Sparerfreibetrag Special

Ganz legal: Werner und Andrea Fricke haben ihren Söhnen Jannis und Jonas Vermögen übertragen, damit die Zinsen steuerfrei bleiben.

Der Sparerfreibetrag wird nächstes Jahr fast halbiert. Sparer müssen ihre Freistellungs­aufträge anpassen. Wer Spielräume in der Familie nutzen kann, zahlt trotzdem nicht mehr Steuern.

Ab dem nächsten Jahr bleiben Anlegern weniger Sparzinsen. Sie kassieren dann nur noch viel geringere Kapitalerträge wie Zinsen und Dividenden steuerfrei: Der Sparerfreibetrag sinkt für Alleinstehende von bisher 1 370 Euro auf 750 Euro, für Ehepaare von 2 740 Euro auf 1 500 Euro. Nur die Werbungskostenpauschale von 51 Euro (Ehepaare 102 Euro) für Zins- und Dividendenerträge ändert sich nicht.

Nur noch 801 Euro freistellen

Sparerfreibetrag Special

Steiler Abstieg. Im Jahr 1993 wurde ein Sparerfreibetrag von 3 038 Euro (Ehepaare 6 136 Euro) eingeführt. 2007 sinkt er auf nur 750 Euro (Ehepaare 1 500 Euro).

Steiler Abstieg. Im Jahr 1993 wurde ein Sparerfreibetrag von 3 038 Euro (Ehepaare 6 136 Euro) eingeführt. 2007 sinkt er auf nur 750 Euro (Ehepaare 1 500 Euro).

Alleinstehende Anleger dürfen ihren Banken und depotführenden Instituten in Deutschland für das nächste Jahr lediglich Freistellungsaufträge in Höhe von 801 ­Euro (750 Euro gekürzter Sparerfreibetrag plus 51 Euro Werbungskostenpauschale) für steuerpflichtige Kapitalerträge erteilen. In diesem Jahr erhalten sie noch 1 421 ­Euro (1 370 Euro plus 51 Euro) steuerfrei.

Verheiratete Sparer können ab Silvester höchstens bis zu 1 602 Euro (1 500 Euro plus 102 Euro) Kapitalerträge freistellen. Bisher dürfen Ehepaare insgesamt 2 842 Euro im Jahr mithilfe der Freistellungsaufträge steuerfrei kassieren.

Viele müssen wegen der erheblichen Kürzung ihre Freistellungsformulare bis zum Jahresende anpassen. Schöpfen Sparer in diesem Jahr den Sparerfreibetrag aus, müssen sie im nächsten Jahr je nach persönlichem Grenzsteuersatz mehr Einkommensteuern zahlen. Doch vorher sollten sie prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, die Steuerpflicht zu mindern.

Hoher Freibetrag für die Kinder

Sparerfreibetrag Special

Schönes Sparschwein. Kinder sollten nicht mehr als 5 001 Euro Zinsen im Jahr kassieren. Sonst können sie nicht kostenlos in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben.

Damit die Sparzinsen in der Familie bleiben, können Eltern Vermögen auf ihre Kinder übertragen. Sie gelten als vollwertige Steuerzahler. Pro Kind sind dieses Jahr noch bis zu 9 121 Euro Zinsen und Dividenden steuerfrei, wenn sie keine anderen steuerpflichtigen Einnahmen als Kapitalerträge haben. Ab 2007 aber sinkt ihr steuerfreies Volumen um 620 ­Euro auf 8 501 Euro. Bis zu 205 000 Euro können sowohl ­Vater als auch Mutter alle zehn Jahre auf jedes Kind durch eine steuerfreie Schenkung übertragen.

Die Falle der Krankenversicherung

Jannis und Jonas sollten ihr steuerfreies ­Limit aber besser nicht ausschöpfen, weil die Kinder bei den Eltern kostenlos in der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichert sind. Die schöne Steuersparidee entpuppt sich sonst als teure Falle.

Ein Kind wird nämlich nur kostenlos ­familienversichert, wenn es im Monat nicht mehr als 350 Euro Einnahmen erzielt. Zum Gesamteinkommen des Kindes zählen neben Einkünften aus Mini- oder Teilzeitjobs auch Zinseinnahmen, hat das Bundessozialgericht entschieden (Az. B 12 KR 13/02 R).

Erzielt das Kind nur 1 Euro über der Grenze von 350 Euro, ist mit der kostenfreien Mitversicherung Schluss und die ­Eltern müssen den Nachwuchs extra krankenversichern. Deshalb hat Vater Fricke neu gerechnet, damit Jannis und Jonas weiter kostenfrei mitversichert sind.

So viel erlaubt die Krankenversicherung
12 x 350 Euro Freigrenze: 4 200 Euro
+ Sparerfreibetrag 2007: 750 Euro
+ Werbungskostenpauschale: 51 Euro
Summe: 5 001 Euro

Zur Freigrenze der Krankenkasse kommen Sparerfreibetrag und Werbungskostenpauschale hinzu. Jedes der Kinder darf deshalb bis zu 5 001 Euro im Jahr erhalten.

Dividenden aus Aktien oder aus Fonds ­zählen wie Zinsen voll mit. Anders als das Finanzamt rechnet die Sozialversicherung die vollen Dividendenbeträge an.

Risiko für mitversicherte Partner

Aufpassen müsste Werner Fricke auch, wenn seine Frau beitragsfrei bei ihm in der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichert wäre. Ehepartner verlieren ebenfalls den kostenlosen Versicherungsschutz, wenn ihre Sparzinsen und Dividenden nach Abzug der Freibeträge die monatliche Grenze von 350 Euro überschreiten.

Sparer, die dieses Limit bisher einhalten, tappen nach der Kürzung des Sparerfreibetrags leicht in die Falle. Um zu ermitteln, ob der Mitversicherte über die Grenze kommt, dürfen Eheleute mit getrennten Konten nicht einfach ihre gemeinsamen Sparzinsen halbieren. Die Krankenkasse berücksichtigt genau die Sparzinsen, die der mitversicherte Partner erhält, und zieht davon nur 801 Euro Freibetrag ab. Anders als bei der Steuer nützt es dem Mitversicherten nichts, wenn der Partner sein Freistellungslimit nicht ausschöpft. Er darf es nicht mitnutzen.

Nur wenn den Ehepartnern die Wertpapierdepots und Sparguthaben gemeinsam gehören, zieht die Krankenkasse von den ­gemeinsamen Zinsen und Dividenden den Freibetrag für Eheleute in Höhe von 1 602 Euro ab.

Geschenkt ist geschenkt

Auf das Vermögen, das Andrea und Werner Fricke ihren Kindern übertragen haben, können die Eltern nicht mehr ohne weiteres zurückgreifen. Sie dürfen es nur im Rahmen ihres elterlichen Sorgerechts ausgeben, zum Beispiel für die Ausbildung ihrer Kinder.

Wenn Jannis und Jonas 18 Jahre alt werden, können die Kinder über das restliche geschenkte Geld frei verfügen. Vorsichtige Eltern legen notariell beglaubigt fest, ­wofür die Summe verwendet werden soll.

Wenn Eltern Vermögen auf Kinder übertragen, die in absehbarer Zeit volljährig werden oder es schon sind, müssen sie wieder eine Einkommensgrenze beachten: Erwachsene Kinder dürfen derzeit nur 7 680 Euro Einkünfte und Bezüge im Jahr haben, sonst verlieren die Eltern den Anspruch auf Kindergeld, Kinder- und Ausbildungsfreibeträge und auf den Entlastungsbetrag für alleinerziehende Singles mit Steuerklasse II.

Hier zählen die Sparzinsen der Kinder voll mit. Nur die Werbungskosten werden abgezogen oder die Pauschale von 51 Euro.

Nichtveranlagungsbescheinigung

Jannis und Jonas sind noch lange nicht volljährig. Sie dürfen nicht nur viel mehr Zinsen und Dividenden als ihr Vater steuerfrei kassieren. Die Bank darf ihnen ihre Kapitalerträge auch steuerfrei auszahlen, obwohl sie über dem Sparerfrei­betrag liegen. Denn ihr Vater hat für sie ­eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorgelegt. Die Bescheinigung hat Werner Fricke beim ­Finanzamt am Wohnsitz der Familie beantragt (siehe „Checkliste“).

Auch im nächsten Jahr bleiben die Steuer­­­­­­­­­­freibriefe der Kinder gültig. Denn trotz des ab 2007 gekürzten Sparerfreibetrags überschreiten sie die kritische Summe nicht.

Würden aber künftig auf die Zins- und Dividendenerträge ­ihrer Kinder Steuern anfallen, müssen die Eltern den Freischein bei der Bank zurückziehen und ans Finanzamt zurückgeben.

Freistellungsaufträge anpassen

Die meisten Sparer müssen sich um andere Formulare kümmern – um ihre Freistellungsaufträge. Zuerst verschaffen sie sich einen Überblick, bei welchem Geldinstitut sie wie viel freigestellt haben. Dann sehen sie, ob sie etwas ändern müssen.

Ein Bonus kommt Aktionären derzeit zugute. Bei Freistellungsaufträgen müssen sie nur den halben Betrag der zu erwartenden Dividende berücksichtigen. Die andere Hälfte ist steuerfrei (siehe Tabelle „Zinsen zählen voll, Dividenden nur halb“). Diesen Vorteil will der Gesetzgeber mit Einführung der Abgeltungsteuer ab dem Jahr 2008 wieder abschaffen.

Im nächsten Jahr können Aktionäre ihre Freistellungsaufträge noch wie der Single im folgenden Beispiel verteilen.

Änderung der Freistellungsaufträge

Freigestellte Beträge bisher:
Bank A für Zinsen in Höhe von 1 271 Euro
Bank B für 300 Euro Dividenden davon 50%: 150 Euro
Insgesamt freigestellt: 1 421 Euro

Freigestellte Beträge ab 2007:
Bank A für Zinsen: 651 Euro
Bank B für 50% der Dividenden: 150 Euro
Insgesamt freigestellt: 801 Euro

Erhält der Single im nächsten Jahr wieder genau so viele Zinsen und Dividendenanteile wie in diesem Jahr, kassiert das ­Finanzamt bei 26 000 Euro steuerpflichtigem Jahreseinkommen von ihm 186 Euro mehr Einkommensteuer.

Ehepaare rechnen mit den doppelten Beträgen. Im Jahr 2007 haben sie ihr steu­­erfreies Volumen bereits mit 53 400 Euro Sparvermögen verbraucht, wenn sie dafür 3 Prozent Zinsen bekommen (siehe Tabelle „Ab 2007 weniger steuerfrei anlegen“). Sie erhalten nur noch 1 602 Euro Kapitalerträge steuerfrei.

Wertpapierdepot umschichten

Sparer, die nur Zinspapiere im Depot ­haben, könnten auch ihr Wertpapierdepot umschichten, um Steuern zu sparen. Ein lediger Anleger, der beispielsweise vor ­Jahren einen Sparbrief für 20 000 Euro mit 4,5 Prozent jährlicher Verzinsung erworben hat, muss ab 2007 auf 99 Euro Zinsen rund 30 Euro Steuern (30 Prozent Grenzsteuersatz) zahlen. Denn nur noch 801 Euro Zinsen bleiben steuerfrei.

Alternativ könnte er den Sparbrief verkaufen und den Betrag in dividendenstarke Aktien mit gleicher Rendite investieren. Bekommt er die erwartete Dividende, kassiert er immer noch 900 Euro Ertrag. Steuerpflichtig ist davon aber nur die Hälfte, also 450 Euro.

Somit bleibt der Single wieder unter dem maximalen Freistellungsbetrag. Da von seinem Freistellungsvolumen nur 450 Euro aufgezehrt sind, kann er sogar noch 351 Euro ausschöpfen. Trotzdem ist der Anleger damit schlecht bedient, falls er weiterhin sicher anlegen will. Er spart nur 30 Euro Steuern und geht zugleich das ­Risiko ein, dass die Aktien gar nicht die ­gewünschte Dividende bringen und vielleicht sogar der Kurs einbricht.

Etwas weniger riskant als der Kauf von Aktien ist die Anlage in Aktienfonds. Auch hier bleiben Dividenden zur Hälfte steuerfrei. Der ­Steu­erspareffekt kann bei Aktienfonds sogar größer sein, weil Fondsmanager steuerfreie Kursgewinne erzielen können, ohne die einjährige Spekulationsfrist einzuhalten. Doch auch hier ist das Anlagerisiko deutlich höher als beim Sparbrief.

Zettelwirtschaft lohnt sich

Emsige Anleger sparen auch ohne Umschichten ihres Vermögens Steuern. Sie ­tischen einfach dem Finanzamt ihre tatsächlichen Werbungskosten auf. Dazu ­machen sie sich übers Jahr die Mühe und sammeln Belege. Am Ende können sie in ihrer Steuererklärung oft mehr absetzen als die magere Werbungskostenpauschale von 51 Euro (102 Euro für Ehepaare).

Die Behörde erkennt sämtliche Kosten an, die Sparern im Zusammenhang mit ­ihren steuerpflichtigen Einnahmen entstanden sind. Neben den Bankgebühren für Konto- und Depotführung gehören zum Beispiel die Kosten für die Erträgnisaufstellung oder die Abschlussgebühr für einen Bausparvertrag dazu.

Aktionäre, die eine Hauptversammlung ihrer Aktiengesellschaft besucht haben, können Reisekosten wie die Ausgaben für Fahrt, Verpflegung und Hotel abrechnen. Wichtig ist nur, dass ihre Aufwendungen in einem angemessenen Verhältnis zur ­Dividendenausschüttung stehen. Außerdem muss die Geldanlage über die Jahre schwarze Zahlen bringen.

Anleger sollten auch Porto- und Telefonkosten für Korrespondenz mit Banken und Anlageberatern, Teilnahmegebühren für Anlegerseminare sowie Kosten für anlegerbezogene Fachliteratur akribisch fürs Finanzamt auflisten.

Macht ein Steuerberater die Einkommensteuererklärung, hakt das Finanzamt den Teil seines Honorars als Werbungskosten ab, der für die Ermittlung der Kapitalerträge anfällt. Dafür muss der Fachmann seinem Kunden eine detaillierte Abrechnung erstellen, weil das Finanzamt den privaten Teil der Steuerberatungskosten seit dem 1. Januar 2006 nicht mehr anerkennt.

Nicht dem Finanzamt verschweigen

Familie Fricke kann sich den Nachweis der Werbungskosten sparen. Weil die Eltern Geld auf ihre Kinder übertragen haben, liegen ihre Sparzinsen auch im nächsten Jahr unter der steuerpflichtigen Grenze. Sie bekommen alles von der Bank steuerfrei ausgezahlt und brauchen deshalb in der Steuererklärung gar nichts anzugeben.

Wer jedoch über die Grenze kommt und vergisst, seine Freistellungsaufträge zu ­ändern, gerät automatisch ins Fahndungsraster der Finanzbehörde. Sie registriert sämtliche steuerfreie Auszahlungen, weil die Banken dem Bundeszentralamt für Steuern in Bonn melden, wie viel sie ihren Kunden im Rahmen ihres Freistellungsauftrags steuerfrei auszahlen.

Überzieher erhalten prompt Post von ihrem Finanzamt. Sie werden aufgefordert, sofort ihre Freistellungsaufträge anzupassen und sämtliche Bankunterlagen über ihr Sparvermögen einzureichen.

Können sie belegen, dass ihre Kapitalerträge unter den steuerfreien Höchstbeträgen geblieben sind, passiert nichts weiter. Ansonsten drohen ihnen Steuernachzahlungen oder auch Geldbußen.

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