Sparanlagen. Manche Wohnungsgenossen­schaften bieten Sparern deutlich bessere Zinsen als Banken. Sicherheit geben ihre Immobilien.

Drei Prozent Zinsen pro Jahr bietet die Wohnungsgenossenschaft Magdeburg (MWG) für zweijähriges Festgeld, 2,5 Prozent gewährt sie für ein Sparkonto. Auch die Chemnitzer Siedlungsgemein­schaft (CSg) und die Genossenschaft für Wohnungsbau Karlsruhe (GWK 1921) zahlen für ihre Sparkonten 2,5 Prozent. Das ist in der aktuellen Zinslandschaft spitze. Finanztest hat Zinsangebote von 31 Wohnungsgenossenschaften untersucht. Die Rendite kann sich sehen lassen, die Sicherheit ebenfalls.

Risiken sind überschaubar

Sparanlagen Test

Anleger bekommen gute Zinsen, die Genossenschaften Geld für Investitionen: Die Geno50-Vorstände Ralf Gerke (links) und Uwe Ricke-Alder vor einer frischrenovierten Wohnanlage der Wiesbadener Genossenschaft.

Auf den ersten Blick wirkt das Sicherheitsnetz der Wohnungsgenossenschaften bescheiden. Es gibt weder eine gesetzliche Einlagensicherung noch eine Garantiezusage von höchster Stelle. Einzig der Selbsthilfe­fonds des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) wäre zur Stelle, wenn eine Genossenschaft Pleite ginge. Der Fonds wurde 1974 gegründet, eine Pleite gab es seither nicht.

Die Garantiesysteme deutscher Banken sind besser aufgestellt. Für einheimische Privatbanken gibt es neben dem verbandseigenen Sicherungsfonds die gesetzliche Einlagensicherung in Höhe von 50 000 Euro pro Konto und die Garantie der Bundesregierung, für das Spargeld geradezustehen. Ebenso gut sind Ersparnisse bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken abgesichert.

Doch obwohl die Wohnungsgenossenschaften nicht so umfassende Sicherungen haben, sieht Finanztest keine großen Risiken für Anleger. Die Genossenschaften dürfen das Geld der Anleger nur zweckgebunden zur Finanzierung des eigenen Wohnungsbestands einsetzen. Kredite an Dritte und Spekulation sind damit ausgeschlossen. Als Folge dieser Beschränkung nehmen Wohnungsgenossenschaften von Anlegern nicht beliebig viel Geld an. Vereinzelt können sie sogar einen Stopp verordnen, wenn sie im Moment kein Geld brauchen.

Die große Sicherheit der Genossenschaften ist ihr Immobilienbestand. Er macht den größten Teil der Bilanzsumme aus. Die sogenannte Eigenkapitalquote, ein Maß für die finanzielle Stärke eines Unternehmens, ist üblicherweise doppelt bis dreimal so hoch wie bei Privatbanken. Die im Verband GdW zusammengeschlossenen Genossenschaften mit Spareinrich­tung gelten als solide. Ihre Jahresabschlüsse werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert.

Dennoch sollten sich Anleger den Geschäftsbetrieb einer Genossenschaft anschauen, ehe sie ihr Geld anvertrauen. Wer selbst in einer Wohnung der Genossenschaft lebt, kann sich leicht ein Bild von der Qua­lität des Wohnungsbestands und der Verwaltung machen. Wenn eine Genossenschaft mit hohem Leerstand, schlecht sanierten Bauten oder sehr unattraktiven Wohnlagen zu kämpfen hat, ist Vorsicht angebracht. Auf jeden Fall sollten sich Interessenten auch den jüngsten Geschäftsbericht ansehen. Die Passagen zur Ertragslage und möglichen Risiken sind in der Regel für Laien verständlich.

Spareinrichtung noch die Ausnahme

Von rund 2 000 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland haben bisher nicht einmal 50 eine Spareinrichtung. Es kommen aber ständig neue Anbieter dazu. Für die Genossenschaften ist die zusätz­liche Möglichkeit der Geldbeschaffung sehr reizvoll. Die Zinsen, die sie Anlegern zahlen, sind deutlich niedriger als die Zinsen, die für Bankkredite anfallen würden. Das macht die Finanzierung neuer Projekte günstiger. Aber auch die Sparer profitieren von den Angeboten, die im Direktvergleich zu den meisten Bankprodukten sehr attraktive Zinsen bieten. Bevor sie Sparprodukte anbieten können, brauchen die Genossenschaften eine Zulassung durch die Aufsichtsbehörde Bafin. Sie dürfen dann Einlagen annehmen, nicht aber Girokonten oder Kredite anbieten.

Erst beitreten, dann sparen

Auch Interessenten, die keine Wohnung bei einer Genossenschaft mieten wollen, können ihre Sparangebote nutzen. Sie müssen der Genossenschaft aber zuerst beitreten, indem sie Pflichtanteile kaufen. Das Geld ­dafür bekommen sie zurück, wenn sie irgendwann wieder austreten. Auch Verwandte von Mitgliedern dürfen bei vielen Genossenschaften Geld anlegen. Sie müssen nicht selbst beitreten. Neben den Pflichtanteilen verlangen einige Genossenschaften von Neumitgliedern eine Art Aufnahmegebühr. Dieses Geld bekommen Sparer nicht mehr zurück.

Bei der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Einheit Erfurt und der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft (PWG) 1956 ist die Aufnahmegebühr mit 50 Euro recht üppig. Andere verlangen gar keinen „Eintritt“.

Auch bei den Pflichtanteilen gibt es große Unterschiede. Die „Frohe Zukunft“ Halle und die Wohnungsgenossenschaft Magdeburg nehmen Neukunden schon ab 20 Euro auf, eine Gebühr müssen sie auch nicht zahlen. Beim Spar- und Bauverein (SBV) Solingen beträgt die Mindesteinlage dagegen 1 000 Euro. Da es für diese vergleichsweise hohe Summe eine jährliche Dividende von 4 Prozent gibt, ist sie für renditehungrige Anleger jedoch eher ein zusätzlicher Anreiz als eine Hürde.

Aufmerksamkeit verdient eine Klausel für schlechte Zeiten bei 12 der 31 Wohnungsgenossenschaften im Test: Falls diese Genossenschaften in Insolvenz gehen, müssen Mitglieder Geld nachschießen (siehe Fußnote 6 in der Tabelle: Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung) – meist in Höhe der Pflichtbeteiligung. Waren Anteile für 100 Euro Pflicht, müsste der Anleger bis zu 100 Euro nachzahlen. Bei einigen Genossenschaften bezieht sich die Nachschusspflicht sogar auf freiwillig zugekaufte Anteile. Anleger sollten die Bedingungen in der Satzung nachlesen.

Es ist zwar noch nie vorgekommen, dass Anleger auf diese Weise nachzahlen mussten, aber sie sollten das Risiko kennen. Schlimmstenfalls könnte dieses Geld verlorengehen.

Fast immer attraktive Zinsen

Manche Genossenschaften decken fast das ganze Spektrum an Zinsangeboten ab – vom Sparbuch bis zum langlaufenden Ratensparvertrag . Nur Tagesgeld und Festgeld mit sehr kurzer Laufzeit sucht man vergebens.

In der Tabelle: Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung stellen wir Sparkonten sowie mehrjährige Anlagen ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten vor. In der Tabelle: Einmalanlagen mit vorzeitiger Ausstiegsmöglichkeit präsentieren wir die Angebote mit einer ­festen Zinstreppe. Sie sind ähnlich konstruiert wie Bundesschatzbriefe und Sparer können sie nach einer Sperrfrist vorzeitig zurückgeben.

Die Renditen sind für fast alle Zinsangebote gut. 2 bis 2,5 Prozent auf ein normales Sparbuch bietet außerhalb der Genossenschaften zurzeit kaum jemand. Auch die meist als „Wachstumssparen“ bezeichneten Schatzbriefalternativen bringen häufig 1 bis 1,5 Prozent höhere Renditen als die Bundesschatzbriefe selbst. Ähnliches gilt für mehrjährige Festzinsanlagen.

Finanztest hat auch die Konditionen für Ratensparpläne erfragt und dabei Verträge entdeckt, die sehr attraktiv erscheinen. Dennoch können wir sie nicht guten Gewissens empfehlen. Meist fehlen verbindliche Klauseln zur Zinsanpassung. Das ist mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (siehe Text: Unsichere Zinszukunft) nicht vereinbar.

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