Zahnbe­hand­lung im Ausland

In EU-Ländern wie Polen, Tschechien oder Ungarn gibt es Zahn­ersatz manchmal güns­tiger als in Deutsch­land. Die Kassen müssen die Fest­zuschüsse auch grenz­über­greifend zahlen. Allerdings sollte sich jeder genau über­legen, ob eine Behand­lung im Ausland wirk­lich sinn­voll ist. Denn muss der Zahn­arzt nachbessern, kann es problematisch werden.

Krankenkasse vorher fragen

Bei Zahnbe­hand­lungen im Ausland müssen die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten Leistungen bis zu dem Betrag erstatten, den sie auch im Inland bezahlen müssten. Das gilt aber nur bei Behand­lungen in anderen EU-Ländern. Die Kosten von privatärztlichen oder medizi­nisch nicht anerkannten Leistungen können die Kassen verweigern.

Zunächst selber zahlen

Die Kosten für eine Auslands­behand­lung müssen Patienten zunächst selbst bezahlen. Im Anschluss an die Behand­lung können sie dann die Rechnung bei der Krankenkassen einreichen. Darauf sollten Sie achten:

  • Heil- und Kostenplan. Lassen Sie sich zunächst von einem Zahn­arzt in Deutsch­land einen Heil- und Kostenplan erstellen. Auf dessen Grund­lage sollten Sie sich dann einen weiteren Heil- und Kostenplan von einem ausländischen Zahn­arzt aushändigen lassen. Dieser muss den deutschen Richt­linien entsprechen. Achten Sie darauf, dass der behandelnde Arzt im Ausland Ihnen auch einen detaillierten Kosten­vor­anschlag über Leistungen aushändigt, die über den reinen Zahn­ersatz hinaus­gehen. Das können zum Beispiel notwendige Vorbehand­lungen sein, wie das Entfernen von Karies.
  • Einreichen. Die Unterlagen müssen Sie bei Ihrer Krankenkasse vor dem Eingriff einreichen. Die Kasse muss Ihnen dann bestätigen, ob sie die Behand­lung genehmigt und welchen Anteil der Kosten sie über­nimmt.
  • Garantie. Sie sollten mit dem Zahn­arzt im Ausland möglichst Garantie- und Ersatz­ansprüche nach deutschem Recht vereinbaren.
  • Bezahlung. Sie müssen zunächst den gesamten Rechnungs­betrag selbst bezahlen.
  • Rechnung. Die detaillierte und quittierte Rechnung reichen Sie im Anschluss an die Behand­lung bei Ihrer Krankenkasse ein.
  • Qualität. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach: Manche bieten eine Liste mit geprüften Zahn­kliniken oder Zahn­ärzten im Ausland, mit denen die Kasse Verträge geschlossen hat.

Mögliche Probleme

Das Verbraucher­schutz­recht ist in allen EU-Ländern im Wesentlichen identisch mit dem deutschen. Die zweijäh­rige Gewähr­leistung gilt also auch für Laboratorien in Polen oder Ungarn. Wenn die Behand­lung oder der Zahn­ersatz fehler­haft sind, sollten Sie Folgendes wissen:

  • Nachbesserungen. Für Labor­arbeiten gibt es auch in Ländern der EU zwei Jahre Gewähr­leistung. Bei Nachbesserungen muss der Patient zum Behandler fahren. Für Patienten in Grenz­nähe ist dies kein Problem. Bei allen anderen fallen dadurch zusätzliche Kosten für Über­nachtung und Reise an. Einige Zahn­ärzte in den östlichen EU-Ländern haben zum Teil Vertrags­partner, die Nachbesserungen in Deutsch­land vornehmen. Erkundigen Sie sich danach. Eventuell arbeitet auch ein Zahn­arzt in Ihrer Wohn­ortnähe mit einem ausländischen Kollegen zusammen.
  • Sprach­probleme. Wer sich im Ausland behandeln lassen will, muss generell mit Sprach­problemen rechnen. Das kann für die Behand­lung, aber auch für mögliche Reklamationen problematisch werden.
  • Arzt­haftung. Nicht in allen Ländern der EU ist das Arzt­haftungs­recht so streng wie in Deutsch­land. Schmerzens­geld und Schaden­ersatz sind meist noch schwerer zu erlangen als hier. Verweigert sich der Zahn­arzt, hilft nur noch eine Klage. Diese müssen Betroffene im Allgemeinen beim Gericht am Sitz des Zahn­arztes im Ausland einreichen.

Nur Labor­kosten

Wer eine Auslands­behand­lung aufgrund der recht­lichen Unsicherheiten scheut, kann trotzdem von den güns­tigen Preisen in den europäischen Nach­barländern profitieren. Labor­kosten machen etwa 60 Prozent der Kosten für Zahn­ersatz aus. Arbeitet der deutsche Zahn­arzt mit einem güns­tigen Labor in Polen oder Tschechien zusammen, kann er Kosten sparen. Das kommt auch seinen Patienten zugute. Fragen Sie Ihren Zahn­arzt danach. Bei Mängeln können sie sich zudem an ihren heimischen Zahn­arzt wenden.

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