Speiseöle Test

„Schmutziges Gold“ titelten wir in test 10/05: Wir fanden Weich­macher im nativen Olivenöl extra. Doch das ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs, denn es sind auch andere Speiseöle betroffen.

Pflanzenöle sind gesund. Das denkt jedenfalls der Verbraucher. Dass Weichmacher die Öle belasten, vermutete bis zu unserem Test kaum jemand. Insgesamt 14 der im Oktober getesteten Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ enthielten Weichmacher. Diese aus Kunststoffen herausgelösten Substanzen sind kritisch für die Gesundheit. Grund genug nachzu­forschen, ob auch andere Ölsorten betroffen sind. Wir haben 50 Öle getestet: von Distel- bis zu Walnussöl. Ergebnis: 18 enthielten Weich­macher – insgesamt sieben verschiedene Substan­zen. Vier Öle waren sogar „hoch“ oder „sehr hoch“ belastet.

Nuss- und Olivenöle problematisch

Speiseöle Test

Für die getesteten Lein- und Kürbiskernöle waren Weichmacher zum Teil ein Problem. Nuss- und Olivenöle fielen dagegen besonders negativ auf: Nur jeweils eins war frei von Weichmachern. Alle fünf Hasel- und Walnussöle waren belastet, am stärksten die Walnussöle Bio Planete und Mazola. Sie enthielten jeweils knapp 40 Milligramm Diethylhexylphthalat (DEHP) pro Kilogramm Öl. Tolerierbar sind für einen 60 Kilogramm schweren Menschen nur 3 Milligramm DEHP pro Tag – mit etwa fünf Esslöffeln der Öle ist diese Menge bereits ausge­schöpft. DEHP ist im Tierversuch Krebs erzeugend und beeinträchtigt die Fortpflanzungsfähigkeit beim Menschen. Und Speiseöle sind ja bei weitem nicht die einzige Eintragsquelle: Dieser Weichmacher kommt überall vor, zum Beispiel in Luft, Wasser und Staub. Auch kleine Mengen sind kritisch.

Sieben der acht Olivenöle enthielten Butylbenzylphthalat (BBP). Auch diese Substanz hat nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit und ist damit genauso kritisch zu beurteilen wie DEHP. Doch es gibt auch gute Nachrichten: In den untersuchten Distel-, Traubenkern-, Raps-, Soja-, Sonnenblumen-, Sesam- und Pflanzenölen fanden wir keine dieser bekannten Weichmacher. Allerdings wiesen wir im Noury Pflanzenöl und im Sonnenblumen- und Distelöl von Kaiser’s Naturkind Triisobutylphosphat nach. Es wird als Stabilisator oder Weichmacher im Kunststoff eingesetzt. Es bedarf allerdings noch toxikologischer Daten, damit diese Funde bewertet werden können.

Auf der Suche nach der Quelle

Wie kommen die Weichmacher ins Öl? Vermutungen gibt es viele: Unter anderem werden Kunststoffschläuche und -behälter als Eintragsquellen verdächtigt. Klarheit schaffen lässt sich allerdings nur am Produktionsort selbst. Einige Hersteller haben nach unseren alarmierenden Weichmacherfunden begonnen, mögliche Ursachen zu suchen. Und das ist auch dringend notwendig.

Der falsche Weg

Ausgerechnet der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) macht es sich leicht. Er rettet sich auf „Orientierungswerte“, die künftig für Bio-Olivenöl nicht überschritten werden sollen. Das heißt übersetzt, Weichmacher im Öl zu legalisieren. Mengen, die wir bereits als „mäßig belastet“ bewerten, sind für den BNN noch unkritisch. Aber gerade von Bioprodukten erwarten Kunden, dass sie frei von Schadstoffen und Rückständen sind.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung will der BNN-Argumentation nicht folgen. Jede Aufnahme von Weichmachern muss vermieden werden. Und technisch ist das ja auch möglich: Viele Hersteller – von konventionellen und Bioölen – haben es gezeigt.

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