Sparangebote mit Tücken Test

Die Zinsen steigen mit dem Benzinpreis, den Toren der Lieblingsfußballer oder mit dem Aktienindex. Richtig Freude machen die werbewirksamen Sparangebote trotzdem nicht.

„Sichern Sie sich Super-Zinsen! Bei steigenden Benzinpreisen“, wirbt die Volksbank Raiffeisenbank Meißen Großenhain für ihr Benzin-Sparbuch. „Ihr Geldmarktkonto mit bis zu 7 Prozent Zinsen pro Jahr“, preist die Deutsche Skatbank das Dax-Cash-Konto an. „Erst klingelt’s im Kasten und dann auf’m Konto“, versprechen zwei nordrhein-westfälische Sparda-Banken den Inhabern der „Schwarzgelben Karte“ für Borussia-Dortmund-Fans.

Sind solche Zinsversprechen ernst zu nehmen oder reine Werbegags? Finanztest hat Sparbücher und Zinsangebote der besonderen Art unter die Lupe genommen. Kaum eines kann mit guten herkömmlichen Tagesgeldkonten konkurrieren (siehe Tabelle).

Auch Neukundenangebote und alte Bekannte wie das Quartal-Sparen der Postbank lohnen sich für Anleger selten.

Kein Ersatz fürs Spritsparen

Von steigenden Spritpreisen profitieren – die Idee des Benzin-Sparbuchs, das zwei thüringische Genossenschaftsbanken anbieten, klingt durchaus einleuchtend. Der Zins ist an die Entwicklung des Benzinpreises gekoppelt, sodass die Sparbuchbesitzer bei steigenden Spritkosten stets auch mehr Zinsen erhalten.

Doch diese Rechnung geht nicht auf: Wir haben die Erträge für das Sparbuch auf Basis der tatsächlichen Superbenzin-Index-Entwicklung bis ins Jahr 2000 zurückgerechnet und kamen auf jährliche Renditen zwischen 1,2 und knapp über 2 Prozent.

Die Preiserhöhungen in dieser Zeit machten sich sehr wohl an der Zapfsäule, übers Jahr aber kaum auf dem Konto bemerkbar. Die Modellrechnung der Anbieter verschweigt, dass ein großer Preissprung beim Sprit nur einen Monat lang höhere Zinsen bringt, gleichzeitig aber das Tanken oft für lange Zeit teurer macht. Dagegen hilft letztlich doch nur, den Benzinverbrauch zu reduzieren.

Börsengewinner sehen anders aus

In guten Börsenzeiten schielen Zinsanleger oft neidisch auf die Renditen, die am Aktienmarkt erzielt werden. Daran knüpfen einige Banken an und bieten sichere Zinsprodukte, die zusätzlich von steigenden Börsenkursen profitieren sollen.

Da es Aktienrenditen ohne Risiken niemals geben kann, sind all diese Angebote letztlich Augenwischerei.

Wir haben für vier Sparprodukte mit Börsenbezug ausgerechnet, was sie Anlegern derzeit bringen würden, wenn man die Entwicklung der Aktienindizes seit der Jahrtausendwende zugrunde legt. Am besten schlug sich noch das Börsensieger-Sparkonto der Postbank.

Bei einem Anlagebetrag von 5 000 Euro kann man eine Rendite von 2,3 bis 3,1 Prozent erwarten, bei 50 000 Euro ein halbes Prozent mehr. Das ist beim derzeit niedrigen Zinsniveau ganz ordentlich. Anleger erhalten hier wöchentlich einen Bonus zwischen 0 und 5 Prozent, der von der Entwicklung dreier Aktienindizes abhängt.

Das Dax-Sparbuch aus gleichem Hause ist derzeit die schlechtere Wahl, vor allem wegen des niedrigeren Basiszinses. Mit 0,5 Prozent ist der Einstiegszins nur halb so hoch wie bei den „Börsensiegern“.

Ebenfalls nur ein halbes Prozent beträgt die Mindestverzinsung des Dax-Cash-Kontos der Deutschen Skatbank. Ein Risiko gehen Anleger damit nicht ein, denn ihr Geld ist absolut sicher und täglich verfügbar. Dass die Skatbank mit einer Rendite von bis zu 7 Prozent wirbt, ist aber unverschämt.

Diese Rendite wäre nur erreichbar, wenn der deutsche Leitindex Woche für Woche ein ganzes Jahr lang mindestens um 7 Prozent steigen würde. Ausgehend von einem Kursniveau von etwa 4 800 Anfang 2009 müsste der Dax auf über 160 000 klettern, um dafür die Voraussetzung zu schaffen.

Die Kritik gilt auch der VR-Bank Meißen Großenhain, deren Index-Cash-Konto (vormals Dax-Cash) sich kaum vom Skatbank-Angebot unterscheidet. Wegen des „Garantiezinses“ von nur 0,25 Prozent hat es sogar eine noch niedrigere Renditeerwartung. Dass die Obergrenze des Wochenzinses hier 7,5 Prozent beträgt, hätte bisher dagegen keinen Vorteil für Anleger gebracht.

Interessanterweise haben beide Konten mit der Entwicklung des deutschen Aktienmarktes kaum etwas zu tun. Egal ob der Dax, wie im Jahr 2008, um mehr als 42 Prozent einbricht oder, wie drei Jahre zuvor, um 28 Prozent zulegt – ihre Rendite hätte zwischen rund 1 und 2 Prozent gelegen.

Wer wirklich an der Entwicklung des Aktienmarktes teilhaben will, muss wohl oder übel Aktien oder Fonds kaufen und die damit verbundenen Risiken eingehen.

Kein Rendite-Champion in Sicht

Fußballfans, denen Totospielen oder Internetwetten zu riskant sind, können stattdessen mit einem Sparkonto auf den Erfolg ihres Lieblingsclubs setzen. Angebote gibt es für Bayern München, Schalke 04, Borussia Dortmund und den 1. FC Nürnberg.

So verschieden die sportlichen Perspektiven der Vereine sind, so eng liegen die zu erwartenden Renditen der Sparkonten zusammen. Deutlich über 2 Prozent sind selbst dann kaum drin, wenn die Mannschaften über sich hinauswachsen. Die Statistik lässt eher den Schluss zu, dass die Rendite darunterliegen wird.

Wir haben die Spielergebnisse der Vereine in den vergangenen zehn Jahren herangezogen, um die wahrscheinlichen Zinsen für die laufende Saison zu berechnen. Ausgerechnet mit dem Rekordmeister aus München ist am wenigsten zu verdienen.

Selbst wenn Gomez oder Robben bei Heimspielen erfolgreich auf Torejagd gehen, würden Kleinanleger mit der Bayern-Sparkarte der Hypovereinsbank nur wenig über 1 Prozent kassieren. Sogar die Meisterschale würde die Jahresrendite bei einem Anlagebetrag von 5 000 Euro nur auf knapp 1,5 Prozent hieven. Dem betuchten Bayern-Fan, der mehr als 25 000 Euro einzahlt, winkt ein halber Prozentpunkt mehr.

Etwas solidere Chancen haben Inhaber der „Schwarzgelben Karte“, die sich auf Borussia Dortmund bezieht. Das hat aber weniger mit dem Bonus zu tun, der für jedes Bundesligator gutgeschrieben wird.

Vielmehr profitiert der Sparer vom Basiszins, der mit 1 Prozent höher ist als der Einstiegszins bei den anderen Klubkarten. Dennoch müssten die BVB-Stürmer schon außergewöhnlich gut treffen, wenn mehr als 1,75 Prozent herausspringen sollen.

Nicht auf Tore, sondern auf Punkte in Heimspielen beziehen sich die Schalke 04- sowie die 1. FC Nürnberg VR-Spar-card. Große Anlageerfolge sollten sich die Fans aber auch von ihnen nicht versprechen. Selbst im äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass der 1. FC Nürnberg als Bundesliganeuling gleich den Meistertitel holt, erreicht die Rendite allenfalls das Niveau eines ordentlich verzinsten Tagesgeldkontos.

Auch Schalke 04 müsste seinen Ehrentitel „Meister der Herzen“ in eine echte Meisterschaft oder in einen DFB-Pokalsieg umwandeln, um den Sparcard-Besitzern eine akzeptable Verzinsung zu bescheren.

Reif für die Champions League ist keine der Bundesliga-Sparkarten. Eingefleischte Fans wird das vielleicht nicht stören, zumal die Karten mit zusätzlichen Preisverlosungen locken und auch ganz hübsch gestaltet sind. Alle anderen, denen die Rendite ihrer Geldanlage nicht egal ist, eröffnen stattdessen ein attraktiv verzinstes Tages- oder Festgeldkonto.

Verlässliche Verzinsung ist besser

Wer auf eine verlässliche Verzinsung Wert legt, sollte von Zinsangeboten mit Nebenbedingungen die Finger lassen. Bei keinem der untersuchten Angebote weiß der Sparer, wie viel er in einem Jahr auf dem Konto haben wird.

Das gilt auch für zeitlich befristete Zinsschnäppchen wie das Tagesgeldkonto von Cortal Consors. Neukunden der Direktbank erhalten ein halbes Jahr lang 2,5 Prozent Zinsen für maximal 20 000 Euro. Das ist gut. Danach gilt der normale Tagesgeldzins von Cortal Consors, der zurzeit bei 1,5 Prozent liegt und jederzeit geändert werden kann. Attraktiv ist das Angebot nur für Anleger, die eine neue Bank suchen und sich mit Cortal Consors anfreunden können.

Kaum noch Reiz besitzt das Quartal-Sparen der Postbank. Uneingeschränkt empfehlen konnten wir dieses seit Jahren angebotene Sparkonto noch nie. Zu vertrackt waren seit jeher seine Bedingungen, zu groß war die Gefahr, unnötig Zinsen zu verschenken.

Wer beim Quartal-Sparen mitten in einem Vierteljahresabschnitt größere Summen einzahlt oder abhebt, bekommt für dieses Geld nur den Basiszins von 0,5 Prozent. Den zusätzlichen Bonus gibt es nur für Beträge, die das ganze Quartal ununterbrochen auf dem Konto waren.

Selbst für Sparer, die auf die Fallstricke achten, ist das früher recht großzügig verzinste Angebot kaum noch interessant. Seit Beginn des Jahres hat die Postbank die Höhe der Boni so stark heruntergefahren, dass selbst bei Anlagebeträgen ab 50 000 Euro nur noch 2 Prozent Rendite zu erwarten sind. Da gibt es deutlich bessere Sparbücher, übrigens auch bei der Postbank.

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