Sparzinsen Test

Perfekte Täuschung. Künstliche Lockvögel im Einsatz bei der Entenjagd.

Wenn Banken mit Superzinsen locken, sollten Anleger genau hinschauen. Viele Angebote haben trickreiche Bedingungen.

Dem Lockruf hoher Zinsen erliegen Anleger leicht. Wenn es für Bundesschätzchen mit sieben Jahren Laufzeit knapp 3,4 Prozent Rendite gibt, klingen 6 Prozent für ein Tagesgeldkonto wie ein kleiner Lottogewinn.

Doch bei genauerer Prüfung entpuppen sich viele Zinsschnäppchen als Enttäuschung. Finanztest hat aktuelle Superzinsangebote unter die Lupe genommen und zeigt, wo die Haken versteckt sind.

Nur für Neukunden

Tagesgeldangebote mit besonders hohem Zins richten sich oft nur an Neukunden der jeweiligen Bank. Die Direktbanken comdirect und Cortal Consors bieten zurzeit mit 6 Prozent am meisten.

Beide Banken ködern mit dem Superzins neue Anleger für ihre Wertpapierdepots. Nur wer ein Depot eröffnet oder bei Cortal Consors zumindest zusätzliche Wertpapiere auf sein Depot überträgt, bekommt das lukrative Tagesgeld.

Das muss kein Hinderungsgrund sein. Wer ohnehin ein Wertpapierdepot bei einer dieser Banken eröffnen will und die Rahmenbedingungen (siehe Tabelle „Tagesgeld und Sparkonten mit Überraschungen“) für unproblematisch hält, kann die zusätzlichen Zinseinnahmen guten Gewissens mitnehmen.

Allerdings gilt der Superzins in beiden Fällen nicht für beliebig hohe Beträge. Beim Gewinner-Depot der comdirect werden nur Beträge bis zu 5 000 Euro mit 6 Prozent verzinst. Darüber hinausgehende Summen bringen gerade mal 0,3 bis 0,5 Prozent Zinsen.

Cortal Consors ist da großzügiger und verzinst bis zu 25 000 Euro mit 6 Prozent, darüberliegende Beträge immerhin noch mit 3,25 Prozent.

Zeitlich befristet

Die meisten Zinsschnäppchen sind zeitlich befristet, bei comdirect auf ein halbes, bei Cortal Consors auf ein ganzes Jahr.

Die SEB Bank zahlt die 4 Prozent für ihr Hochzinskonto nur bis Ende September. Wer sein Geld danach auf dem Konto lässt, erhält nach heutigem Stand je nach Betrag nur zwischen 2 und 3,25 Prozent.

Der verlockenden 4,5-Prozent-Offerte der netbank folgt nach 100 Tagen die Zinsernüchterung, denn Bestandskunden werden derzeit mit maximal 2,75 Prozent abgespeist.

Sehr verlockend scheint dagegen das Angebot der lettischen Parex Bank. Da sie neuerdings Mitglied im Einlagensicherungsfonds deutscher Banken ist, kommt sie auch für deutsche Kunden in die engere Wahl. Parex-Kunden erhalten für Tagesgeld zurzeit gute 4,3 Prozent.

Dennoch gelang dem Finanzinstitut aus dem Baltikum nicht der Aufstieg in unsere monatlich aktualisierte Top-20-Liste für Tagesgeld (Finanztest Printausgabe). Dort tauchen nur Angebote auf, die keinerlei Neben- oder Folgekosten haben.

Das ist bei der Parex Bank leider nicht der Fall, denn sie kassiert für jede Überweisung auf ein hausfremdes Konto 2 Euro. Anleger haben keine Chance, kostenlos an ihr dorthin überwiesenes Geld heranzukommen.

Auch Angebote, die ihren Schnäppchenzins auf niedrige Summen beschränken, sehen wir skeptisch. Das Zinskonto Einsteiger der Ethikbank bietet Neukunden 3,5 Prozent Zinsen – aber nur bis zu 5 000 Euro und nur für sechs Monate. Bestandskunden erhalten 2,9 Prozent.

Kontenlabyrinth bei der Postbank

Besonders rührig in der Kundenwerbung ist nach wie vor die Postbank. So einfallsreich ist sonst keiner. Interessenten für das Postbank Quartal-Sparen sollten unbedingt ihre Lesebrille zur Hand nehmen, damit ihnen keine Klausel entgeht.

Die zurzeit angepriesenen 4,25 Prozent gelten nämlich nur für Beträge ab 50 000 Euro, die ununterbrochen auf dem Konto liegen. Zahlt der Sparer ausgerechnet knapp nach Beginn des Quartals ein oder hebt er zwischenzeitlich etwas ab, geht für diese Beträge der gesamte Quartalsbonus verloren. Und nur der macht das Sparbuch erwähnenswert. Mit dem Basiszins von 0,5 Prozent lockt die Postbank jedenfalls niemanden hinter dem Ofen vor.

Weiterer Nachteil gegenüber Tagesgeldkonten: Da es sich beim Quartal-Sparen um ein Sparkonto handelt, gilt für das angelegte Geld eine dreimonatige Kündigungsfrist. Anleger können nur über 2 000 Euro pro Monat frei verfügen.

Auch beim Sparkonto Postbank Börsensieger sind nur 2 000 Euro frei verfügbar. Außerdem ist der Basiszins von maximal 2,1 Prozent unattraktiv und die versprochene Beteiligung an Börsengewinnen nur Augenwischerei.

Selbst von explodierenden Börsenkursen spüren die Postbank-Sparer nur heiße Luft. In extrem guten Börsenjahren würden nach unseren Berechnungen kaum mehr als 1 bis 1,5 Prozent zusätzliche Rendite übrig bleiben. Zählt man die Basisverzinsung hinzu, bleiben die Börsensieger im Vergleich zu guten Tagesgeldkonten klar auf der Verliererstraße.

Auch beim dritten Postbank-Angebot, dem „Dax Sparbuch“, hinterlassen steigende Aktienkurse keine nachhaltigen Spuren. Die wenig attraktive Grundverzinsung von höchstens 2,2 Prozent wird durch eine gute Dax-Entwicklung ein wenig aufgepeppt, mehr nicht. So gab es 2005, als der Dax stolze 27 Prozent zulegte, bei einer konstanten Einlage von 25 000 Euro laut Berechnung der Postbank nur eine Gesamtrendite von 2,96 Prozent.

Warum sollten sich Sparer auf so etwas einlassen, wenn sie als Alternative leicht verständliche Tagesgeld- oder Sparkonten bekommen, die deutlich höhere Renditen gewähren? Ein solches Konto hat sogar die Postbank selbst im Angebot: Mit der allerdings nur übers Internet erhältlichen Sparcard direkt sichern sich Anleger zurzeit 4,1 Prozent ab dem ersten Euro.

Und Anleger, die dem Lockruf der Börsen nicht widerstehen können, beginnen besser unabhängig von ihrem Tagesgeldkonto einen Fondssparplan, in den sie monatlich einen festen Betrag einzahlen.

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