Infekte, Verletzungen, Läuse: Wenn mein Kind krank wird

Infekte lassen sich am besten mit Ruhe auskurieren, aber einige Medikamente für Kinder können die Leiden lindern. Und bei Läuse­alarm in der Schule sollten Eltern sofort mit Kontrollen und gegebenenfalls mit Läuse­mitteln reagieren. Ein Über­blick.

Infekte: Passende Mittel für Kinder wählen

Husten, Schnupfen, Durch­fall, Mittel­ohr­entzündung – bis zu zehn Infekte haben Kinder pro Jahr. Harmlose Beschwerden lassen sich mit allgemeinen Maßnahmen oder rezept­freien Mitteln behandeln. Doch Eltern sollten wissen: Kleine Patienten reagieren empfindlicher auf Medikamente als Erwachsene. Eltern sollten Medikamente auf keinen Fall unnötig verwenden und keinesfalls einfach in die eigene Haus­apotheke greifen. Dazu kommt, dass etwa die Hälfte der Arzneien in Deutsch­land für Kinder gar nicht zugelassen ist. Und nicht jedes Präparat hält, was die Werbung verspricht.

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Beipack­zettel lesen und Dosier­vorgaben beachten

Wichtig: Eltern sollten immer den Beipack­zettel lesen und die Dosier­vorgaben genau beachten. Ab einer gewissen Menge können auch zugelassene Arznei­mittel Kindern schaden. So liegen bei Parazetamol erwünschte Effekte und gefürchtete Neben­wirkungen wie Leberschäden nah beieinander. Allerdings sollten Eltern Arzneien auch nicht nied­riger dosieren als vom Arzt verordnet oder in der Packungs­beilage empfohlen. Neben­wirkungen können auch unabhängig von der Dosis auftreten, gewünschte Effekte dagegen ausbleiben.

Schmerzen und Fieber

Viele Krankheiten gehen mit Schmerz oder Fieber einher. Mit Hitze bekämpft das Immun­system Krank­heits­erreger besser. Senken Sie Kinder­fieber daher erst ab etwa 39 Grad Celsius, rektal (das heißt: im Po) gemessen. Dazu eignen sich Wadenwi­ckel, aber auch Medikamente mit Ibuprofen und Parazetamol. Beide Wirk­stoffe sollten zurück­haltend einge­setzt, die Dosier­anleitung beachtet werden. Azetylsalizylsäure, kurz ASS, ist für Kinder unter zwölf Jahren tabu.

Schnupfen

Abschwellende Nasen­tropfen und -sprays machen die Nase frei. Eltern sollten alters­gerechte Präparate verwenden – am besten ohne Konservierungs­mittel – und maximal sieben Tage lang. Die Anwendung von Salzlösung (0,9 Prozent) oder isotonisiertem Meer­wasser ist unbe­grenzt möglich. Beides befeuchtet die Schleimhaut und verflüssigt Sekret.

Husten

Dextrometorphan ist geeignet, wenn trockener Reizhusten nachts den Schlaf stört. Nur wenige Tage anwenden – Abhängig­keits­gefahr. Pflanzliche Husten­stiller, etwa Saft mit Spitzwegerich, sind oft für junge Kinder zugelassen, aber nur mit Einschränkung geeignet. Die Wirk­samkeit sollte besser belegt werden. Daher sind auch Hustenlöser nur mit Einschränkung geeignet. Sie sollen das Abhusten von frei sitzendem Schleim erleichtern. Empfehlung: möglichst Hustensaft ohne Alkohol verwenden und viel trinken. Rezept­pflichtige Husten­mittel mit Kodein dürfen bei Kindern unter 12 Jahren nicht mehr zum Einsatz kommen, da diese zu schweren Atemlähmungen führen können (Hustenmittel: Kein Kodein für Kinder).

Hals­schmerzen

Zuckerfreie Hals­bonbons können die Schmerzen lindern, weil sie den Speichelfluss anregen. Ebenfalls hilf­reich: viel trinken. Auch Emser Pastillen können unterstützend bei Hals­entzündung einge­setzt werden, um die Schleimhaut zu befeuchten. Sie enthalten Salz und sind in der zuckerfreien Variante laut Bewertung der Stiftung Warentest geeignet. Andere Hals­schmerz­tabletten schneiden schlechter ab. Bei geröteten, geschwollenen und eitrigen Mandeln müssen Kinder zum Arzt.

Bauch­schmerzen

Dahinter stecken nicht immer Magen-Darm-Krankheiten, sondern manchmal auch andere Schmerzen und seelische Nöte. Kinder können sie noch nicht so gut zuordnen und benennen. Ein Bauchweh­tagebuch kann helfen, die Ursachen zu erforschen. Bei akuten Schmerzen tut Wärme oft gut, etwa von einem nicht zu heißen Kirschkernkissen. Wenn die Schmerzen sich unter Wärme verschlimmern oder der Bauch sich sehr hart anfühlt, kann es sich um eine Blinddarm­entzündung handeln – in diesem Fall sofort zum Arzt.

Durch­fall, Übel­keit, Erbrechen

Durch­fall und Erbrechen kann Kinder lebens­bedrohlich austrocknen. Das Wichtigste: Flüssig­keit und Mineralien ersetzen, etwa mit einer Elektrolyt­mischung zum Anrühren in Wasser. Arznei­mittel sind meist unnötig.

Mittel­ohr­entzündung

Bei Kindern ist die Verbindung zwischen Nase und Ohr noch kurz – bei Erkältungen dringen Krank­heits­erreger leicht ein. Mit starken Ohren­schmerzen sollten Kinder zum Arzt. Eventuell sind Antibiotika nötig: etwa wenn Beschwerden länger als drei Tage anhalten oder falls Flüssig­keit aus dem Ohr läuft. Meist reichen aber Schmerz­mittel und abschwellende Schnupfen­sprays oder -tropfen. Sie nehmen den Druck aus den Gehörgängen. Auch hilf­reich: warme Säck­chen auf dem Ohr.

Wunden

Kleine Verletzungen sollten sofort desinfiziert werden, damit sie sich nicht entzünden. Manche Mittel, etwa mit Povidon-Jod, sind geeignet und brennen kaum. Meist reicht eine einmalige Desinfektion. Größere Wunden sollten von einem Arzt begut­achtet werden.

Verstauchungen, Zerrungen, Prel­lungen

Ein Schlag, ein Aufprall, ein Sturz – solche Unfälle können das Gewebe quetschen, so dass eine Prellung entsteht. Bei einer Zerrung über­dehnen sich Muskeln oder Bänder. Eine Verstauchung kommt durch eine über­mäßige Bewegung des Gelenks zustande. All diese Verletzungs­formen schädigen Blutgefäße und Gewebe, worauf der Körper mit Schwel­lungen, Rötungen und Schmerzen reagiert. Akute Verletzungen müssen sachgerecht behandelt werden: Verbände fangen Blut auf und schützen vor Keimen. Wichtig: betroffene Körper­stellen immer wieder kühlen – etwa mit Cool­packs oder kaltem Eiswasser. Verstauchte Körperteile sollten erhöht gelagert werden, ein fester Verband stabilisiert. Rezept­freie wirk­stoff­haltige Salben sind laut Bewertung der Stiftung Warentest bestenfalls mit Einschränkung geeignet und zudem für den Einsatz bei Kindern häufig nicht vorgesehen. Für viele Produkte liegen keine Studien zu Wirkungen und Neben­wirkungen bei Kindern vor. Salben mit pflanzlichen Inhalts­stoffen wie Arnika können allergische Reaktionen hervorrufen. Wenn die Verletzung trotz Kühlung am nächsten Tag immer noch stark schmerzt oder geschwollen ist, sollten Eltern mit dem Kind zum Arzt gehen.

Knochenbrüche

Wenn sich ein Gelenk gar nicht mehr belasten oder bewegen lässt oder extrem anschwillt, könnten Knochen gebrochen sein. Die genaue Diagnose kann aber nur der Arzt mithilfe einer Röntgen­aufnahme stellen. Bei Verdacht auf Knochenbruch sollte das Kind jede Bewegung vermeiden, damit keine Nervenfasern oder Blutgefäße verletzt werden und keine unnötigen Schmerzen entstehen. Wenn ein Kind nicht zum Arzt trans­portiert werden kann, sollte der Rettungs­dienst gerufen werden – während der Warte­zeit die betroffenen Körper­stellen stabilisieren.

Läuse: Sofort bekämpfen

Keine Frage der Hygiene. Kopf­läuse sind milli­meter­kleine Blutsauger, die vor allem Kindern auf den Köpfen herum­tanzen. Betroffene und ihre Angehörigen brauchen sich nicht vorzuwerfen, die Körper­pflege vernach­lässigt zu haben. Selbst bei sorgfältiger Hygiene verbreiten sich die Plage­geister rasant. In Mittel­europa spielen sie als Krank­heits­über­träger zwar keine Rolle, aber ihr Speichel löst einen lästigen Juck­reiz aus. Läuse wandern meist von Kopf zu Kopf. In wenigen Tagen können ganze Schulklassen befallen sein.

Konsequent behandeln. Die Plage lässt sich nur erfolg­reich bekämpfen, wenn jeder einzelne Betroffene konsequent dagegen vorgeht. Eine erfolg­reiche Behand­lung erfordert in der Regel die zweimalige Anwendung eines zugelassenen Läuse­mittels, zum Beispiel mit dem Wirk­stoff Permethrin oder Pyre­thrum, und das regel­mäßige Auskämmen der Haare mit einem Läusekamm. Diese Prozedur kann bis zu 17 Tage dauern. Die Stiftung Warentest hat Mittel für die Läusebehandlung bewertet und gibt zahlreiche Infos über die verschiedenen Mittel und deren Wirk­stoffe.

Ratgeber für Eltern: Der kleine Kinder­arzt

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Was kann ich selbst für mein krankes Kind tun? Wann ist der Gang zu einem Arzt angebracht? Im Ratgeber Der kleine Kinderarzt finden Eltern Tipps zu zahlreichen Erkrankungen: von Allergien über Scharlach bis Verstopfung. Illustrationen machen die Diagnose für zu Hause leichter und verdeutlichen, wie Eltern in verschiedenen Situationen am besten handeln sollten.

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