Sparzinsen Test

Millionen Deutsche könnten ihre Zins­erträge mehr als verdoppeln. Sie müssten nur ihr Spar­buch durch ein Tages­geld­konto ersetzen.

Es ist verrückt. Millionen Deutsche legen ihr Geld immer noch auf schlecht verzinste Sparbücher bei Banken und Sparkassen. Rund 505 Milliarden Euro haben Sparer auf Konten deponiert, die dem Spar­buch von früher ähneln. Die Zinsen dafür liegen meist weit unter 1 Prozent im Jahr.

Ziehen diese Spar­buch­kunden ihr Geld ab und über­weisen es auf ein Tages­geld­konto bei einer Direkt­bank, können sie ihre Zins­einnahmen mehr als verdoppeln. Der derzeit beste Anbieter, die Amsterdam Trade Bank, zahlt für Guthaben zum Beispiel effektiv 2,25 Prozent Zinsen pro Jahr.

Natürlich kann sich der Zins für Tages­geld jeder­zeit ändern. Das macht jedoch nichts, weil die Kunden über ihr Geld – anders als beim Spar­buch – jeder­zeit verfügen können. Sinkt der Zins ihres Tages­geldes stark, können sie ihr Geld binnen weniger Tage auf ein besser verzinstes Konto umbuchen.

Beim Spar­buch sind dagegen nur 2 000 Euro frei verfügbar. Kunden, die höhere Beträge abheben wollen, müssen mit einer Frist von drei Monaten kündigen oder Vorschuss­zinsen zahlen.

Deutsche Bank bietet 0,15 Prozent

Gerade einmal 0,15 Prozent Zinsen zahlt die Deutsche Bank für das Spar­konto, das als „Deutsche Bank Sparcard“ angeboten wird. Da ist es dann egal, dass die Bank auch den Spar­buch­zins ändern darf. Schließ­lich gibt es keinen Spielraum mehr nach unten.

„Parken Sie Ihr Geld in der Gewinn­zone!“, wirbt die Commerz­bank für ihr Spar­buch, das modern „Spar­konto plus Sparcard“ heißt. Wie Sparer allerdings mit kläglichen 0,25 Prozent Zinsen pro Jahr in die Gewinn­zone kommen sollen, verrät die Bank nicht.

Für 10 000 Euro auf dem Spar­konto bekommt ein Commerz­bank-Sparer gerade mal 25 Euro jähr­lich. Bei einer Inflations­rate von rund 2 Prozent im Jahr kann er sich für sein Geld nach einem Jahr weniger kaufen als heute.

Läge das Geld auf einem gutverzinsten Tages­geld­konto einer Direkt­bank, sähe die Bilanz am Jahres­ende besser aus (siehe Tabelle „Tagesgeldkonten von Direktbanken“).

Für drei Jahre Fest­geld 3,3 Prozent

Viele Spar­buch­besitzer tasten ihr Geld über lange Zeit nicht an. Sie nutzen die Möglich­keit gar nicht, bis zu 2 000 Euro im Monat abzu­heben. Für sie lohnt es sich, über Fest­geld statt Tages­geld nach­zudenken.

Für Fest­geld gibt es beim derzeit besten Anbieter, der Amsterdam Trade Bank, eine Rendite von 2,60 Prozent für ein Jahr, 2,90 Prozent für zwei Jahre und 3,30 Prozent für drei Jahre.

Auch traditionelle Spar­buch­kunden können getrost den Wechsel wagen. Für so einfache Produkte wie Tages- und Fest­geld brauchen sie keine Beratung vor Ort.

Beim Abschluss müssen sie lediglich darauf achten, dass das Angebot nicht an Bedingungen gekoppelt ist und dass es keine Gebühren kostet. Alle Angebote in den Produktfindern unter www.test.de/zinsen erfüllen diese Voraus­setzungen.

Was bleibt, ist das Miss­trauen mancher Menschen gegen­über Online­banken, die meist attrakti­vere Zinsen als ihre nieder­gelassenen Konkurrenten bieten. Die besseren Konditionen sind möglich, weil sie kaum Filialen und Personal brauchen und deshalb geringere Kosten haben.

Onlinesparen bringt mehr

Auch Filial­banken bieten immer häufiger höhere Zinsen für Spargeld, wenn Kunden bereit sind, die Konto­verwaltung über das Internet oder telefo­nisch abzu­wickeln. Die „SparCard 3000 plus direkt“, von der Post­bank als „clevere Alternative zum Spar­buch“ angeboten, bringt derzeit immerhin 1,6 Prozent Zinsen pro Jahr – voraus­gesetzt der Kunde spart online.

Egal ob Direkt­bank oder Filial­bank: Ein höheres Risiko gehen Sparer nicht ein, wenn sie ihr Geld online anlegen. Bei allen Banken mit Haupt­sitz in der Europäischen Union sind 100 000 Euro pro Anleger und Bank gesetzlich geschützt. Im Pleitefall muss ein Sparer sein Geld inklusive Zinsen bis zur Höhe von 100 000 Euro binnen 20 Tagen ersetzt bekommen. So schreibt es eine europäische Richt­linie vor.

Will ein Kunde mehr als 100 000 Euro anlegen, sollte er die Höhe der Einlagensicherung auf der Internetseite des Anbieters nach­sehen oder das Geld einfach gleich auf zwei Anbieter verteilen.

Die Unterlagen für die Konto­eröff­nung bei einer Direkt­bank sind schnell beschafft. Sie stehen meist auf der Internetseite der Bank zum Herunter­laden bereit.

Sparpläne für größere Anschaffungen

Nicht jeder hat das Durch­halte­vermögen, Geld für große Ausgaben wie ein neues Auto oder eine Welt­reise auf dem Tages­geld­konto anzu­sparen. Zu groß ist die Versuchung, etwas von dem täglich verfügbaren Geld abzu­zwacken. Dann ist vielleicht ein Sparplan mit fester Lauf­zeit das Richtige.

Finanztest hat zwei Sparpläne heraus­gesucht, die für das Sparen in Raten infrage kommen. Vergleichs­weise gut ist der VTB Flex Sparplan der österrei­chischen VTB Direkt­bank: Monatlich, viertel- oder halb­jähr­lich einge­zahlte Beträge, deren Höhe der Sparer beliebig verändern darf, werden mit 3 Prozent pro Jahr verzinst. Spart ein Kunde hier zehn Jahre lang 200 Euro pro Monat, kommt er mit Zinsen auf rund 27 960 Euro.

Oder soll es lieber eine Bank mit deutscher statt österrei­chischer Einlagensicherung sein? Dann ist der Bank­sparplan der Mercedes-Benz Bank eine gute Wahl. Er läuft aber nur sechs Jahre.

Kunden können Raten zwischen 50 und 400 Euro im Monat einzahlen. Das Guthaben wird im ersten Jahr mit 1,5 Prozent verzinst. Danach steigen die Zinsen jähr­lich bis auf 2,5 Prozent im sechsten Jahr. Sparer, die sechs Jahre lang 200 Euro im Monat einzahlen, kommen auf eine Rendite von 2,23 Prozent im Jahr. Das macht etwa 15 410 Euro.

Bei beiden Sparplänen können Kunden zu Beginn eine Sonderzahlung leisten, wenn sie wollen. Bei der VTB Direkt­bank geht das auch zwischen­durch. Das Geld vom Spar­buch findet so seinen Platz.

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