Sparzinsen Test

Erbsenzähler sind gefragt. In Zeiten ­rasant schmelzender Zinsen zählt jeder Prozentpunkt. Von den attraktiven Bankan­geboten Ende 2008 ist nicht mehr viel übrig. Zum Glück gibt es aber noch Möglich­keiten, dem Markt ein Schnippchen zu schlagen.

Drei Monate ist es her, dass wir die vorzüglichen Zinsangebote vieler Banken empfohlen haben. Seitdem hat sich die Finanzwelt verändert. Anleger, die sich nicht rechtzeitig ein längerfristig garantiertes Angebot oder einen attraktiven ­Festzins sicherten, haben es im Moment schwer. Fast alle Banken haben ihre Zinsen kräftig gesenkt.

Die Anbieter haben mit einigen Wochen Verzögerung die veränderten Konditionen der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weitergegeben. Die EZB hat den Leitzins für die Eurozone in mehreren Schritten auf aktuell 1,5 Prozent gesenkt. Dass die Banken darauf reagieren würden, war klar. Wie heftig sie es nun in sehr kurzer Zeit taten, überrascht aber schon.

Finanztest hat Tages- und Festgeldangebote geprüft und dabei auch die Zinsveränderungen untersucht. Echte Schnäppchen sind rar geworden, aber nicht völlig verschwunden.

Immer noch über 4 Prozent

Die magische Grenze lag am 2. März, dem Stichtag des Tests, noch bei 4 Prozent. Alle Angebote, die sie übertreffen, sind attraktiv. Das gilt für Tagesgeldkonten und erst recht für Festgeld mit mehreren Monaten Laufzeit oder Einmalanlagen ab einem Jahr.

Tagesgeldkonten sind bei Anlegern ungemein beliebt, aber sie haben den Nachteil, dass die Bank den Zins jederzeit ändern kann. Das haben die Anbieter in den vergangenen Monaten ausgiebig genutzt.

Festzinsanlagen sind verlässlicher. Wer sich jetzt einen hohen Zins sichert, muss nicht befürchten, in ein paar Tagen der nächsten Zinskürzung zum Opfer zu fallen. Bei der Credit Europe Bank gibt es für zwei Jahre sogar noch stattliche 5,5 Prozent pro Jahr (siehe „Tabelle: Einmalanlagen ohne vorzeitige Verfügbarkeit“).

Tagesgeld im Sturzflug

Besonders gut lässt sich die Zinspolitik der Banken an den Tagesgeldkonten ablesen. Wie die „Tabelle: Tagesgeldkonten mit variablem Zins“ zeigt, haben viele Top-Anbieter den Zins im vergangenen Vierteljahr um 1 bis 2 Prozent gesenkt. Das hat die Rangfolge mächtig durcheinandergewirbelt.

Auf Platz eins der Banken mit deutscher Einlagensicherung steht nun die Santander Direkt Bank. Die Rendite ihres „Superkontos“ ist nur um gut 0,5 Prozentpunkte zurückgegangen.

Dadurch hat die Santander Direkt Bank zahlreiche Konkurrenten hinter sich gelassen, zum Beispiel die Oyak Anker Bank. Sie hat die Rendite ihres Tagesgeldkontos in mehreren Schritten um mehr als 1,5 Prozentpunkte gedrückt. Noch drastischer kürzten von den untersuchten Banken mit deutscher Einlagensicherung nur comdirect und Dresdner Bank.

Mit der Mercedes-Benz Bank ist ein deutscher Top-Anbieter unseres letzten Tests diesmal nicht dabei. Die Bank lockte mit ihren guten Konditionen so viele Interessenten an, dass sie des Ansturms nicht mehr Herr wurde und ihre Pforten vorübergehend für Neukunden schließen musste.

Ende März wird die Bank voraussichtlich wieder Neukunden aufnehmen. Zu welchen Konditionen, ist zurzeit noch unklar. Erst dann wird die Bank in unsere Zinsvergleiche zurückkehren.

Für unsere Tabellen haben wir nur überregionale Banken berücksichtigt, von denen wir monatlich die aktuellen Konditionen erheben. Zusätzlich stellen wir die wichtigsten Lockzinsangebote vor (siehe „Tabelle: Tagesgeld und Sparkonten mit Tücken“).

Wir können und wollen nicht den kompletten Zinsmarkt abbilden. Die meisten Angebote, die Anleger zurzeit vorfinden, sind schlicht unattraktiv. Ein Mindestzins von 2 Prozent sollte bei Tagesgeld und Festgeld mit sechs Monaten Laufzeit schon drin sein. Gleiches gilt für Einmalanlagen, bei denen man sich für ein Jahr festlegt.

In den Tabellen steht deshalb bei den entsprechenden Laufzeiten stets die 2 vor dem Komma. Eine Ausnahme bildet nur das 1,25-prozentige „Hochzinskonto“ der SEB Bank, das wir der Vollständigkeit halber in die Tabelle auf ­Seite 23 aufgenommen haben.

Kurioserweise liegt die SEB mit diesem Minizins noch knapp vor der Tagesanleihe des Bundes, die wir regelmäßig als Maßstab für Tagesgelder heranziehen. Auch der einjährige Finanzierungsschatz, an dem sich die Bankangebote mit gleicher Laufzeit messen lassen müssen, bietet mit nur 1 Prozent derzeit eine unterirdische Rendite.

Ausländische Zinsschnäppchen

Den tiefsten Zinsschnitt in den vergangenen drei Monaten leistete sich eine ausländische Bank: die Denizbank aus Wien. Sie senkte ihren Tagesgeldzins seit Ende November 2008 von 5,15 auf 3,0 Prozent.

Es sind dennoch vor allem ausländische Institute, die immer noch sehr attraktive Konditionen bieten. Sogar zwei neue Anbieter sind mit von der Partie: Die niederländische NIBC Direct lockt mit 4,8 Prozent für Tagesgeld, und auch die Bank of Scotland, nicht zu verwechseln mit der schwer angeschlagenen Royal Bank of Scotland, gibt sich mit 4,5 Prozent für Tagesgeld alles andere als knausrig.

Mehrere Sicherheitsnetze

Anleger können solche Schnäppchen ausländischer Banken wahrnehmen, aber sie sollten sich über die Risiken im Klaren sein. Im Falle einer Pleite hätten es die Kunden einheimischer Institute wohl leichter, da für alle in unseren Tabellen genannten Banken mehrere Sicherungssysteme greifen.

Deutsche Anleger können darauf vertrauen, dass die Kombination aus der gesetzlichen Einlagensicherung und den Sicherungseinrichtungen der Kreditinstitute eine geordnete Rückzahlung selbst großer Sparbeiträge sicherstellt.

Über den Bundesverband deutscher Banken sind Einlagen in Millionenhöhe vollständig gesichert. Bestens geschützt ist das Spargeld auch bei Sparkassen und Bausparkassen sowie bei Volks-und Raiffeisenbanken, die über eigene Sicherungssysteme verfügen. All diese Einrichtungen haben sich seit Jahrzehnten bewährt.

Dagegen sehen wir die zusätzlichen Garantieversprechen, die es seit einigen Monaten zum Beispiel in den Niederlanden oder in Österreich gibt, mit einer gewissen Skepsis. Erstens sind die erhöhten Grenzen zeitlich befristet. Zweitens gibt uns zu denken, dass die vorher gültigen Sicherungsbeträge ausgerechnet mitten in der Finanzkrise erhöht wurden. Normalerweise sollte ein Sicherungsfonds über einen längeren Zeitraum aufgebaut werden.

Finanztest empfiehlt deshalb weiterhin, bei Banken mit Sitz im Ausland keine höheren Beträge anzulegen, als bereits vor der Krise abgesichert waren. In den Niederlanden, Österreich und Luxemburg lag die vollständige Absicherung bei 20 000 Euro pro Anleger, in Großbritannien sind es 50 000 britische Pfund. Wird wie geplant die Mindestabsicherung ab 1. Juli 2009 EU-weit auf 50 000 Euro angehoben, werden wir uns an diesem Betrag orientieren.

Anleger, die ihr Geld zu ausländischen Banken tragen, sollten auch im Hinterkopf haben, dass sie sich im Pleitefall an die dort zuständigen Institutionen und Behörden wenden müssen, um ihre Entschädigung zu erhalten. Das könnte komplizierter sein als im eigenen Land.

In unseren Tabellen mit den besten Zinsangeboten haben wir die Angebote nach den verschiedenen Sicherungssystemen getrennt. So kann jeder auf Anhieb sehen, worauf er sich einlässt.

Auf Nebenbedingungen achten

Anleger sollten stets genau hinschauen, ehe sie ein Tages- oder Festgeldangebot abschließen. Viele Banken locken mit verblüffend guten Konditionen, die bei gründlicher Prüfung nur für wenige attraktiv sind.

In der Tabelle oben haben wir aktuelle Zinsangebote zusammengestellt, die auf bestimmte Zielgruppen, Zeiträume oder Anlagebeträge begrenzt sind. Für Kunden, die genau ins Profil passen, können sie sehr interessant sein, für andere kommen sie womöglich gar nicht infrage.

Die meisten der Tagesgeldschnäppchen sind so knapp befristet, dass sich der Aufwand nur dann lohnt, wenn auch der anschließend gezahlte Zins in Ordnung ist. Bei der Advanzia Bank sind nach dem bis Ende März gültigen Appetithappen von 5 Prozent zurzeit nur noch 3,6 Prozent zu erwarten. Das ist nicht berühmt.

Bei anderen Neukundenangeboten wie denen von comdirect oder der Deutschen Skatbank liegt der reguläre Zins nur 1 Prozent niedriger als der Aktionszins, aber der ist von vornherein bescheiden. Außerdem gilt der höhere Sonderzins nur für begrenzte Beträge.

Das gilt auch für den 6-Prozenter von Cortal Consors. Diesen Spitzenzins gewährt die zur französischen BNP Paribas gehörende Direktbank nur für ein halbes Jahr und für maximal 25 000 Euro. Der eigentliche Haken ist aber die Verbindung mit einer ­Depoteröffnung.

Anleger, die auf die 6 Prozent scharf sind, müssen parallel dazu Wertpapiere im Wert von mindestens 6 000 Euro zu Cortal Consors übertragen oder kaufen und ein halbes Jahr lang im neu eröffneten Depot halten. Es ist aber nicht ratsam, langfristige Geldanlagen von kurzfristigen Zinsschnäppchen abhängig zu machen.

Nicht verkoppeln lassen

Koppelangebote aus attraktivem Festzins und Wertpapiergeschäften gehören zu den Klassikern des Bankgewerbes. Unser Tipp dazu ist einfach: Anleger sollten so gut wie immer die Finger davon lassen.

Das Angebot von Cortal Consors ist noch harmlos, denn es lässt Anlegern wenigstens freie Wahl. Sie können sich die Wertpapiere aussuchen, die zu ihrem Anlagewunsch und Risikoprofil passen. Das ist in der Regel ganz anders. Lieber stellt die Bank selbst ein paar Fonds zur Wahl.

Wer sich den Zinsvorteil partout nicht entgehen lassen will, schluckt dafür mehrere Kröten. Er kauft Fonds, die er sich nicht aussuchen kann, und zahlt dafür auch noch einen Ausgabeaufschlag. Den könnte er sich ganz oder teilweise sparen, wenn er die Fondsanteile auf anderen Wegen kaufte. Das Schnäppchen kann sich so ruckzuck in ein Minusgeschäft verwandeln.

Mit 5,5 Prozent Zinsen warb zum Beispiel die Volks- und Raiffeisenbank Schwalm-Eder Ende vergangenen Jahres für ein Kombiangebot, das Anlegern eine „attraktive Rendite mit Kapitalgarantie“ versprach. Aber nur bis zum 20. Februar 2009. Anschließend wurde das Geld in einen Ga­rantiefonds der Union Investment umgeschichtet. Das ist – wenig überraschend – die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken.

Wie bei Angeboten dieser Art üblich, steht der Haken im Kleingedruckten, während der Lockzins den Kunden überdimensioniert anstrahlt. Allzu leicht übersieht er deshalb, dass ein für zwei oder drei Monate gewährter Zins noch keine gute Jahresrendite ausmacht. Sich dafür auch noch einen Fonds ins Depot zu legen, den man ansonsten nicht gekauft hätte, ist absurd.

Wer Sicherheit und Renditechancen kombinieren möchte, sollte sich zunächst entscheiden, wie viel Geld in die sichere ­Anlage und wie viel in Fonds fließen soll. Dann sucht er sich ein attraktives Tages- oder Festgeldangebot aus und kauft sich genau die Fonds, die seinen Vorstellungen entsprechen – und zwar dort, wo sie besonders günstig sind.

Postbank rechnet Kunden reich

Mit großem Aufwand wirbt die Postbank seit Jahresanfang für ihr „Gewinn-Sparen“. Dabei handelt es sich eigentlich um ein kreuzsolides Sparbuch, an dem wenig auszusetzen ist – wäre da nicht die großspurige Werbung für bis zu 5,6 Prozent Zinsen.

Den angepriesenen Prozentsatz gibt es nur, wenn Anleger mindestens 50 000 ­Euro mitbringen und jeden Monat das Glück haben, dass bei der monatlichen Losziehung der Lotterie „Aktion Mensch“ eine passende Nummer herauskommt. Nur dann gibt es neben einem 5-prozentigen Basiszins einen Bonus von 0,6 Prozent.

Statistisch zu erwarten sind aber, wie die Postbank selbst schreibt, nur 0,25 Prozent Bonus. Da der Basiszins für Beträge unter 25 000 Euro nur 3,25 bis 3,75 Prozent beträgt, sind für viele Anleger Renditen zwischen 3,5 und 4 Prozent realistisch.

Den Basiszins für ihr Sparangebot kann die Postbank übrigens jederzeit senken. Bei größeren Beträgen sollten Anleger deshalb die dreimonatige Kündigungsfrist im Kopf behalten.

Es ist löblich, dass die Postbank mit dem Gewinn-Sparen regelmäßig Geld für die „Aktion Mensch“ spendet. Aber das sollte nicht als Rechtfertigung für eine offensichtlich überzogene Werbung dienen.

Gebrauchsanleitung nötig

Auch beim Postbank Quartal-Sparen sind aufmerksame Anleger gefordert. Dieses Sparkonto bietet durchweg geringere Zinsen als das Gewinn-Sparen, hat aber immer noch ein akzeptables Niveau. Die Rendite wird hier durch einen betragsabhängigen Bonus gesteigert.

Der große Nachteil beim Quartal-Sparen: Den Bonus gibt es rückwirkend nur für jene Beträge, die das ganze Quartal über auf dem Konto lagen. Wer eine größere Summe gegen Ende des Quartals abhebt oder zu Beginn eines Quartals einzahlt, erhält dafür nur den 0,5-prozentigen Basiszins.

Das Quartal-Sparen ist mit seinen verschachtelten Bedingungen so kompliziert, dass die Postbank dafür eine Gebrauchsanleitung austeilen sollte.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1195 Nutzer finden das hilfreich.