Spargeld Special

Ausländische Direkt­banken locken deutsche Sparer oft mit Spitzenzinsen. Finanztest erklärt, warum das so ist. Die Geld­anlage-Experten der Stiftung Warentest sagen, wo Vorsicht angebracht ist – und wo Anleger bedenkenlos zugreifen können.

Wachs­tums­markt Deutsch­land

Warum ist der deutsche Sparermarkt für ausländische Direkt­banken besonders attraktiv?

Ausländische Banken gehen in Deutsch­land gerne auf Kunden­fang, um weiter wachsen zu können. Deutsch­land hat 82 Millionen Einwohner und damit viel mehr als etwa die Nieder­lande (16,8 Millionen), Österreich (8,5 Millionen) oder Schweden (9,5 Millionen). Beispiel: Die Rabo­bank, eine der führenden Privatbanken in den Nieder­landen, hat dort knapp 7 Millionen der 16,8 Millionen Einwohner als Kunden. Damit ist ihr Markt­anteil so hoch, dass sie in der Heimat kaum noch neue Sparer bekommen kann. Mit der Online­tochter Rabodirect versucht sie deshalb, in Deutsch­land Kunden zu gewinnen.

Warum bieten ausländische Direkt­banken oft höhere Zinsen als deutsche Institute an?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Direkt­banken machen oft nur wenige verschiedene Angebote und führen Konten meist online oder telefo­nisch. Deshalb haben sie viel nied­rigere Kosten als Filial­banken und können höhere Zinsen zahlen. Ein klarer Wett­bewerbs­vorteil für viele ausländische Banken ist das höhere Zins­niveau in ihrem Heimatland, zum Beispiel in den Nieder­landen. Banken wie NIBC Direct, Amsterdam Trade Bank, Garan­tibank oder MoneYou bieten nieder­ländischen Kunden höhere Zinsen an als deutschen Sparern. Sie passen die Höhe der Zinsen für Tages- und Fest­geld an die jeweilige Markt- und Wett­bewerbs­situation an. Hier­zulande orientieren sie sich an den Zinsen deutscher Topanbieter. Das lohnt sich für sie besonders, denn zuhause verleihen sie das Spargeld zu höheren Zinsen. Die Zins­differenz können sie für sich behalten. Auch in Österreich und Frank­reich ist das Zins­niveau gering­fügig höher als bei uns. Die österrei­chische Deniz­bank und die französische Crédit Agricole Consumer Finance S. A. zahlen einheimischen und deutschen Sparern aber gleich viel Zinsen.

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Nicht alle Einlagensicherungs­töpfe sind gut gefüllt

Gehen Anleger bei ausländischen Banken höhere Risiken ein als in Deutsch­land?

Das hängt davon ab, wo die Bank ihren Sitz hat. Zwar sind grund­sätzlich bei allen Banken mit Sitz in der EU 100 000 Euro pro Anleger und Bank gesetzlich garan­tiert. Doch nicht alle nationalen Einlagensicherungs­töpfe sind gut gefüllt. In Ländern wie Estland, Lett­land oder Bulgarien könnte es passieren, dass Sparer nach einer Bank­pleite länger auf ihr Geld warten müssen. Die First Investment Bank (Fibank) aus Bulgarien beispiels­weise bietet deutschen Kunden ab 10 000 Euro Zinsen von zurzeit 2,9 Prozent für einjähriges Festgeld an. Ginge die Bank pleite, wäre die bulgarische Einlagensicherung vermutlich nicht in der Lage, alle Sparer inner­halb der vorgeschriebenen Frist von 20 Werk­tagen zu entschädigen. Der bulgarische Staat müsste dann für die Guthaben aufkommen. Kann er das nicht, würde wohl die Europäische Union mit Krediten aushelfen, so wie zuletzt in Zypern. Das kann jedoch dauern.

Welche ausländischen Banken empfiehlt Finanztest uneinge­schränkt?

Wir halten die Angebote von Banken aus den Nieder­landen, Österreich, Frank­reich, Groß­britannien, Schweden und Luxemburg grund­sätzlich für Beträge bis 100 000 Euro für sicher. Die Einlagensicherungen dieser Länder existieren schon viele Jahre und haben sich bewährt. Es handelt sich um wirt­schaftlich stabile Länder. Sie haben die jüngste Finanz­krise besser über­standen als beispiels­weise Spanien, Italien oder Griechen­land.

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