Spargeld Special

Wer sein Geld nur für ein Jahr anlegt, weil er auf steigende Zinsen hofft, kann sich irren. Längere Lauf­zeiten bringen oft mehr Rendite.

Noch nie mussten sich Sparer mit so mick­rigen Zinsen begnügen wie im Moment. Viele Banken und Sparkassen verzinsen Tages­geld nur noch mit deutlich unter 1 Prozent pro Jahr. Auch für Fest­geld­anlagen haben Banken und Sparkassen die Zinsen gesenkt.

Die Geldhäuser orientieren sich an allgemeinen Zins­sätzen wie dem Leitzins der Europäischen Zentral­bank. Die Noten­bank hat den Leitzins vor knapp drei Monaten von 1,00 auf 0,75 Prozent gesenkt.

Das „Top-Angebot“ der Deutschen Bank für eine einjährige Fest­geld­anlage bringt aktuell nur 1, 0 Prozent Zinsen pro Jahr. Für eine Anlage in Höhe von 10 000 Euro bekommt ein Deutsche-Bank-Sparer also gerade mal 100 Euro Zinsen. Bei steigenden Preisen für den Lebens­unterhalt – dem Statistischen Bundes­amt zufolge lag die Inflations­rate im August 2012 bei 2 Prozent – wird er für sein Geld im Jahr 2013 weniger kaufen können als mit den 10 000 Euro Anfang 2012. Das wäre eine ärgerliche Erfahrung. Sparer können sie aber trotz historisch nied­riger Zinsen vermeiden.

Zinsen über der Inflations­rate

Spargeld Special

Ohne Risiko und ohne viel Aufwand können Bank­kunden deutlich bessere Zinsen erwirt­schaften (siehe test.de/Marktplatz). Viele Direkt­banken und einige wenige Filial­banken bieten auch heute noch Zinsen, die über der Inflations­rate liegen.

Auf dem Tages­geld­konto ist das Geld ständig verfügbar, aber die Bank darf die Zinsen jeder­zeit ändern. Das derzeit beste Bank­angebot macht die Rabodirect. Die Bank verzinst Tages­geld mit 2,43 Prozent pro Jahr.

Das ist deutlich mehr, als die ING-Diba ihren fünf Millionen Tages­geld­kunden zahlt. Sie verzinst die Guthaben ihrer Kunden – Ende 2011 rund 86 Milliarden Euro – nur noch mit 1,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Nur Neukunden haben es besser: Sie bekommen vom ersten bis zum sechsten Monat 2,0 Prozent Zinsen auf ihr Tages­geld-„Extra­konto“.

Mit Fest­geld legen Sparer ihr Geld für eine vereinbarte Lauf­zeit fest an. Für diese Zeit ist der Zins garan­tiert. Zurzeit gibt es zwischen 2,70 Prozent für eine einjährige und 3,60 Prozent für eine vierjäh­rige Fest­geld­anlage. Das jeweils beste Angebot für diese Lauf­zeiten macht die Fidor Bank.

Bei den genannten Anbietern mit Spitzenzinsen handelt es sich um Internet­banken. Hier können Kunden ihre Konten meist nur per Internet verwalten. Wer lieber bei einer Filial­bank anlegen möchte, kann sein Geld in Deutsch­land bei einer der 166 Filialen der Sant­ander Consumer Bank anlegen. Sie liegt mit ihren mehr­jährigen Fest­geld­angeboten derzeit unter den Top Ten.

Die güns­tigeren Konditionen können die Online­banken bieten, weil die meisten von ihnen keine Filialen haben und deutlich weniger Personal als nieder­gelassene Banken und Sparkassen beschäftigen.

Die Einlagen der Sparer sind bei Direkt­banken genauso gut geschützt wie bei Filial­banken. Bei den meisten deutschen Banken sind sie in Millionenhöhe abge­sichert. Bei allen anderen Banken mit Sitz in der EU ist Spargeld in Höhe von mindestens 100 000 Euro inklusive Zinsen gesetzlich gesichert.

Zins­wechsler machen schlapp

Je nachdem, wofür ein Sparer sein Geld braucht, sollte er sich für ein Tages­geld, ein Fest­geld oder für beides entscheiden. Meist ist ein Mix aus Tages- und Fest­geld sinn­voll.

Auf dem Tages­geld­konto lagern Verbraucher im Ideal­fall eine eiserne Reserve in Höhe von zwei bis drei Monats­gehältern für Notfälle. Geht die Wasch­maschine oder das Auto kaputt, muss der Sparer dann nicht den teuren Dispokredit des Giro­kontos in Anspruch nehmen. Über­ziehungs­zinsen von bis zu 14 Prozent pro Jahr für den Dispokredit sind bei Banken und Sparkassen keine Seltenheit (siehe Finanztest 10/2011 und www.test.de/thema/dispozinsen).

Das Tages­geld­konto ist aber meist nicht der richtige Ort, um das gesamte Vermögen sicher anzu­legen. Die Idee, das Geld in Erwartung steigender Zinsen jeweils auf das beste Tages­geld­konto zu legen, ist länger­fristig oft mit Zins­verlust verbunden.

Die Erfahrung zeigt, dass Sparern die Lust schnell vergeht, ständig neue Tages­geld­konten zu eröffnen. Jedes Mal muss ein neues Konto eröffnet werden, ein Postident­verfahren durch­laufen und ein neuer Frei­stellungs­auftrag erteilt werden.

Auf die richtige Mischung achten

Und egal, wie oft ein Sparer zum besseren Anbieter wechselt, er kann sich nie sicher sein, dass er auf längere Sicht den besseren Schnitt macht als mit einer länger­fristigen Anlage. Denn wie sich die Zinsen entwickeln, ist reine Spekulation.

Natürlich können Sparer nach der letzten Leitzins­senkung auf nunmehr 0,75 Prozent im Jahr hoffen, dass es nun nach unten keine Luft mehr gibt und die Zinsen eigentlich nur noch steigen können. Sicher ist das jedoch nicht.

Finanztest empfiehlt deshalb allen, die sicher anlegen wollen, einen gesunden Anlagemix. Neben der Tages­geld­anlage für unvor­hergesehene Ausgaben können Anleger ihr Geld auf Fest­geld­anlagen mit Lauf­zeiten zwischen ein und vier Jahren aufteilen. Dann wird jedes Jahr Geld fällig.

Wer jetzt ganz genau weiß, dass er sein Geld für viele Jahre nicht braucht, sollte ruhig eine vierjäh­rige Lauf­zeit für seine Fest­geld­anlage wählen. Längere Lauf­zeiten lohnen sich derzeit allerdings kaum, denn der Zins­vorteil ist zu gering.

Die Strategie, das ganze Geld nur ein, zwei Jahre anzu­legen, um flexibel zu bleiben, kann daneben­gehen. Steigen die Zinsen einige Zeit kaum, verzichtet der Sparer auf die höheren Zinsen, die er mit länger laufenden Anlagen erzielt hätte.

Der Anschluss­zins, den er nach der Fälligkeit für die verbleibenden Jahre erzielen müsste, um so viel wie mit einem vierjäh­rigen Fest­geld zu erwirt­schaften, ist zu hoch. Die Zinsen müssten zwischen­zeitlich stark steigen.

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