Die passende Schule finden

Die staatliche Einzugs­schule passt nicht jeder Familie – zu weit weg vom Arbeits­ort der Eltern, marodes Gebäude, schlechter Ruf. Auch das Unterrichts­konzept der Schule um die Ecke über­zeugt nicht immer. Manche Eltern suchen darum nach Alternativen. test.de gibt einen Über­blick über verschiedene Schul­typen.

Die Regelschule

Jedem Kind in Deutsch­land ist eine staatliche Grund­schule zuge­ordnet: Sie nimmt die Kinder inner­halb eines fest­gelegten Einzugs­gebiets auf. Eltern können ihr Kind aber auch auf eine andere Grund­schule schi­cken. Dafür gibt es in der Regel zwei Möglich­keiten: Entweder die Eltern beantragen die Aufnahme bei einer anderen staatlichen Grund­schule oder sie wählen eine Schule mit einem freien Träger. Gerade in Groß­städten haben Eltern oft die Qual der Wahl. Entscheiden sie sich für eine andere staatliche Schule, müssen sie einen individuell und gut begründeten Antrag beim zuständigen Schul­amt einreichen, siehe auch Rechtliches und Fristen. Entscheiden sie sich für die Schule eines freien Trägers, nimmt das Kind oder die Familie an einem Auswahl­verfahren teil. Was vielen Eltern nicht klar ist: Scheitert die Aufnahme des Kindes an der gewünschten Schule, nehmen einige Einzugs­schulen das Kind im Nach­hinein nur mit großem Widerstand oder gar nicht mehr auf.

Halb­tags­schule oder Ganz­tags­schule?

Entscheidend für die Schul­wahl können auch Unterrichts- und Betreuungs­zeiten sein: Grund­schulen, die Kinder garan­tiert den ganzen Vormittag betreuen – also auch bei Unterrichts­ausfall, heißen verläss­liche Halb­tags­schulen. Viele bieten eine Nach­mittags­betreuung an, Essen und Frei­zeit­aktivitäten inklusive. Doch das macht sie noch nicht zu sogenannten gebundenen Ganz­tags­schulen. Der Ganztagsschulverband e.V. nennt die Kriterien:

  • mindestens an vier Wochen­tagen mindestens sieben volle Stunden Lern-und Frei­zeit-Angebote.
  • Vormittag und Nach­mittag hängen konzeptionell zusammen.
  • Erweiterte Lern­angebote, individuelle Fördermaß­nahmen, Haus­aufgaben und Frei­zeit­aktivitäten sind in die Konzeption mit einge­bunden.
  • Täglich warmes Essen.
  • Es stehen für den Ganz­tags­betrieb genügend Personal, ausreichend geeignete Räume sowie zusätzliche Lehr- und Lern­mittel zur Verfügung.
  • Alternative Unterrichts­formen, etwa Projekt­arbeit.
  • Alle Angebote liegen in Verantwortung der Schule.

Schulen in freier Trägerschaft

Eltern können ihr Kind ohne besonderen Antrag an einer Schule in freier Trägerschaft anmelden, die dann nach eigenen Kriterien auswählt. Es handelt sich um nicht-staatliche Schulen. Sie unterstehen aber der staatlichen Schul­aufsicht und müssen sich an die Schulgesetze und Privatschulgesetze der Länder halten. Die Kultus­minister­konferenz hat für diejenigen Schulen, die nicht nach den staatlichen Lehr­plänen unter­richten und teil­weise eine eigene Lehrer­bildung haben, spezielle Vereinbarungen zur Anerkennung von Abschlüssen getroffen – etwa für Freie Waldorf­schulen und Interna­tionale Schulen (mehr Infos mit Adressen bieten zum Beispiel der Verband deutscher Privatschulverbände oder die Website Privatschulberatung.de ). Es gibt verschiedene Typen von Schulen in freier Trägerschaft. Eltern müssen oft Schulgeld bezahlen, das sich in einem gewissen Rahmen von der Steuer absetzen lässt.

Konfessionelle Schulen

Träger sind in der Regel die beiden Groß­kirchen. Viele katho­lische Schulen, aber auch evangelische Schulen richten ihre Lehr­pläne nach dem staatlichen Schul­system aus. Einige Schulen haben aber auch individuelle pädagogische Konzepte. Konfessionelle Schulen finanzieren sich über Geld vom Staat, dem Träger, Spenden und in einigen Bundes­ländern über Schulgeld.

Waldorf-Schulen

Die Schüler durch­laufen zwölf Schul­jahre – ohne Sitzenbleiben. Der Lehr­plan sieht nicht nur Fach­unter­richt vor, sondern legt besonderen Wert auf vielseitigen künst­lerisch-hand­werk­lichen Unter­richt. Unterrichts­inhalte und -formen sollen auf das kindlichen Lernen und die kreative Entfaltung des Kindes abge­stimmt sein. Selbst­gestaltete „Epochen­hefte“ etwa für Deutsch, Geschichte und Mathematik ersetzen in der Grund­schul­zeit weit­gehend die Lehr­bücher. Zensuren gibt es nicht. Statt­dessen bestehen die Zeug­nisse aus detaillierten Charakterisierungen, die Leistung, Fort­schritte und Bemühen in den einzelnen Fächern darlegen. Das Schulgeld für Waldorf-Schulen orientiert sich an der finanziellen Situation der Familie. Die Waldorf­pädagogik basiert auf der von Rudolf Steiner (1861-1925) begründeten Lehre der Anthroposophie. Weitere Infos finden sich auf der Home­page des Bundes der freien Waldorfschulen.

Montessori-Schulen

Die Kinder lernen in jahr­gangs­gemischten Gruppen. Lehr­kräfte sollen den Kindern als Lernberater und -begleiter zur Seite stehen. Sie beob­achten die Fort­schritte der Schüler und schreiben individuelle Entwick­lungs­berichte. Die Schule legt Wert auf viel Frei­arbeits­zeit, in der sich die Schüler auf Aufgaben ihrer eigenen Wahl konzentrieren sollen – mit selbst ausgesuchten Methoden, Materialien und Part­nern. Zusätzlich zum Fach­unter­richt gibt es je nach Schule Projekte, Betriebs­praktika oder Exkursionen. Einer der Leitsätze der Montessori-Pädagogik lautet: „Hilf mir, meine Arbeit selbst zu tun.“ Die Erwachsenen sollen die Bedingungen schaffen, damit ein Kind aus eigener Kraft lernt, selbst­ständig zu denken und zu handeln. Die Montessori-Pädagogik geht davon aus, dass ein Kind lernen will. Es durch­läuft danach Entwick­lungs­phasen, in denen es besonders leicht bestimmte Dinge und Fähig­keiten lernt. Diese „sensiblen Phasen“ gelten als zeitlich begrenzt. Erzieher, Lehrer und Eltern sollen ein Kind daher genau beob­achten und es in einer pädagogisch vorbereiteten und geordneten Umge­bung begleiten und unterstützen.

Der Schul­träger kann – je nach Bundes­land – eine Stadt, eine Eltern­initiative, die Kirche oder eine andere Institution sein. In Nord­rhein-West­falen zum Beispiel sind Montessori-Grund­schulen meist in kommunaler Trägerschaft; bei Lehrer­stellen, Stunden­tafel, Klassenfrequenz und finanzielle Zuwendungen – unterscheiden sie sich nicht von den Regelschulen. Auch Schulgeld wird dort nicht erhoben. In Bundes­ländern, in denen die Montessorischulen Privatschulen sind, wie zum Beispiel in Sachsen, bestimmen die privaten Träger die äußeren Bedingungen im Rahmen der Landes­gesetze, und Eltern müssen in der Regel Schulgeld zahlen.

Namens- und Ideen­geberin für die Arbeit der Montessori-Schulen ist die Reformpädagogin Maria Montessori (1870-1952). Mehr Infos finden sich auf der Home­page des Montessori Dachverbands Deutschland.

Jenaplan-Schulen

In der Jenaplan-Pädagogik steht das soziale und individuelle Lernen des Kindes im Vordergrund. Der Unter­richt strukturiert sich nach Wochenplänen. In leistungs­differenzierten Kursen lernen die Kinder Basiswissen, etwa Mathematik oder Lesen – orientiert am Lern­rhythmus des Kindes. Eine große Bedeutung hat die Vermitt­lung von sogenannten Schlüssel­kompetenzen wie Team­fähig­keit, Kreativität und Kritik­fähig­keit. Hier spielen vor allem die jahr­gangs­über­greifenden Stamm­gruppen eine zentrale Rolle für Unter­richt und Erziehung. In ihnen sind in der Regel drei Jahr­gänge gemischt, die gemein­sam unter­richtet werden. Auch Projekt­unter­richt, Spiele, Gespräche und Feiern sind eine fester Bestand­teil der Jenaplan-Pädagogik. Der Stamm­gruppen­leiter begleitet und berät das Kind und bewertet es nach gemein­samen Gesprächen durch schriftliche und mündliche Berichte. Eltern sollen der Schule als Partner und Berater zur Seite stehen. Nicht vorgesehen sind Noten, Tests aller Art sowie lehrerzentrierter Unter­richt. Weil das zugrundeliegende Schul­entwick­lungs­konzept 1927 an der Universität Jena entwickelt wurde, wird der Ansatz als Jenaplan-Pädagogik bezeichnet. Mehr Infos auf der Home­page der Gesellschaft für Jenaplanpädagogik in Deutschland.

Freie Alternativschulen

Der pädagogische Anspruch: selbst­bestimmtes Lernen, demokratische Mitbestimmung und gegen­seitiger Respekt. Die Schulen sind einzügig – das heißt, es gibt pro Jahr­gangs­stufe nur eine Klasse – und meist Ganz­tags­schulen. Der Unter­richt soll differenziert und in alters­gemischten Gruppen organisiert sein, wobei vielfältige Lern- und Lehr­methoden zum Einsatz kommen sollen: Kurse, Projekt­wochen, Wochenplan­arbeit, Frei­arbeit, freies Spiel, AG’s, Praktika. Die Schulen erheben einkommens­abhängige Eltern­beiträge. Die pädagogische Konzepte sollen Elemente anderer Reform­schulen, etwa der Montessori- oder Freinet-Schulen, integrieren und mit erziehungs­wissenschaftlichen Erkennt­nissen der Gegen­wart verknüpfen. Mehr Infos sowie einen Über­blick über Freie Alternativschulen in Deutsch­land finden Sie auf der Home­page des Bundesverbands der Freien Alternativschulen.

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