Mit dem Ersparten etwas Gutes tun – das bieten fünf Banken an. Ihre Kunden können Zinsen spenden, statt sie zu kassieren.

Gute Taten hinterlassen manchmal einen faden Beigeschmack: Eine Spende soll Bauern in Südamerika beim Kampf gegen einen Staudamm helfen, der ihre Lebens­grund­lage bedroht. Wenig später steht in der Zeitung: Ausgerechnet die Bank finanziert den Staudamm mit, bei der das eigene Spargeld liegt.

Meist erfahren Anleger nicht, wenn ihre Bank Geschäfte macht, die ihnen gegen den Strich gehen. Kredit­institute legen in der Regel nicht offen, wem sie Darlehen geben oder wo sie investieren. Einige Banken dürften hingegen selten für böse Über­raschungen sorgen – wenn sie zu ihrem Wort stehen. Sie haben sich ethisch-ökologischen Kriterien verpflichtet. Fünf von ihnen machen es ihren Kunden bequem, zusätzlich Gutes zu tun. Sie bieten Sparformen mit der Möglich­keit, die Zinsen zum Teil oder insgesamt zu spenden. Das geht bei der GLS Bank, der Ethik­bank und bei drei Banken mit kirchlichem Hintergrund.

Von Schule bis Straßenmagazin

Afgha­nische Schulen, bulgarische Kinder­heime, Junge Deutsche Philharmonie oder Saat­gutfonds – manche Banken verknüpfen ein Spar­angebot mit einem bestimmten Projekt. Andere bieten eine Auswahl oder lassen den Kunden frei entscheiden, wohin die Zinsen fließen sollen. Spitze sind die Zins­sätze nicht, liegen aber im Mittel­feld der Branche. Sicher ist das Spargeld auch hier. Die Steyler Bank ist dem Einlagensicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken ange­schlossen, bei den übrigen vier ist es die Sicherungs­einrichtung des Bundes­verbands der deutschen Volks­banken und Raiff­eisen­banken.

GLS Bank ist besonders trans­parent

Anthroposophische Wurzeln hat Deutsch­lands älteste sozial-ökologische Bank, die GLS Gemein­schafts­bank aus Bochum. Sie finanziert mehr als Waldorf­schulen und Demeter-Biobauernhöfe, zum Beispiel auch ein Hostel in Berlin-Kreuz­berg. Sie veröffent­licht im Internet Projekte und Unternehmen, denen sie Geld gibt. Sparern bietet sie mehrere Möglich­keiten, Organisationen zu unterstützen. Beim Projekt­spar­brief können sie aus einer Liste auswählen, wen sie fördern möchten. Bei anderen Sparformen können sie auf Zinsen verzichten. Im Gegen­zug bietet die GLS Bank förderwürdigen Organisationen güns­tigere Finanzierungs­konditionen an.

Zins­spende für Diakonisches Werk

Wer sich für den Solidaritäts­spar­brief der Bank für Kirche und Diakonie entscheidet, spendet seine Zinsen dem Diakonischen Werk Sachsen. Bei anderen Spar­angeboten lässt Deutsch­lands größte und älteste evangelische Bank aus Dort­mund Kunden die Wahl, wer ihre Zins­spende erhalten soll.

Steyler Bank unterstützt Mission

„Moral vor den Mammon“ setzt die Steyler Bank nach eigener Darstellung. Als einzige Bank in Europa gehört sie einer katho­lischen Ordens­gemeinschaft, den Steyler Missionaren. Bei Investitionen legt sie ihre Maßstäbe an. Kinder­arbeit, Prostitution, Pornografie und Abtreibung kommen ebenso wenig infrage wie Glücks­spiel oder Waffen. Ihr Gewinn fließt in Entwick­lungs­projekte in 70 Ländern. 2012 waren das 2,6 Millionen Euro. Mehr als 10 000 Ordens­leute gehörenden Steyler Missionaren an. Im Internet stellt die Bank aus Sankt Augustin aktuelle Projekte vor. Kunden können zum Beispiel den Missions-Spar­brief oder den Afrika-Spar­brief wählen und damit Zinsen spenden.

Gewinn geht an die Franziskaner

Auf die Grund­sätze eines katho­lischen Ordens stützt sich auch die Bank für Orden und Mission in Idstein. Ihr Gewinn fließt in die welt­weite Arbeit der Missions­zentrale der Franziskaner. Die Spenden­empfänger sucht die Bank aus. Sie ist eine Zweig­nieder­lassung der VR-Bank Untertaunus.

Ethik­bank ohne religiösen Einfluss

Als „frei von ideologischen, politischen, religiösen oder spirituellen Einflüssen“ beschreibt sich die Ethik­bank, eine Zweig­nieder­lassung der Volks­bank Eisen­berg in Thüringen. Die Direkt­bank spendet für je ein Frauen-, Ethik- und Umwelt­projekt. Kunden tun das auch, wenn sie die „Fördervariante“ des Spar­briefs wählen.

Ethik­bank mit steuerlichem Nachteil

Einen Nachteil gibt es bei der Ethik­bank. „Unsere Kunden bekommen keine Zuwendung“, teilt Ethik­bank-Vorstand Sylke Schröder mit. Das heißt: Die Spender erhalten keine Zuwendungs­bescheinigung über die Höhe der Zinsen, die an die Projekt­partner fließen. Ohne den Beleg erkennen Finanz­ämter Spenden aber meist nicht als Sonder­ausgaben an, sodass Anleger damit auch keine Steuern sparen können. Abgeltung­steuer zahlen sie jedoch für ihre Zinsen, wenn der Sparerpausch­betrag über­schritten ist.

Bei den anderen Banken bekommen Kunden die Bescheinigungen – entweder auto­matisch oder auf Nach­frage.

Tipp: Ethisch-ökologische Spar­angebote auch ohne Zins­spende­möglich­keit finden Sie unter www.test.de/oekospar. Die Zins­sätze werden monatlich aktualisiert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 6 Nutzer finden das hilfreich.