Wer viel Zeit hat, spart am besten mit Aktien-ETF. Auch Fest­geld eignet sich als Geld­anlage für den Nach­wuchs.

Kinder freuen sich über Spielsachen viel mehr als über Geld. Zumindest, solange sie klein sind. Später sind Geld­geschenke klarer Favorit, vor allem, wenn es darum geht, größere Pläne in die Tat umzu­setzen: den Führer­schein, das erste Auto, einen Sprach­auf­enthalt im Ausland oder das Studium.

Viele Eltern, Groß­eltern, Tanten und Onkel haben solche Vorhaben schon früh­zeitig im Blick, wenn sie über Geld­anlagen für Kinder nach­denken. Für andere steht die Absicherung im Vordergrund. Sollte den Eltern etwas passieren, dann darf zumindest die Ausbildung der Kinder nicht gefährdet sein. Wieder andere lacht die Steu­ersparidee an. Schließ­lich hat jedes Kind seinen eigenen Sparerfrei­betrag.

Doch welche Anlageform ist die beste? Gibt es für Kinder die gleichen Angebote wie für Erwachsene?

Unser Rat

ETF. Wenn Sie für Kinder sparen wollen und eine längere Lauf­zeit im Blick haben, wählen Sie Aktienfonds. Wir empfehlen ETF, börsen­gehandelte Fonds, auf einen welt­weiten Index (Aktienfonds für Kinder). Fürs ETF-Sparen benötigen Sie ein Wertpapierdepot(siehe auch PDF Tabelle S. 57).

Zins­sparen. Wollen Sie jegliches Risiko meiden oder weniger als zehn Jahre lang sparen, eignet sich Festgeld (PDF Tabelle S. 58). Für kleinere Beträge und den Inhalt der Spar­schweine der Kinder kommen Jugendgirokonten infrage (PDF Tabelle S. 59).

Versicherung. Schließen Sie zum Sparen keine Versicherung ab: zu teuer. Zur Absicherung, falls Ihnen als Eltern etwas zustößt, wählen Sie eine Risiko­lebens­versicherung.

Hinweis: Im PDF zu diesem Finanztest-Artikel finden Sie Tabellen mit Stand August/September 2019. Die verlinkten Tests können im Einzel­fall einen aktuel­leren Stand haben.

Im Test: Kinder­konten und -depots

Finanztest hat Sparpläne mit Aktienfonds sowie Fest­geld und Giro­konten mit Guthaben­verzinsung untersucht. Der Test umfasst Konten und Depots, die auf den Namen des Kindes abge­schlossen werden können.

Aktienfonds bieten die besten Rendite­chancen, bergen allerdings auch die höchsten Risiken. Um die Schwankungen über­schaubar zu halten, eignen sich ETF, börsen­gehandelte Fonds, die einen breit streuenden Aktien­index abbilden. ETF sind günstig und pflegeleicht. Einmal gekauft, können Anleger sie einfach laufen lassen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt Zins­anlagen. Infrage kommen Festgeld (PDF Tabelle S. 58) und Jugendgirokonten (PDF Tabelle S. 59). Auch ein Mix aus ETF und Zins­anlagen kommt in Betracht – etwa nach dem Vorbild des Pantoffel-Portfolios. Das ist ein Anlage­konzept von Finanztest für Anleger unterschiedlichen Risiko­typs.

Auf wen das Konto lauten soll

Am Anfang steht die Frage, auf wen das Konto oder der Sparplan lauten soll. Auf den Namen des Kindes? Oder auf den eigenen Namen? Beides hat Vor- und Nachteile.

Lautet das Konto auf das Kind, sind eigene Geld­anlagen und die Erspar­nisse für den Nach­wuchs strikt voneinander getrennt. Das erleichtert den Über­blick, vor allem auch bei mehreren Kindern, und es lässt sich auch steuerlich auseinander­halten.

Wer auf eigenen Namen sparen will, vermeidet den vergleichs­weise aufwendigen Kontoeröffnungsprozess und hat in einigen Fällen auch die größere Auswahl an Spar­angeboten. Bei Fest­geld zum Beispiel gibt es für Erwachsene bessere Zins­schnäpp­chen als für Kinder.

Wer selbst spart, muss aber auch die Kapital­einkünfte selbst versteuern und belastet somit den eigenen Sparerfrei­betrag. Bei ETF fallen Kapital­einkünfte nicht nur jähr­lich an, wie das etwa bei Fest­geld der Fall ist, sondern vor allem zum Schluss, sollten die Fonds­anteile verkauft werden.

Fonds­anteile flexibel einsetzen

Ein Verkauf, etwa zum 18. Geburts­tag, ist aber gar nicht unbe­dingt nötig. Wird das Kind voll­jährig, braucht es das Geld möglicher­weise erst einmal noch nicht oder höchs­tens einen Teil davon. Befindet sich der Aktienmarkt in der Krise, ist es ohnehin besser, die Fonds ein wenig weiterlaufen zu lassen. Denk­bar ist auch, über die ETF-Anteile in Raten zu verfügen, beispiels­weise per monatlicher Entnahme zur Finanzierung des Studiums.

Auf eine gute Streuung achten

Wichtig für Eltern und Groß­eltern, die sich für das Aktiensparen entscheiden: Der Sparplan sollte mindestens zehn Jahre laufen, um die unver­meidlichen Kurs­schwankungen und Crashs aussitzen zu können.

Dass sich Aktiensparen trotz Krisen lohnen kann, zeigen die vergangenen 20 Jahre: Trotz Finanz­krise, Eurokrise und Platzen der Dotcom-Blase zu Zeiten des Neuen Marktes hätten Anleger mit Fonds­sparplänen im Schnitt rund 7 Prozent pro Jahr Plus machen können.

Wichtig ist auch die Wahl der passenden Fonds. Wir empfehlen ETF, die einen breit gefassten Index abbilden, etwa den MSCI World mit 1 600 Aktien aus 23 Industrieländern. Noch breiter aufgestellt sind der Index MSCI All Country World und der FTSE All World, die beide außer Industrie- auch Schwellenländer­aktien enthalten (Aktienfonds für Kinder). Auch nach­haltiges Sparen mit Welt-ETF ist möglich.

Die Risi­kostufe muss passen

Wer ein Depot für Kinder eröffnet, muss bei der Konto­eröff­nungs­prozedur darauf achten, dass er die richtige Risiko­einstufung erwischt, damit er einen solchen Aktienfonds über­haupt kaufen kann.

Banken fragen Anleger nach ihren Kennt­nissen und Erfahrungen mit Wert­papieren. Wer bisher nur risikoärmere Misch­fonds gekauft hat, wird darauf hingewiesen, dass der ausgewählte Welt-ETF ein höheres Risiko hat. Selbst wer zum Aktien-ETF aus Absicherungs­gründen noch ein Fest­geld dazu­legt, braucht eine höhere Risi­kostufe. Beides wird getrennt betrachtet.

Lange Lauf­zeiten sind bei Anlagen für Kinder typisch. Insofern passen Aktien gut. ETF-Sparpläne sind außerdem sehr flexibel. Die sparenden Eltern oder Groß­eltern können die monatlichen Raten jeder­zeit erhöhen, verringern oder ganz aussetzen. Auch einmalige Zuzah­lungen sind möglich.

Versicherungen sind zu teuer

Ausbildungs­versicherungen sind in der Regel weit weniger flexibel. Warum wir sie nicht empfehlen, hat aber noch einen anderen Grund: die hohen Kosten. Ausbildungs­versicherungen sind umso teurer, je älter derjenige ist, der sie abschließt. Gerade Groß­eltern tun sich und dem Kind mit einer Versicherung keinen Gefallen. Nach Abzug der Kosten kommt kaum etwas heraus.

Eltern, die ihr Kind absichern wollen, falls ihnen etwas passiert, trennen besser Risiko­schutz und Geld­anlage und schließen für den Todes­fall eine Risikolebensversicherung ab.

Das Geld ist weg

Eines ist klar: Geld, das auf einem Konto oder in einem Depot liegt, das auf den Namen des Kindes lautet, gehört dem Kind. Das sollten Eltern über­legen, die es ausnutzen wollen, dass Kinder eigene und höhere Steuerfrei­beträge haben (Sparen auf den Namen des Kindes). Eltern dürfen das Ersparte nicht einfach wieder abheben. Tun sie es doch, müssen sie die Steuern nach­träglich zahlen.

Auch für Groß­eltern, Tanten und Onkel gilt: Wenn sie Geld auf den Namen der Kinder sparen, dann ist es weg. Sie können es sich nicht mehr einfach zurück­holen. Sobald die Kinder voll­jährig werden, können diese mit dem kleinen, angesparten Vermögen machen, was sie wollen: den Führer­schein finanzieren genauso wie es einfach verjubeln. Wer in diesem Punkt Bedenken hegt, dem bleibt nichts anderes übrig, als das Geld auf den eigenen Namen anzu­legen.

Weitere Informationen finden Sie unter Fonds und ETF im Test.

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