Spanischkurse Test

Mittelmäßiger Unterricht, schlechte Lehrbücher. Trotzdem lernen Anfänger, sich mit einfachen Sätzen zu verständigen.

„En español, por favor“, mahnt Spanischlehrerin María wieder einmal und droht zum Spaß mit erhobenem Zeigefinger. Wer ihre Worte nicht versteht, dem bleibt die Geste. Deutsch ist tabu im Anfängerkurs für Spanisch – zumindest für die Teilnehmer.

Moderner Unterricht setzt aufs Sprechen in der Fremdsprache, und zwar von Anfang an. Die Kursteilnehmer sollen schnell lernen, sich zu verständigen. Das klappte bei den Anfängerkursen der drei überregionalen Sprachschulen in unserem Test auch gut. Nach zwei Monaten im Gruppenunterricht mit bis zu zwei Terminen pro Woche konnten unsere Testpersonen einfache Dinge ausdrücken, zum Beispiel nach dem Weg oder der Uhrzeit fragen oder etwas im Café bestellen. Besser als „befriedigend“ war trotzdem kein Kurs im Test, vor allem weil der Unterricht überall nur mittelmäßig war. Punktabzug gab es außerdem für die schlechten Lehrmaterialien bei inlingua („ausreichend“) und Berlitz („mangelhaft“) – keine Produkte fremder Verlage, sondern von den beiden Anbietern selbst herausgegeben. Bei Berlitz, der teuersten Sprachschule im Test, kamen noch deutliche Mängel in den Vertragsbedingungen hinzu. Dort behält sich der Anbieter zum Beispiel vor, den Unterricht in ein anderes Berlitz-Center zu verlegen. Das drückte das Urteil um eine halbe Note nach unten.

Aufmerksamer durch Abwechslung

Guter Sprachunterricht sorgt für Abwechslung. Ob Rollenspiele, Übungen in der Gruppe, mit dem Sitznachbarn oder allein – der Mix aus verschiedenen Methoden fordert die Aufmerksamkeit der Teilnehmer immer wieder aufs Neue. In den getesteten Kursen standen vor allem unterschiedliche Sprechübungen auf dem Stundenplan. Das ist zwar gut, um von Anfang an Hemmungen beim Sprechen abzubauen, ging aber auf Kosten von Hör-, Schreib- und Leseübungen. Da mangelte es an Vielfalt. Nur das Instituto Cervantes trainierte regelmäßig das Hörverstehen mit verschiedenen Aufgaben.

Auch die Grammatik kam manchmal zu kurz. Sicherheit beim Sprechen gewinnt aber nur, wer die Regeln des Spanischen beherrscht. Auch das Grammatiktraining klappte beim Instituto Cervantes am besten. Die Theorie war dort verdaulich portioniert und wurde durch wiederholte Übungen gefestigt. Exkurse in die Grammatik unternahmen die Spanischlehrer auch dann, wenn ein Teilnehmer einen grammatischen Fehler machte.

Vokabeltraining mit System? Fehlanzeige bei allen Kursen im Test. Viel zu oft wurden Vokabeln einzeln eingeführt. Besser lernt man Sprache im Zusammenhang. Das heißt: Neue Wörter sollten in Form von Wortfamilien oder im Satz vermittelt werden. So prägen sie sich besser ein.

Für viele Erwachsene ist Spanisch die zweite oder dritte Fremdsprache, die sie lernen – meist nach Englisch und Französisch. Dieses Vorwissen sollten Spanischlehrer nutzen, indem sie Wortverwandtschaften aufzeigen oder die Teilnehmer auffordern, Wortbedeutungen selbst zu erschließen. Mehrsprachigkeitsdidaktik heißt diese Methode, die beim Sprachenlernen hilft und motiviert. Die Sprachschulen im Test nutzten sie kaum.

Kulturelle Unterschiede erklären

Unter den Tisch fielen auch kulturelle Besonderheiten. Dabei gibt es viele Unterschiede zu deutschen Sitten und Gebräuchen. Und kulturelle Fehler werden nicht so leicht verziehen wie sprachliche. Besser also man weiß, dass auf der Iberischen Halbinsel im Prinzip jeder jeden duzen darf oder nach einem Restaurantbesuch mit Spaniern nicht getrennt gezahlt wird.

Der Unterricht allein reicht nicht, um Spanisch zu lernen. „Wer vorankommen will, muss außerhalb des Kurses fleißig sein“, sagte eine Testperson. „Das heißt, nicht nur Hausaufgaben erledigen.“

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