Spar­angebote von Wohnungs­genossenschaften Test

Welt­kultur­erbe zum Wohnen: Die vom Architekten Bruno Taut entworfene Garten­stadt Falken­berg gehört der Berliner Bau- und Wohnungs­genossenschaft von 1892.

Wohnungs­genossenschaften zahlen oft bessere Zinsen als Banken. Sparen können zwar nur Mitglieder. Doch der Beitritt lohnt sich nicht nur für Wohnungs­suchende.

Spar­angebote von Wohnungs­genossenschaften Test

Gute Zinsen für einen guten Zweck: Bei den Wohnungs­genossenschaften aus unserem Test erhalten Sparer in der Regel deutlich höhere Zinsen als bei einheimischen Banken. Mit den besten Fest­zins­angeboten der Genossenschaften können allenfalls einige ausländische Direkt­banken konkurrieren und auch sie schaffen es nicht, eine Rendite von 2,5 Prozent für sechs Jahren Lauf­zeit zu über­treffen.

Gleich­zeitig sind die Genossenschaften eine gute Adresse für ethisch-ökologisch interes­sierte Anleger. Denn Sparer müssen nicht befürchten, dass mit ihrem Geld spekuliert wird. Das Geld fließt größ­tenteils in den Neubau und die Reno­vierung des Wohnungs­bestandes.

Viele Genossenschaften achten verstärkt auf Klima­schutz und bemühen sich in ihren Wohn­anlagen um die besonderen Bedürf­nisse von Senioren und Behinderten. Der Wohn­raum, den sie zur Verfügung stellen, ist stärker sozial und ökologisch geprägt als in bundes­deutschen Miets­häusern üblich.

Spargeld fließt in Wohnungen

Die Genossenschaften in unserem Test machen sehr attraktive Angebote, aber längst nicht jede Wohnungs­genossenschaft nimmt Spargeld entgegen. Schließ­lich liegt ihr einziger Geschäfts­zweck darin, ihren Mitgliedern bezahl­baren Wohn­raum zur Verfügung zu stellen.

Das nötige Kapital besorgen sich die Genossenschaften auf unterschiedlichen Wegen und nur selten von Privat­anlegern. Von mehr als 1 800 deutschen Wohnungs­genossenschaften besitzen nur 48 eine Spar­einrichtung. Im Jahr 2013 betrugen ihre Gesamt­einlagen etwa 2,5 Milliarden Euro – rund 10 Prozent mehr als im Jahr davor.

Zurzeit haben viele von ihnen nur wenig Interesse an frischem Spargeld. Ingeborg Esser, Haupt­geschäfts­führerin des Bundes­verbands deutscher Wohnungs- und Immobilien­unternehmen erklärt das so: „Da die Wohnungs­genossenschaften (...) Spargelder für den Neubau und die Modernisierung der eigenen Bestände einsetzen, hängt die Frage, ob zusätzliche Spar­mittel benötigt werden, eng mit ihrer Investitions­planung zusammen.“

10 von 48 Anbietern im Test

Viele Wohnungs­genossenschaften haben uns gar nicht erst die für unseren Test notwendigen Daten zu ihren Spar­angeboten geliefert – vermutlich weil sie einen Ansturm der Sparer fürchten. Wir konnten gerade einmal 10 der 48 Genossenschaften mit Spar­einrichtung prüfen. Bei den anderen können Anleger, die in der Nähe wohnen, von Zeit zu Zeit nach aktuellen Angeboten fragen.

Sparen nur für Mitglieder

In der Regel sind es die Mieter selbst, die bei ihrer Genossenschaft sparen. Doch auch andere dürfen beitreten und Geld anlegen. In der Regel lohnt sich das, obwohl sie bei einigen Genossenschaften eine Aufnahme­gebühr zahlen und bei allen „Pflicht­anteile“ erwerben müssen, Tabelle: Sparer müssen Mitglied werden.

Anders als die Gebühr gibt es das Geld für die Pflicht­anteile bei einem Austritt wieder zurück. In der Zwischen­zeit zahlt die Genossenschaft meist eine jähr­liche Dividende, so dass die Rendite für die Anteile höher sein kann als die für jede Zins­anlage.

Die Dividende ist ein will­kommenes Zubrot, doch die Anteile sind nicht mit einer Zins­anlage vergleich­bar. Schließ­lich handelt es sich um eine direkte Beteiligung, deren Rendite vom geschäftlichen Erfolg der Genossenschaft abhängt. Die Dividende könnte auch einmal ausfallen. Außerdem gibt es bei einigen Genossenschaften lange Kündigungs­fristen für die Anteile. Anleger kommen dann nicht so schnell an ihr Geld.

Fest­geld gut, Spar­buch nicht

Die untersuchten Genossenschaften bieten interes­sante Spar­produkte mit mehr­jähriger Lauf­zeit. Ihre Sparbücher mit dreimonatiger Kündigungs­frist sind dagegen nicht sehr attraktiv. Wir haben sie deshalb nicht extra dargestellt. Nur Minderjäh­rigen bieten einige Genossenschaften auch ansehnlich verzinste Sparbücher, Angebote für Minderjährige.

Sparpläne gibt es in den Varianten mit fester und varia­bler Verzinsung. Die Rendite der variabel verzinsten Pläne ändert sich, wenn die Genossenschaft den Zins ändert. Wir haben sie mit den aktuellen Basiszinsen hoch­gerechnet. Anleger sollten ab und zu kontrollieren, ob sich der Basiszins geändert hat. Drastische Absenkungen dürfte es nicht geben, denn nach einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs müssen sich Änderungen des Basiszinses an der allgemeinen Zins­entwick­lung orientieren.

Immobilien geben Sicherheit

Verglichen mit den Sicherungs­systemen bei Banken ist das Sicherungs­netz der Wohnungs­genossenschaften eher grob­maschig. Doch die Immobilien sorgen für ein hohes Maß an Sicherheit. Die Tatsache, dass die Genossenschaften keine zweck­fremden Kredite vergeben und nicht mit Einlagen spekulieren dürfen, macht die Risiken über­schaubar. Die Jahres­abschlüsse der Genossenschaften mit Spar­einrichtung werden von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht kontrolliert.

Im Falle einer Pleite springt der Selbst­hilfefonds des Bundes­verbands deutscher Wohnungs- und Immobilien­unternehmen in die Bresche. Eine staatliche Sicherung sucht man vergebens. Allerdings hat es seit der Gründung des Fonds im Jahre 1974 noch nie eine Pleite gegeben.

Vorsicht vor riskanten Angeboten

Wohnungs­genossenschaften sind nicht zu verwechseln mit ganz anderen Wohnungs­gesell­schaften, die um Kapital­anleger werben, zum Beispiel Miets­häuser-Syndikate (Special Mietshäuser Syndikat, Finanztest 2/2015) oder private Wohn­bau­unternehmen.

Viele Anleger erinnern sich an die spektakuläre Pleite des Unter­nehmens Leipzig West, das mit attraktiv verzinsten Anleihen gelockt und einen soliden Eindruck gemacht hatte. Wer in solche Finanz­produkte investiert, sollte stets das Risiko bedenken. Schlimms­tenfalls kann das einge­setzte Kapital verloren­gehen. Bei Zins­anlagen von Wohnungs­genossenschaften ist das unwahr­scheinlich.

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