Patientenrechte

Nicht immer sind Patienten mit der Behand­lung durch den Zahn­arzt zufrieden. Mögliche Gründe: eine falsche Therapie, schlecht sitzender Zahn­ersatz oder schmerzende Wunden. Viele Streitfälle landen vor Gericht. Wer Recht hat, ist oft schwer zu klären. test.de sagt, welche Rechte Patienten haben, und was sie tun können, wenn sie mit der Behand­lung durch den Zahn­arzt unzufrieden sind.

Keine Heilungs-Garantie

Wer mit seinem Zahn­arzt unzufrieden ist, kann sich einen neuen suchen. Doch gegen den Willen des Zahn­arztes können Patienten keine bestimmte Behand­lung fordern. Zahn­ärzte müssen das tun, was medizi­nisch sinn­voll und notwendig ist. Sie müssen alles tun, um die Gesundheit ihrer Patienten wieder­herzu­stellen und zu erhalten. Trotzdem gibt es für Patienten keine Garantie, dass die Behand­lung glückt. Der Körper lässt sich nicht immer zur Heilung zwingen. Auch korrekte Behand­lungen können scheitern und Patienten müssen dann trotzdem bezahlen.

Arzt schuldet umfassende Aufklärung

Zahlreiche Probleme zwischen Zahn­arzt und Patient entstehen, weil Beratungs­gespräche zu kurz kommen. Daher sollten Patienten immer fragen, wenn sie etwas nicht verstehen oder Probleme ansprechen, wenn sie unzufrieden sind. Patienten haben zudem das Recht, vom Zahn­arzt vor der Behand­lung umfassend aufgeklärt zu werden und zwar über:

  • Diagnose
  • Therapie und mögliche Alternativen
  • Risiken der Therapie
  • Risiken, wenn die Behand­lung unterbleibt
  • Art und Umfang der notwendigen Nach­sorge
  • Verhaltens­regeln, die Patienten nach dem Eingriff beachten sollten

Genug Bedenk­zeit muss sein

Grund­sätzlich muss der behandelnde Zahn­arzt seine Patienten aufklären. Und er muss dies so tun, dass die Patienten den Sach­verhalt verstehen und sich auf dieser Grund­lage vernünftig entscheiden können. Informations­blätter können das Aufklärungs­gespräch nur ergänzen, nie aber ersetzen. Je weniger dringlich die Behand­lung und je schwerwiegender die möglichen Folgen sind, desto strenger ist die Aufklärungs­pflicht. Zudem muss der Zahn­arzt den Zeit­punkt für das Gespräch so wählen, dass Patienten genügend Zeit haben, sich mit Angehörigen oder der Krankenkasse zu beraten oder einen anderen Arzt aufzusuchen. Bei einer Schmerzbe­hand­lung darf die Bedenk­zeit natürlich kürzer ausfallen.

Der Zahn­arzt haftet für Fehler

Allgemein gilt: Der Zahn­arzt ist bei Mängeln dazu verpflichtet, die Behand­lung so lange auf seine Kosten fort­zusetzen, bis ein ordentliches Ergebnis erzielt ist. Wenn Patienten nach einer ersten verpfuschten Behand­lung nicht weiter Versuchs­kanin­chen spielen wollen, können sie aber den „Behand­lungs­vertrag“ gemäß § 628 des Bürgerlichen Gesetz­buchs wegen Vertrauens­verlust frist­los kündigen und die Bezahlung verweigern. Bereits gezahlte Vorschüsse können sie zurück­fordern.

Schaden­ersatz oder Schmerzens­geld

Voraus­setzung für die Zahlung von Schaden­ersatz oder Schmerzens­geld: Der Zahn­arzt hat einen Fehler begangen. Relevant sind dabei Aufklärungs­mängel, vor allem bei der rein medizi­nischen Beratung, aber auch Fehler bei der Behand­lung. Allerdings müssen Patienten dies beweisen. Sie müssen auch beweisen, welchen Schaden sie erlitten haben und dass dieser durch die falsche Behand­lung verursacht wurde, also nicht von selbst entstand. Zur Klärung bestellt das Gericht meist ein Sach­verständigen­gut­achten. Um Schaden­ersatz zu erlangen, muss der Patient auch ein Verschulden, im Zweifel die Fahr­lässig­keit des Zahn­arztes, beweisen.
Tipp: Bei Streitsummen von mehr als 5 000 Euro muss ein Anwalt einge­schaltet werden. Doch auch bei kleineren Beträgen ist dies ratsam. Suchen Sie sich einen Anwalt, der sich auf Arzt­haftungs­recht spezialisiert hat.

Auch ohne Gericht Einigung möglich

Eine Möglich­keit ohne Schaden­ersatz­klage eine eventuell fehler­hafte Versorgung prüfen zu lassen und rasch für Abhilfe zu sorgen, ist das so genannte selbst­ständige Beweis­verfahren. Patienten können es beantragen, bevor sie eine Klage einreichen, aber auch wenn sie gar nicht klagen wollen. Einzige Voraus­setzung: Der Antrag an das Gericht muss formal richtig sein. Dieses schätzt und bestimmt dann die Kosten für ein Gutachten. Diese Summe muss der Antrag­steller erst einmal vorschießen. Am Ende zahlt aber, wer laut Gutachten im Unrecht war.

Tipp: Sie sollten generell alle zahn­ärzt­lichen Unterlagen aufbewahren. Dazu gehören Heil- und Behand­lungs­pläne sowie Rechnungen. Nach einer Behand­lung sollten Sie zudem ein Gedächt­nisprotokoll anfertigen und mögliche Zeugen notieren. Sie können auch Einsicht in Ihre Kranken­akte verlangen. Dabei sollten Sie dem Zahn­arzt möglichst nicht erzählen, dass Sie ihn einer falschen Behand­lung verdächtigen.

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