Spargeld Special

Internetbanken bieten mehr Zinsen als Banken vor Ort. Aber ist das Geld dort auch sicher? Und was passiert überhaupt, wenn eine Bank pleitegeht?

Die anhaltende Finanzkrise verunsichert Sparer. Sie fragen sich, wo sie ihr Geld noch gefahrlos anlegen können. Ausgerechnet weitgehend unbekannte Direktbanken wie Amsterdam Trade Bank, Garantibank, NIBC Direct oder Rabodirect bieten attraktivere Zinsen für Tages- und Festgeld als deutsche Filialbanken. Ist das Geld dort sicher? Was, wenn sie pleitegehen?

Binnen 20 Tagen zurückzahlen

Alle aufgezählten Banken haben ihren Sitz in der Europäischen Union. Hier sind die Guthaben pro Sparer und Bank in Höhe von 100 000 Euro gesetzlich geschützt. Das haben die EU-Staaten so festgelegt. Außerdem: Nach einer Bankpleite sind Sparguthaben binnen sieben Tagen zurückzuzahlen, spätestens aber nach 20 Tagen.

Dennoch sorgt die Entscheidung, sich einer weitgehend fremden Direktbank anzuvertrauen, bei vielen Sparern für Bauchschmerzen. Sie möchten ihr Geld nicht per Internet anlegen, sondern lieber eine Bank auswählen, mit der sie persönlich in Kontakt tretenkönnen. Und wenn das schon nicht geht, wollen sie ihr Erspartes wenigstens bei einer deutschen Bank anlegen, weil sie den heimischen Sicherungssystemen mehr trauen als den ausländischen.

Appelle wie die des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, sich nicht von den attraktiven Angeboten von Töchtern ausländischer Banken blenden zu lassen, befördern die Ängste noch. Hohe Renditen bei Sparprodukten seien fast immer Ausweis hoher Risiken, meint Fahrenschon.

Deutsche Banken mit fremden Namen

Überzeugend sind solche Argumente nicht. Nicht nur ausländische, sondern auch deutsche Direktbanken bieten höhere Zinsen als Filialbanken und Sparkassen. Sie können das, weil sie viel niedrigere Kosten haben als zum Beispiel Sparkassen. Direktbanken verfügen oft nur über eine Niederlassung und beschäftigen viel weniger Mitarbeiter. Zudem sind viele Banken mit fremden Namen deutscher, als man denkt. So handelt es sich bei der Santander Consumer Bank um eine eigenständige deutsche Tochter der spanischen Mutter Banco Santander. Auch die ING-Diba ist ein deutsches Institut, Tochter der niederländischen ING-Gruppe. Würden diese Töchter pleitegehen, müsste die deutsche Einlagensicherung die Guthaben der Sparer ersetzen. Ebenfalls eigenständige deutsche Töchter sind die Direktbanken Isbank, Oyak Anker Bank, Akbank, Ziraat Bank und GE Capital Direkt. Auch für sie gilt die deutsche Sicherung.

In der Bundesrepublik sichern die meisten Institute Spargeld nicht nur in Höhe von 100 000 Euro durch die gesetzliche „Entschädigungseinrichtung deutscher Banken“ ab. Sie sind zusätzlich Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Der schützt Guthaben in Millionenhöhe.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eigene Sicherungssysteme. Die sorgen dafür, dass kein Mitglied insolvent wird.

Kritiker bezweifeln ohnehin, dass die doppelte Sicherung für Spargeld bei deutschen Banken besser funktioniert als die ausländischen Modelle. Im Ernstfall, so ihr Argument, könnten die Einlagensicherungssysteme wohl eher 100 000 Euro pro Anleger und Bank zurückzahlen als Beträge in Millionenhöhe.

Würde ein größeres Institut in die Insolvenz gehen, wäre der Bundesverband deutscher Banken aus Sicht der Kritiker schnell am Ende. Es sei unwahrscheinlich, dass er dreistellige Millionensummen aufbringen könnte, die beispielsweise eine Krankenkasse oder ein Fonds dort angelegt hat, argumentieren sie.

Nichts für massenhafte Pleiten

Dass der Sicherungsfonds überfordert wäre, wenn eine große, systemrelevante Bank pleiteginge, räumt auch der Bundesverband deutscher Banken ein. Die Sicherungssysteme können nur in Einzelfällen helfen. Bei einem massenhaften Zusammenbruch wären alle Systeme überfordert. Zumal sich sowohl die gesetzliche Entschädigungseinrichtung als auch der freiwillige Sicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken von den jährlichen Beiträgen seiner Mitglieder speist. Die Quelle würde schnell austrocknen.

Notfalls muss der Staat helfen

Am Ende könnte nur die Regierung helfen. Sie müsste mit Geldspritzen in Milliardenhöhe die Insolvenz der jeweiligen Bank abwenden. Das hat die Bundesregierung zum Beispiel bereits im Fall der Commerzbank und der IKB-Bank zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 getan. Solange es keine Massenpleiten gibt, sind die 100 000 Euro pro Sparer und Bank sicher – egal ob Filialbank oder Direktbank im Inland oder EU-weiten Ausland.

Bleiben die Zweifel, die Sparer gegenüber den ausländischen Sicherungssystemen hegen. Viele fürchten ein kompliziertes Verfahren für den Fall, dass ihr Geldinstitut Insolvenz anmeldet und die in der EU-Richtlinie auf maximal 20 Tage festgelegte Rückzahlungsfrist nicht einhält.

Sparer bangten fast neun Monate

Vielen ist die langwierige Abwicklung der 2008 pleitegegangenen Kaupthing Bank aus Island noch in unangenehmer Erinnerung. Fast neun Monate mussten die mehr als 34 000 Kaupthing-Kunden um ihr Geld bangen. Dann entschloss sich die isländische Regierung, deutschen Sparern ihr Geld zurückzuzahlen – im Einklang mit den Regeln der EU, obwohl Island nicht zur EU gehört. Die Kaupthing Bank, vor deren Angeboten Finanztest übrigens frühzeitig gewarnt hatte, ist deshalb kein gutes Beispiel, um die seit 2001 EU-weit vorgeschriebenen Rückzahlungsfristen anzuzweifeln.

Antrag auf Entschädigung stellen

Mühsam fanden viele Kaupthing-Kunden, dass sie alle Unterlagen per Post und in englischer Sprache in Island einreichen mussten.

Die Sprachbarriere gilt auch für eine Reihe ausländischer Direktbanken, bei denen jeweils 100 000 Euro über die nationale Einlagensicherung geschützt sind. Ginge beispielsweise MoneYou, die Onlinemarke der niederländischen ABN Amro Bank, pleite, müssten Kunden erst einmal abwarten. Die niederländische Zentralbank, De Nederlandsche Bank (DNB), entscheidet kurz nach einer Insolvenz, wie Anleger entschädigt werden. Erst wenn sie sich auf eine Abwicklung geeinigt hat, gibt sie auf ihrer Internetseite www.dnb.nl die Adresse bekannt, bei der Kunden einen Entschädigungsantrag stellen müssen.

Derzeit sind alle Informationen auf der Seite in Holländisch und Englisch, nicht auf Deutsch erhältlich. Man kann aber davon ausgehen, dass Medien, der Bundesverband der Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest online Übersetzungen für das Formular anbieten würden.

Egal ob englisch oder holländisch, entschädigen muss die DNB laut EU-Vorschrift binnen 20 Tagen, bei komplizierten Verfahren darf es maximal 30 Tage dauern.

Unkomplizierter als in Holland ist die Abwicklung durch die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Die Banken schicken nach einer Pleite allen Kunden einen Antrag, in dem ihr Guthaben plus Zinsen meist schon eingetragen ist. Der Kunde muss nur noch seine Kontonummer angeben und das Formular zurückschicken.

Mehr als 100 000 Euro angelegt?

Was ist, wenn der Kunde beispielsweise bei der Bank of Scotland mehr als die gesetzlich geschützten 100 000 Euro angelegt hat? Geht diese Bank pleite, informiert die gesetzliche britische Einlagensicherung FSCS (Financial Services Compensation Scheme) auch den Bundesverband deutscher Banken, weil sie dort Mitglied ist. Der Bankenverband sendet dem deutschen Kunden ein Schreiben, in dem sein Guthaben bis zu einer Höhe von 250 000 Euro eingetragen ist – abzüglich der vom FSCS erstatteten Summe. Der Kunde schickt das Schreiben zurück und wird innerhalb von ein bis zwei Monaten vom Bundesverband deutscher Banken entschädigt. Bei der Bank of Scotland sichert der Verband wegen der noch frischen Mitgliedschaft nur bis 250 000 Euro ab. Einlagen in Millionenhöhe sind erst nach mehrjähriger Mitgliedschaft geschützt.

Briten entschädigen in Pfund

Lange genug Mitglied ist die Bank Cortal Consors mit Sitz in Paris und Niederlassung in Nürnberg. Hier sichert der Bundesverband Guthaben mit Zinsen bis zur Höhe von 45 Millionen Euro ab, abzüglich der 100 000 Euro, die durch die gesetzliche Sicherung Frankreichs, den FdGdD (Fonds de Garantie des Dépôts), zu entschädigen sind.

Mit Ausnahme der Briten entschädigen alle Sicherungsfonds in Euro. Verluste, die durch Umrechnung von Euro in Pfund entstehen, gleicht der Bundesverband deutscher Banken bei seinen Mitgliedern aus.

Angst um sein Erspartes muss also niemand haben – jedenfalls nicht, wenn es sich um eine Bank mit Sitz in der EU handelt.

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