruhen des Verfahrens beantragt. In einem Musterprozess muss sich der Bundesfinanzhof mit der Klage des Steuerprofessors Klaus Tipke auseinandersetzen (Az. IX R 62/99). Er prangert an, dass der Gesetzgeber es mehr oder weniger duldet, dass weniger Ehrliche Spekulationseinkünfte verschweigen.

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