Sparanlagen Meldung

Beim Balzen um die Gunst der Sparer tragen Banken dick auf.

Mit raffinierten Tricks locken Banken und Sparkassen Sparer in schlecht verzinste Geldanlagen.

Mal sind es Zins und Zinseszinsen, mal attraktive Prämien, Boni oder Wertzuwächse, manchmal ist es einfach nur der „Sparerfolg“: Banken benutzen viele Worte für die Erträge, die sie ihren Kunden auf die Spar-Euros zahlen. Doch Anleger sollten sich nicht von der Verpackung blenden lassen. Unter den Fittichen von Werbetextern und Produktdesignern verwandeln sich auch mäßig verzinste Sparanlagen in scheinbar hochrentable Angebote.

Der Trick mit dem Bonus

Besonders toll treiben Banken das Verwirrspiel bei Sparplänen mit monatlichen Raten. Mit immer neuen Mischungen aus einer Grundverzinsung mit Bonus- und Prämiensystemen machen sie einen Vergleich fast unmöglich.

Das Grundrezept ist immer das gleiche: Man nehme einen hohen Bonus und zahle ihn auf eine im Verhältnis zum Sparkapital geringe Summe. Schon kann die Bank bei minimalem Aufwand mit maximalen Prozenten klotzen.

„Kräftig Zinsboni sammeln“ können zum Beispiel Kunden der Raiffei­senbank München. Der „Zielsparplan 1Plus“ startet mit einer Grundverzinsung von 1,75 Prozent* und einem Bonus von 1 Prozent auf die Jahressparleistung. Bis zum zehnten Jahr steigt der Bonus jährlich um einen weiteren Prozentpunkt bis auf 10 Prozent. Ab dem elften Jahr gibt es jährlich sogar 50 Prozent auf die Sparraten extra.

Das klingt toll. In Wahrheit sind die Renditen mickrig. Denn die jährlichen Sparraten machen mit jedem Laufzeitjahr einen geringeren Anteil am Gesamtkapital aus. Sparer, die zum Beispiel zwölf Jahre durchhalten, erzielen unterm Strich nur eine Rendite von 3,59 Prozent pro Jahr.

Der jährlich steigende Bonus suggeriert zudem, dass der Sparer eine umso höhere Rendite erzielt, je länger er spart. Bis zum zehnten Jahr ist das Gegenteil der Fall: Die Rendite sinkt von Jahr zu Jahr, und zwar von 3,62 Prozent bei ­einem Jahr Laufzeit auf kümmerliche 2,76 Prozent bei zehnjähriger Laufzeit. Auf diesen Unsinn muss der Kunde erst einmal kommen.

Hohe Boni und niedrige Renditen sind eher die Regel als die Ausnahme. So verspricht die Berliner Bank beim „Wachstumssparen“ neben 2,5 Prozent Zinsen einen bis auf 90 Prozent steigenden Bonus. Den Höchstbonus gibt es aber nur auf die Sparraten des 25. Jahres, die dann nur 2 Prozent des Guthabens ausmachen. Der vermeintliche Superbonus erhöht die Sparrendite daher nur von 3,92 auf 4,07 Prozent.

Wie man selbst die kläglichsten Renditen hübsch verpackt, zeigt die Sparkasse Bremen. Beim „Prämiensparen flexibel“ erhalten Anleger einen von der Höhe des Guthabens abhängigen Grundzins von 1,25 bis 2,50 Prozent. Dazu kommt bereits im ersten Jahr eine satte Prämie von 10 Prozent, die bis zum siebten Jahr auf 50 Prozent und bis zum zehnten Jahr auf 65 Prozent klettert.

Die üppigen Prämien gibt es aber nur auf die karge jährliche Zinsgutschrift. Die Folge: Sparer, die beispielsweise 25 Euro pro Monat sparen, kommen nach sieben Jahren trotz zweistelliger Prämien auf eine Niedrigstrendite von 1,75 Prozent. „Hohe Zinsen und attraktive Prämien“ heißt das in der Werbung der Bremer Sparkasse.

Wertzuwachs statt Rendite

Ein alter, bei Banken beliebter Trick ist die Werbung mit der „durchschnittlichen Wertsteigerung“. Damit lässt sich die Rendite von Einmalanlagen mit Zinsansammlung verschleiern.

Dazu ein Beispiel: Ein zweijähriger Sparbrief in Höhe von 100 Euro wird mit 5 Prozent verzinst. Nach einem Jahr beträgt das Kapital inklusive Zinsen 105 Euro. Dazu kommen im zweiten Jahr 5 Prozent Zinsen auf 105 Euro, also 5,25 Euro. Am Ende der Laufzeit erhält der Sparer 110,25 Euro.

Die Rendite entspricht in diesem einfachen Fall dem Zinssatz von 5 Prozent. Die „durchschnittliche jährliche Wertsteigerung“ liegt jedoch mit 5,125 Prozent (10,25 : 2) höher. Denn sie berücksichtigt nicht, dass sich auch das effektiv eingesetzte Kapital jedes Jahr um die Zinsen erhöht. Die durchschnittliche Wertsteigerung täuscht daher einen höheren Ertrag vor, als die Anlage tatsächlich abwirft. Je länger die Laufzeit, desto größer wird der Abstand zur Rendite.

Diesen Effekt machen sich viele Banken zunutze. Die Allbank beispielsweise bietet für eine Einmalanlage einen von 3,0 Prozent im ersten Jahr auf 6,0 Prozent im fünften Jahr steigenden Zinssatz an („OptiZins“). Die Bank nennt dafür – fett gedruckt – einen „durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs“ von 4,74 Prozent. Die Rendite gibt die Bank nicht an. Sie liegt mit 4,35 Prozent deutlich niedriger.

Die Sparkasse Herdecke wirbt im Internet für das „S-Zertifikat-Classic“ unter der Überschrift „Effektiv Zins“ mit einem „Wertzuwachs“ von 4,27 Prozent bei sechsjähriger Laufzeit. Wäre das wirklich der Effektivzins, müsste die Bank ihren Kunden auf einen Anlagebetrag von 10 000 Euro nach sechs Jahren 2 852 Euro Zinsen zahlen. Sie zahlt aber nur 2 562 Euro. Die Rendite beträgt 3,87 Prozent.

Eine Variante dieses Tricks benutzt die Aachener Bausparkasse: Auf ein „Fest­geld“ von 50 000 Euro zahlt sie bei fünf Jahren Laufzeit angeblich einen jährlichen Zinssatz von 4,70 Prozent. Doch die Zinsen schreibt die Kasse ohne Zinseszinsen erst am Ende der Laufzeit gut. Die Rendite liegt deshalb mit 4,31 Prozent beträchtlich niedriger.

Zins unerreichbar

Mitunter werben Banken auch mit Fantasiezinssätzen, die der Kunde nie erreichen kann. „Bis zu 4 Prozent“ verspricht die American Express Bank Kunden, die Geld auf dem Tagesgeldkonto „DailyCash“ anlegen. Dafür muss der Kunde jedoch mindestens 100 000 Euro anlegen. Und selbst dann hat er keine Chance, wirklich 4 Prozent auf sein angelegtes Geld zu erhalten. Den Spitzenzinssatz gibt es nämlich nur auf den Anlagebetrag, der 100 000 Euro übersteigt.

Der darunter liegende Sockel wird schlechter verzinst. Für Guthabenanteile bis zu 15 000 Euro gibt es nur 2,0 Prozent. Auf Guthaben zwischen 15 000 und 30 000 Euro gibt es 2,75 Prozent, zwischen 30 000 und 100 000 Euro zahlt die Bank 3,0 Prozent Zinsen. Wer 100 000 Euro anlegt, bekommt daher tatsächlich nur 2,81 Prozent Zinsen.

Mit dem gleichen Trick arbeitet auch die Wüstenrot Bank. Als Zinssätze für ihr „TOPGeldkonto“ nennt sie „unter 500 Euro 0,00%“ und „ab 500 Euro 2,75%“. Das bedeutet nicht etwa, dass der Anleger ab einer Einlage von 500 Euro 2,75 Prozent Zinsen erhält, wie die Bank auf Nachfrage einräumt. Die ersten 500 Euro bleiben unabhängig vom Anlagebetrag unverzinst. Wer 1 000 Euro anlegt, bekommt deshalb nur TOP-Zinsen von 1,375 Prozent.

Bei Krediten sind Banken verpflichtet, den Effektivzins in der Werbung und im Vertrag zu nennen. Kreditnehmer können damit Angebote zuverlässig vergleichen. Den Effektivzins (die Rendite) ihrer angebotenen Geldanlagen dürfen Banken dagegen verschweigen. Und dafür haben viele Institute offenbar allen Grund.

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