Müssen Anleger Spekulationsgewinne aus Wertpapiergeschäften versteuern, brauchen sie deshalb nicht mehr ihren Steuerbescheid anzufechten. Die Finanzbeamten sind laut einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums angewiesen, die Steuerbescheide von Amts wegen per Vorläufigkeitsvermerk offen zu halten (IV D 2 – S 0338 – 68/02).

Derzeit prüfen nämlich die Bundesverfassungsrichter, ob die Besteuerung von Spekulationsgewinnen aus Wertpapiergeschäften mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das stellt der Bundesfinanzhof infrage, weil die Behörde darauf angewiesen ist, dass jeder ehrlich seine Spekulationsgewinne in der Steuererklärung angibt (Az. IX R 62/99).

Zum Beispiel sind Kursgewinne beim Verkauf von Aktien nach dem Halbeinkünfteverfahren zur Hälfte steuerpflichtig, wenn seit dem Kauf weniger als zwölf Monate vergangen sind und die Summe der Veräußerungsgewinne die Jahresfreigrenze von 512 Euro erreicht.

Tipp: Spekulanten können die Gewinne auch mit Spekulationsverlusten aus dem vergangenen Jahr oder künftigen Jahren verrechnen. Nach Auffassung der Finanzverwaltung bleibt aber dann wie im folgenden Beispiel die jährliche Freigrenze von 512 Euro außen vor.

2001 Verlustabrechnung
Kauf am 30. März 2001 von 100 X-Aktien à 100 Euro: 10 000 Euro
Verkauf am 12. November 2001 von 100 X-Aktien à 80 Euro: 8 000 Euro
Spekulationsverlust: 2 000 Euro

2002 Verrechnung Verlust mit Gewinn
Kauf am 30. Januar 2002 von 200 Y-Aktien à 100 Euro: 20 000 Euro
Verkauf am 1. November 2002 von 200 Y-Aktien à 125 Euro: 25 000 Euro
Gewinn: 5 000 Euro
Steuerpflichtig nach Halbeinkünfteverfahren (1/2 von 5 000 Euro): 2 500 Euro
Verlustvortrag aus 2001: 2 000 Euro
Zu versteuernder Gewinn: 500 Euro

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