Nicht jedes EU-Land hat genug Geld im Sicherungs­system, um Sparer bei einer Bank­pleite entschädigen zu können.

Internetplatt­formen wie Welt­sparen vermitteln Sparern gute Zins­angebote bei ausländischen Banken. Doch ist das Geld dort sicher?

Hand aufs Herz. Würden Sie Ihr Erspartes derzeit einer grie­chischen Bank anver­trauen? Wohl kaum.

Sie haben ein ungutes Gefühl und sind sich nicht sicher, ob Sie Ihr Geld im Falle einer Bank­pleite wiederbe­kommen. Richtig? Da pfeifen Sie lieber auf Spitzenzinsen für Ihr Erspartes von 1,75 Prozent für ein Jahr, die Ihnen die deutsche Nieder­lassung der Piraeus Bank aktuell anbietet.

Auch die im grie­chischen Gesetz fest­geschriebene Garantie für bis zu 100 000 Euro pro Sparer und Bank, die seit 2008 in allen Ländern der Europäischen Union (EU) gilt, stimmt die allermeisten Sparer nicht um. Ginge die Piraeus Bank pleite, so fürchten sie, wird die Einlagensicherung Griechen­lands, der „Hellenic Deposit and Investment Guarantee Fund“, nicht genug Geld haben, um Sparer zu entschädigen.

Wir teilen diese Zweifel und sind auch bei anderen EU-Ländern skeptisch, etwa bei Bulgarien oder Portugal. Denn beide Länder sind von der Finanz­krise stark gebeutelt und ihre Wirt­schaft läuft schwach. Angebote von Banken aus diesen Ländern fehlen deshalb in unseren Zins­tests.

Welt­sparen blendet Krisen aus

Die Saving Global GmbH blendet solche Krisen bei ihren Spar­angeboten aus. Auf ihrer Onlineplatt­form Weltsparen.de wirbt sie für „exklusive Angebote aus ganz Europa bei 100 Prozent Absicherung“.

Welt­sparen ist eine von mehreren Zins­platt­formen, die Sparern aus Deutsch­land bequem Zugang zu Spar­angeboten ausländischer Banken bieten wollen. Wer bei Welt­sparen mitmacht, muss nur einmal seine Identität nach­weisen und nur ein Verrechnungs­konto eröffnen. Dann kann er kostenlos über die mit Welt­sparen arbeitende deutsche MHB-Bank bei zehn Kredit­instituten sparen. Er findet dort Topzins­angebote von tsche­chischen und bulgarischen Banken, die sonst für deutsche Kunden nicht erreich­bar sind.

Zweifel an der Sicherheit

Welt­sparen macht Kunden weis, dass es zwischen Krisenländern wie Portugal und Bulgarien und wirt­schafts­starken Ländern wie den Nieder­landen oder Deutsch­land keinen Unterschied gibt: „Ihr Fest­geld ist bis 100 000 Euro pro Bank gemäß EU-Recht garan­tiert.“ Das stimmt formal. Doch im Pleitefall muss die Einlagensicherung des jeweiligen Landes das auch stemmen können.

Deutsche Banken­verbände bezweifeln, dass die Sicherungs­fonds aller EU-Länder genug Geld aufbringen können, um Sparer zeit­nah zu entschädigen. Können sie das nicht, bleibt Anlegern nur zu hoffen, dass die Regierung des Landes oder die Europäische Union einspringt. Die Sparer müssten zumindest mit einer Verzögerung bei der Entschädigung rechnen.

Die Präsidenten des deutschen Sparkassen- und Giro­verbands und des Bundes­verbands der Deutschen Volks- und Raiff­eisen­banken, Georg Fahrenschon und Uwe Fröhlich, lehnen eine gemein­same europäische Einlagensicherung kategorisch ab. Fahrenschon fürchtet, dass deutsche Sparer das Vertrauen in die Sicherheit der Einlagen in der EU insgesamt verlieren könnten, wenn deutsche Sicherungs­systeme für „mögliche Stabilitäts­probleme einzelner Euroländer“ mithaften müssten.

Finanztest nimmt die Zins­angebote von Banken aus Ländern mit schwacher Einlagensicherung derzeit nicht in seine Bestenlisten für Tages- und Fest­geld auf. Wie die Banken­verbände glauben auch wir nicht, dass in den nationalen Einlagensicherungs­systemen von Ländern wie Griechen­land, Estland oder Portugal genügend Geld ist, um nach einer Bank­pleite alle betroffenen Sparer in den vorgeschriebenen 20 Werk­tagen und ab Juni 2016 sogar binnen 7 Werk­tagen zu entschädigen.

Mit der neuen EU-Richt­linie zur Harmonisierung der Einlagensicherungs­systeme soll sich die Lage bessern. Danach müssen die Banken aller EU-Länder bis Ende 2023 einen Betrag in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen in ihre nationalen Sicherungs­fonds einzahlen.

Aber auch dann könnte immer noch in kleinen Ländern wie Estland oder Lett­land der Crash einer Bank zu Problemen führen.

Kleine Länder haben es schwer

In Estland gehören zurzeit gerade einmal neun Banken der nationalen Einlagensicherung an. Die Bigbank ist eine davon. Sie bietet seit einigen Jahren über ihre Internetseite Fest­geld für Sparer in Deutsch­land an. Auch wenn das Geschäfts­modell der Bigbank einen guten Eindruck macht und Estland wirt­schaftlich nicht schlecht dasteht, weiß man nicht, ob das Land einen Crash der Bank verkraften könnte.

Im Fall der Parex Bank aus Lett­land mussten deutsche Sparer 2008 zittern. Als die Bank in Schwierig­keiten geriet, über­nahm zunächst der lettische Staat 51 Prozent der Anteile des ange­schlagenen Geld­hauses. In der Folge erhielt Lett­land Kredite der Europäischen Union und des Interna­tionalen Währungs­fonds. Sparer mit höheren Einlagen bekamen ihr Geld in monatlichen Raten von maximal 50 000 Euro zurück. Die Bank wurde schließ­lich abge­wickelt.

Auch die Pleite der Kaupthing Edge in Island im Jahr 2008 zeigt, dass eine kleine Volks­wirt­schaft einem Bankencrash nicht gewachsen ist. Damals dauerte die Entschädigung der Sparer ein ganzes Jahr und kam nur durch einen Kredit zustande, den Deutsch­land an Island gab.

Große Länder wie Frank­reich dürften dagegen mit einzelnen Bank­pleiten kaum ein Problem haben. Selbst das krisen­geschüttelte Italien würde wohl den Zusammenbruch einer Bank besser über­stehen als Estland.

Wirt­schafts­kraft und Sicherheit

Die meisten Verbraucher, die in Fest­geld anlegen, erwarten eine sichere Geld­anlage auf dem Niveau einer deutschen Staats­anleihe. Deshalb schaut sich Finanztest neben der nationalen Einlagensicherung auch die Wirt­schafts­kraft der Länder an.

Nur wenn die drei größten Rating­agenturen Fitch, Moody’s und Stan­dard & Poor’s ein Land mit einer der zwei Topnoten von AAA oder AA ausstatten, nehmen wir die Zins­angebote in unsere Bestenlisten auf. Weil die Portale Welt­sparen und Savedo derzeit über­wiegend Zins­angebote von Banken im Programm haben, die aus Ländern mit einem schwächeren Rating kommen, kann Finanztest sie nicht empfehlen.

Hinzu kommt, dass die von beiden vermittelten Auslands­banken keine Zweigstellen in Deutsch­land haben. Nach einer Bank­pleite müssten sich deshalb beispiels­weise Sparer der Fibank an die bulgarische Einlagensicherung oder bei der Banco Privado Atlântico an die portugiesische Einlagensicherung wenden.

Komplizierter als gedacht

Die Zinsportale werben auf ihren Internet­seiten damit, dass ihre Angebote besonders bequem abge­schlossen und verwaltet werden können. Doch bei genauerem Hinsehen fanden wir an manchen Angeboten Haken, die Sparern das Leben schwermachen.

Haken 1: Bei vielen Auslands­banken ohne deutsche Nieder­lassung wird auf Zins­zahlungen eine Quellen­steuer erhoben. In Ländern wie Irland oder Tschechien reicht eine Erklärung, um den Steuer­abzug zu vermeiden (Tabelle: Festgeldangebote - Nicht empfehlenswert). In Polen, Portugal und Bulgarien kann der Kunde mit einer Bescheinigung seines heimischen Finanz­amtes die Quellen­steuer reduzieren, aber nicht ganz vermeiden. Er kann sie über die Steuererklärung allenfalls mit anderen Zins­einkünften verrechnen lassen.

Haken 2: Gleich drei Banken, die Welt­sparen im Programm hat, sowie die AS Privatbank aus Lett­land (Tabelle: Festgeldangebote - Nicht empfehlenswert), zahlen keinen Zinseszins für mehr­jähriges Fest­geld. Das schmälert die Rendite.

Legt ein Sparer zum Beispiel bei der Fibank in Bulgarien 10 000 Euro für fünf Jahre zu 2,5 Prozent an, bekommt er am Ende der Lauf­zeit nicht rund 1 314 Euro Zinsen, sondern lediglich 1 250 Euro. Die Rendite beträgt statt 2,5 Prozent nur 2,38 Prozent.

Haken 3: Bei den drei Angeboten von Welt­sparen, dem Savedo-Angebot der Banco Privado Atlântico sowie dem Angebot der AS Privatbank wird der gesamte Zins für eine mehr­jährige Anlage erst zum Laufzeit­ende in einer Summe ausgezahlt und steuer­pflichtig. Sparer laufen damit viel schneller als bei jähr­licher Versteuerung Gefahr, den Sparerpausch­betrag von 801 Euro pro Jahr (Allein­stehende) oder von 1 602 Euro (Paare) zu über­schreiten. Sie müssen dann rund 26 Prozent Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag an das Finanz­amt abführen.

Hätte der Sparer mit dem fünf­jährigen Fest­geld der Fibank aus dem Beispiel (siehe Haken 2) einen Frei­betrag von 250 Euro pro Jahr zur Verfügung, würde er ihn vier Jahre lang nicht nutzen. Im fünften Jahr müsste er von den 1 250 Euro Zinsen 1 000 Euro versteuern. Seine Rendite nach Steuern fiele auf 1,9 Prozent.

Mehr Risiken als Chancen

Das Beispiel der Fibank zeigt, dass der Ertrags­vorsprung gegen­über den besten von Finanztest empfohlenen Fest­geld­angeboten mit jähr­licher Verzinsung häufig geringer ist, als es scheint. Es hat für Sparer wenig Sinn, dafür höhere Risiken in Kauf zu nehmen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 47 Nutzer finden das hilfreich.