Sparen mit sicheren Zinsen Test

Zuschlagen! Ein Tages- oder Festgeldkonto bringt mehr Zinsen als Omas Sparbuch.

Niemand muss mickrige Sparbuchzinsen akzeptieren. Wer Geld für kurze Zeit zinsgünstig anlegen möchte, packt das Ersparte besser auf ein Tages- oder Festgeldkonto.

Michael Vogel ist ein Sparbuchtyp. „Mein Geld soll absolut sicher auf der Bank liegen“, sagt er. Vogel steht für all die Menschen, die Aktien oder Fonds für Schnickschnack halten. Der Wirtschaftsteil seiner Zeitung wandert sofort in den Müll. Aber als ihm seine Bank die Sparbuchzinsen gutschrieb, stutzte er doch. Aus dem Ersparten in Höhe von 10 000 Euro waren nach einem Jahr gerade mal 10 075 Euro geworden. War da nicht mal was mit Zinsen?

Michael Vogel hat nach einem Jahr also nur ein Plus von 75 Euro gemacht. Sein Sparbuch wird jährlich nur mit 0,75 Prozent verzinst. Die Preise für den Lebensunterhalt stiegen 2003 aber um rund 1 Prozent. Michael Vogel kann mit den 10 075 Euro Anfang 2004 also weniger kaufen als mit den 10 000 Euro Anfang 2003. Das ist wirklich kein Grund zum Jubeln.

Eine Kreuzfahrt in die Antarktis. Das ist Michael Vogels Traum. Anfang 2005 soll der Traum wahr werden. Bis zur Reise will er das Geld für das Jahr 2004 möglichst zinsgünstig anlegen.

Auch als sicherheitsorientierter Sparer muss sich Vogel nicht mit den mickrigen Sparbuchzinsen unter 1 Prozent abfinden. Ohne Risiko und ohne viel Aufwand kann er deutlich mehr einstreichen. Michael Vogel könnte das Geld als Tages- oder Festgeld anlegen. Beide Sparformen richten sich an Menschen wie Vogel, die ihr Geld für einen überschaubaren Zeitraum absolut ­sicher anlegen wollen.

Festgeld: Anlage mit festen Zinsen

Einmalanlagen, die für einen vereinbarten Zeitraum fest verzinst werden, heißen Festgeld. Meistens müssen Sparer mindestens 5 000 Euro auf das Festgeldkonto legen, um in den Genuss der festen Zinsen zu kommen. Das zeigt die Tabelle der 20 attraktivsten Festzinsanlagen für ein Jahr.

Würde Michael Vogel zum derzeit besten Angebot greifen und die 10 075 Euro bei der VakifBank zum Zins von 3,75 Prozent für ein Jahr fest anlegen, dann stünden ihm für seinen Urlaub rund 10 453 Euro zur Verfügung.

Brauchte er allerdings unerwartet das Geld schon Mitte 2004, käme er nicht dran. Bei Festgeld ist es nicht möglich, während des Anlagezeitraums Geld abzuheben oder zusätzlich einzuzahlen. Wer trotzdem vorher an das Geld will, muss einen Kredit aufnehmen oder der Bank saftige Strafzinsen zahlen.

Die Tabelle zeigt nur die Festzinsangebote für ein Jahr. Festgeld kann man auch für 30, 90 oder 180 Tage, vereinzelt auch für mehrere Jahre anlegen. Finanztest veröffentlicht jeden Monat gute Zinsangebote für Laufzeiten unter einem Jahr (siehe „Tipps“). Grundsätzlich gilt: Je länger Sparer Geld fest anlegen, desto mehr Zinsen sind ihnen garantiert.

In den Finanztest-Tabellen werden nur Banken berücksichtigt, die ihre günstigen Zinskonditionen überregional anbieten. Deshalb lohnt sich noch eine Nachfrage bei der örtlichen Volksbank oder Sparkasse.

Banken, die eine Mindestanlagesumme von mehr als 5 000 Euro verlangen, erscheinen nicht in unseren Listen. Und wer sein Angebot an Bedingungen knüpft, kommt auch nicht hinein. Teilweise verlangen Banken, dass Sparer zusätzlich ein Wertpapierdepot eröffnen oder Kontoführungsgebühren zahlen.

Flexibler mit Tagesgeld

Michael Vogels Auto schwächelt seit einiger Zeit. Es könnte also durchaus sein, dass er im Laufe des Jahres das Gesparte braucht. An das Festgeld käme er nicht ran. Deswegen überlegt Vogel, ob ein Tagesgeldkonto für ihn nicht besser geeignet wäre. Dort ist das Geld wie auf einem Girokonto ständig verfügbar.

Einziger Unterschied: Wenn der Kunde vom Tagesgeldkonto Geld abheben möchte, muss er sich dieses auf ein vorher schriftlich festgelegtes „Referenzkonto“ überweisen. Michael Vogel kann eine Autoreparatur also nicht direkt vom Tagesgeldkonto bezahlen. Er müsste sich erst Geld vom Tagesgeldkonto auf sein Girokonto überweisen.

Finanztest untersucht jeden Monat die Angebote für Tagesgeld (siehe „Tipps“). Die CC-Bank führt die Zinsliga zurzeit mit einer Rendite von 3,14 Prozent (Nominalzins 3,1 Prozent) an. Die meisten anderen Anbieter liegen zwischen 2 und 2,75 Prozent.

Ob die CC-Bank in Zukunft auch zu den „beständig Guten“ gehört, lässt sich noch nicht sagen. Sie bietet den Topzins erst seit ein paar Monaten an.

Die lukrativsten Tagesgeldangebote stammen von Direktbanken. Bei den meisten Anbietern können Anleger ihre Konten sowohl online als auch telefonisch führen.

Tagesgeldzinsen verändern sich

Nutzt Michael Vogel tatsächlich das Tagesgeldangebot der CC-Bank, dann stünden ihm für den Urlaub am Ende des Jahres 10 391 Euro zur Verfügung.

Doch diese Summe bekommt er nur, wenn sich der Tagesgeldzins 2004 nicht ändert. Und hier liegt genau das Problem: Der Zinssatz für Tagesgeld kann sich täglich ändern, insbesondere wenn eine Bank Topkonditionen bietet. Selten gibt es ein Angebot, das über ein ganzes Jahr unverändert bleibt.

Die Banken passen die Zinsen für ­Tagesgeld nämlich dem Marktzins an. Sollten die Marktzinsen im Jahr 2004 fallen, dann wird wohl auch der Zinssatz für das Tagesgeld sinken.

Michael Vogel will von der Entwicklung der Zinsen eigentlich gar nichts wissen. Er sichert sich den festen Zins von 3,75 Prozent. Wenn er zwischendurch für sein Auto doch Geld braucht, wird es ihm eben seine Schwester leihen.

In Ruhe kann Michael Vogel nun den Urlaub planen: 10 453 Euro sind für ihn eine gute Grundlage.

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