Interview: „Sparer werden auto­matisch entschädigt“

Spargeld in Groß­britannien Special

Mark Neale, Chef des britischen Einlagensicherungs­fonds FSCS, erklärt, wie Spargeld bei Kredit­instituten in Groß­britannien und deren Nieder­lassungen in Deutsch­land gesichert ist. Die Rück­zahlung erfolgt auto­matisch. Der Fonds hat schon nach 84 Pleiten gezahlt.

[Update 05. April 2016]: Einlagensicherung geändert

Nach Veröffent­lichung des Interviews mit Mark Neale haben sich Details der Einlagensicherung geändert. Betroffen sind die mit einem Stern­chen gekenn­zeichneten und nicht mehr korrekten Aussagen des Interviewten. Mitt­lerweile gilt:

  • Gesetzliche Einlagensicherung. Am 1. Januar 2016 hat der britische Einlagensicherungs­fonds FSCS die Sicherungs­grenzen auf 75 000 Euro gesenkt. Einlagen deutscher Sparer bei britischen Banken sind derzeit nicht mehr – wie in der Einlagensicherungs­richt­linie der Europäischen Union vorgeschrieben – in Höhe von 100 000 Euro geschützt. Aktuell sind 75 000 britische Pfund nur noch knapp 94 000 Euro wert. Anleger, die über Zins­platt­formen wie Zinspilot oder Welt­sparen Euro­beträge bei Banken wie Close Brothers oder First­Save Euro angelegt haben, sollten einen deutlichen Puffer zu 100 000 Euro einplanen, um im Pleitefall ihrer Bank Erspartes plus Zinsen ersetzt zu bekommen.
  • Freiwil­lige Einlagensicherung. Bei britischen Banken, die sowohl Mitglied im FSCS als auch im freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) sind, spielt die nied­rigere Sicherungs­grenze im Fall einer Pleite keine Rolle. Laut Auskunft des BdB werden Sparern im Pleitefall alle Einlagen bis zur Höhe der Sicherungs­grenze ersetzt, die weit über 100 000 Euro liegt. 
  • Gemein­schafts­konten. Bei Gemein­schafts­konten sind nur noch 150 000 britische Pfund geschützt. Das sind im Moment knapp 188 000 Euro. [Update Ende]

Wie sicher ist Spargeld in Groß­britannien?

Neale: Der Financial Services Compensations Scheme (FSCS), der Einlagensicherungs­fonds Groß­britanniens, sichert Spar­einlagen bei Banken, Bausparkassen und Genossen­schafts­banken in Höhe von 85 000* britischen Pfund pro Person und Institut ab. Bei Gemein­schafts­konten sind Einlagen in Höhe von 170 000* britischen Pfund geschützt.

In welcher Währung werden Sparer im Pleitefall einer Bank entschädigt?

Neale: Wir zahlen die Entschädigung in britischen Pfund aus.

Was müssen Sparer tun, um ihr Geld zurück­zuerhalten, wenn ihr Institut pleite­geht?

Neale: Geht eine Bank, eine Bausparkasse oder eine Genossen­schafts­bank pleite, zahlt der FSCS die Entschädigung den meisten Kunden auto­matisch inner­halb von sieben Tagen aus. Ein förmlicher Antrag muss nicht gestellt werden.

Wie werden Einlagen bei britischen Banken wie der Bank of Scot­land, der ICICI Bank oder Barclays Bank ersetzt, die sowohl Mitglied im FSCS als auch im Sicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken sind?

Neale: Spargeld von Kunden britischer Banken, die im Ausland mit Tochtergesell­schaften tätig sind, ist über den jeweiligen gesetzlichen Sicherungs­fonds in dem Land gesichert, in dem die Tochter ihren Sitz hat. Die genannten Banken haben deutsche Nieder­lassungen, sind aber Mitglied im britischen Einlagensicherungs­fonds FSCS. Da sie zusätzlich dem freiwil­ligen Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) angehören, würden im Pleitefall alle Sparer auto­matisch in Euro entschädigt. Der britische Einlagensicherungs­fonds würde in einem solchen Fall die gesetzlich garan­tierten 85 000 Pfund an den deutschen Sicherungs­fonds über­weisen.*

In wie vielen Fällen musste der FSCS seit seiner Gründung bei einer Bank­pleite Sparer entschädigen?

Neale: Seit 2002 hat das FSCS für 84 notleidende Banken Entschädigungen gezahlt.

Wurden in den genannten Fällen stets alle Sparer entschädigt?

Neale: Ja, alle Sparer mit einem Rechts­anspruch wurden entschädigt.

Wie finanziert sich die britische Einlagensicherung?

Neale: Der FSCS wird über Beiträge von Instituten finanziert, die eine Zulassung der britischen Finanz­aufsichts­behörden haben.

Wie will Groß­britannien die EU-Beschlüsse zur Harmonisierung der europäischen Einlagensicherung umsetzen?

Neale: Bei der Umsetzung der EU-Richt­linien arbeiten wir eng mit den britischen Finanz­aufsichts­behörden und anderen europäischen Sicherungs­fonds zusammen. Bis Ende 2023 sollen dazu Gelder in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen in einen nationalen Sicherungs­fonds einge­zahlt werden. Damit soll sicher­gestellt werden, dass die Entschädigung von Sparern in Pleitefällen, die aktuell 20 Arbeits­tage betragen darf, auf sieben Tagen reduziert wird. Schon heute entschädigen wir meist binnen sieben Tagen.

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