Spanisch lernen/Sprachreisen für Erwachsene Test

Wer Spanisch im Mutterland lernt, kommt schneller voran als mit einem Kurs zu Hause. Die vermittelten Reisen für Erwachsene waren meist in Ordnung, die Privatunterkünfte aber nicht.

Vokabeln lernen in der Sonne, Paella und Wassersport – das hatte unser Tester im Sinn, als er eine zweiwöchige Sprachreise nach Valencia an Spaniens Ostküste buchte. Die Privatunterkunft jedoch ernüchterte ihn: Das 6,5 Quadratmeter-Zimmer ohne Schreibtisch lag in einem Hochhaus, die Gastfamilie entpuppte sich als Gespann aus einer Mutter um die 50 mit erwachsener Tochter, die regelmäßig Zimmer an Sprachschüler vermietete. Im Wohnzimmer lief der Fernseher den ganzen Tag. Auch die Umstellung beim Essen fiel dem Mann Mitte 40 nicht leicht. „Ich hatte vegetarisch gebucht, aber den Eindruck, dass einfach nur das Fleisch weggelassen wurde“, erzählt er. Statt frischem Gemüse und Vollkornbrot gab es nun abgepackte süße Donuts und eintönige Abendessen. Zur besseren Entlüftung sollte er die WC-Tür offenstehen lassen, die späte Bettruhe der Wohnungsinhaber brachte ihn um seinen Schlaf. Sein Resümee: „Meine Privatsphäre war einfach nicht gewährleistet.“

Immer mehr Anbieter

Am Vormittag Vokabeln und Grammatik pauken, am Nachmittag mit den erworbenen Sprachkenntnissen Land und Leute kennenlernen. Sprachferien mit der verlockenden Kombination von Bildung und Erholung scheinen die angenehmste Möglichkeit, eine Sprache im Ausland zu lernen. Die Erfahrung, dass die Realität auch anders aussehen kann, machten viele unserer 27 Tester. Sie absolvierten jeweils eine zweiwöchige Sprachreise nach Spanien mit dem Ziel, die Qualität ausgewählter Angebote von neun Veranstaltern zu ermitteln. Das Programm von LAL bieten dabei nahezu identisch auch Iska und Kompass an.

Das ist eine überschaubare Auswahl, denn die Zahl der Anbieter wird bei etwa 160 000 Reisen im Jahr immer größer. Experten gehen von derzeit 150 bis 180 Veranstaltern aus. Aber „professionell“ mit Verbandsmitgliedschaft und Insolvenzversicherung sollen nur 50 Anbieter arbeiten. Hinzu kommen zahlreiche Vermittler, die ausschließlich im Internet aktiv sind.

Angebote von neun Veranstaltern

Die neun von uns ausgewählten großen Sprachreiseveranstalter haben ein breitgefächertes Angebot und sind wie gesetzlich vorgeschrieben gegen Konkursrisiko versichert. Jeder Anbieter wurde anhand von drei Sprachreisen bewertet.

Zunächst haben die Tester die Kataloge der Veranstalter angefordert und anschließend die komplette Reise gebucht. Häufig wurden sie danach gebeten, den Flug selbst zu buchen, da der Veranstalter entweder gar keine oder nur teure Flüge anbieten konnte. Gleichzeitig wiesen einige Anbieter auf die mitunter sehr hohen Transferkosten hin. Die Preise, die für die individuelle Fahrt vom Flughafen zur Unterkunft genannt wurden, waren in der Tat happig. Meist lagen sie zwischen 75 und 100 Euro. Die gleiche Strecke gab es mit dem Bus schon ab zwei Euro. Selbst die Fahrt mit dem Taxi war oft viel billiger. Teure Flüge und Transfers muss man zwar nicht buchen, es würde den Sprachreiseveranstaltern aber gut anstehen, wenn sie auch hier akzeptable Angebote machen würden.

Die Anbieter vermitteln zum großen Teil Leistungen, die sich jeder mit etwas Zeit und Organisationstalent auch selbst zusammenstellen kann. Einen Vorteil hat die Buchung beim Veranstalter aber: Es besteht der Schutz durch das deutsche Reisevertragsgesetz (BGB §§ 651a ff). Damit sind die eingezahlten Geldbeträge gesichert und Preisstabilität garantiert. Wenn zum Beispiel im Ausland etwas schiefgeht, kann der Kunde bei seinem deutschen Vertragspartner reklamieren, auch der Gerichtsstand ist in Deutschland. Wer aber seine Sprachreise selbst in die Hand nehmen möchte, muss auch selbst für seine Rechte kämpfen und notfalls im Ausland prozessieren.

Herzstück des Angebots der Sprachreiseveranstalter ist der Unterricht in der Sprachschule. 150 bis 200 Institute soll es in Spanien geben, so schätzen Insider. Die deutschen Veranstalter bieten davon aber nur rund ein Zehntel an. Am häufigsten tauchen in den Katalogen Enforex, Estudio Sampere, don Quijote und das Malaca Instituto auf. Sprachcaffe arbeitet als einziger Anbieter mit eigenen Sprachschulen, vier davon befinden sich in Spanien. GLS und carpe diem nennen die Schulen weder in den Katalogen noch im Internet, Talk & Travel äußert sich nur teilweise. So erfahren viele Kunden den Namen der Sprachschule erst, wenn sie gebucht haben. Es sind aber auch hier dieselben Institute, mit denen viele Veranstalter kooperieren.

Die Schulgebäude sind sehr unterschiedlich. Mal liegen sie im Zentrum, mal am Stadtrand. Teilweise werden eigene Häuser genutzt, teilweise ist die Schule Untermieter in größeren Gebäuden. Die Klassenräume sind meist klein und nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Bibliotheken, Internet- beziehungsweise Medienräume und Cafeterias bieten bei weitem nicht alle Schulen, manchmal fehlt sogar ein Aufenthaltsraum.

Dennoch erfüllten alle Anbieter in unserer Untersuchung einen gewissen Mindeststandard. Die Bewertung lautet durchweg „befriedigend“. Positiv hob sich das Malaca Instituto ab. Die etwas außerhalb von Malaga am Meer gelegene Schule bietet neben 25 etwas kleinen Klassenräumen ein Multimediazentrum, eine Videothek, ein Kino und sogar ein Tanzstudio. Restaurant, Café und ein eigener Pool mit mehreren Sonnenterrassen runden das Freizeitangebot dieser Schule ab.

Einstufung wird nicht besprochen

Eine komfortabel ausgestattete Schule bietet noch keine Garantie für einen Unterricht, der höheren Ansprüchen gerecht wird. Im Prüfpunkt Sprachunterricht hat der Test ebenfalls bei fast allen Veranstaltern nur mittelmäßige Ergebnisse hervorgebracht. Zwar erreichte Studiosus noch ein knappes „Gut“, der Unterschied zu Alfa, Sprachcaffe und Vamos ist aber äußerst gering.

Unsere Tester waren Einsteiger mit mehr oder weniger geringen Vorkenntnissen im Spanischen. Sie entsprachen also der Stufe A1 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen. Das Ergebnis des Einstufungstests, der immer am ersten Tag stattfindet, war kaum überraschend.

Dennoch hätten sich viele der Sprachschüler gefreut, wenn das Resultat der Einstufung mit ihnen besprochen worden wäre. Das war aber die große Ausnahme: Die Einordnung in die einzelnen Klassen erfolgte meist ohne jede Begründung. Viele Schulen nutzen die Wartezeit, in der der Einstufungstest ausgewertet wurde, für einen Stadtrundgang mit den neuen Schülern. Etwa die Hälfte der Neuankömmlinge landete in bereits bestehenden Lerngruppen. Für die anderen wurden neue Klassen gebildet. Das Lernniveau der Gruppen, meist sechs bis zwölf Erwachsene aus verschiedenen Ländern, war nicht immer einheitlich. Einige Testschüler mussten wechseln, weil sie in der zugewiesenen Klasse entweder unter- oder überfordert waren.

Undisziplinierte Langzeitschüler

In den bereits bestehenden Klassen waren viele Langzeitschüler, deren Motivation und Disziplin manchmal zu wünschen übrig ließ. Wer acht bis zwölf Wochen Sprachurlaub macht, nimmt sich schon mal ein paar Freiheiten heraus. Das stört die anderen, muss aber nicht immer nachteilig sein: Eine Testerin genoss sogar eine Woche lang Einzelunterricht, weil die anderen Frauen und Männer ständig schwänzten.

Standardkurse umfassen fast immer 20 Unterrichtsstunden pro Woche, also vier pro Tag, wobei eine Unterrichtsstunde üblicherweise 45 bis 50 Minuten dauert. Einige Schulen bieten auch die Variante 20+5 an, das heißt 20 Stunden Sprachunterricht und 5 Stunden Landeskunde. Im Cultura genannten Zusatzunterricht werden Aspekte der Geschichte Spaniens, der Kunst und Literatur sowie des täglichen Lebens beleuchtet. Einige Tester empfanden diese Stunden interessanter als den mitunter etwas eintönigen Sprachunterricht.

Frontalunterricht überwiegt

Lebendige Lehrmethoden wie Gruppenarbeit oder Rollenspiele werden nur gelegentlich eingesetzt. Bestimmend ist nach wie vor der klassische Frontalunterricht. Bedauerlich, dass die Kursteilnehmer selbst in neugebildeten Klassen selten über Ziele und Inhalte des Unterrichts informiert wurden, was die Lernmotivation bestimmt gefördert hätte. Auch der Einsatz verschiedener Medien hielt sich in Grenzen. Meistens wird stur nach dem Lehrbuch oder mit kopierten Arbeitsblättern gelernt.

In den Klassen trafen sich meist Schüler aus verschiedenen Ländern, die Mehrzahl jünger als 30 Jahre. Fast alle Veranstalter bieten spezielle Kurse für Ältere an. Sie kommen aber oft wegen mangelnder Nachfrage nicht zustande.

Die Lehrer, alle laut Anbieter mit einem akademischen Abschluss in Spanisch, kamen unterschiedlich gut bei den Sprachschülern an. Echte Ausfälle oder Problemfälle gab es aber nirgendwo. Am Ende des zweiwöchigen Kurses stuften immerhin 24 von 27 Testern ihren persönlichen Lernerfolg als gut oder sogar sehr gut ein.

Die Freizeitangebote der Schulen waren besonders in den Monaten von Januar bis März nicht sehr umfangreich. Neben der Stadtbesichtigung standen meistens eine Begrüßungsparty und Film- oder Tanzabende auf dem Programm. Außerdem Ausflüge, die extra zu bezahlen waren. Allerdings empfanden viele Teilnehmer die Preise dafür als zu hoch und organisierten die Erkundungstouren lieber selbst.

Problem Privatunterkunft

Nicht zu unterschätzen für den Erfolg einer Sprachreise ist die Unterkunft. Die Veranstalter bieten verschiedene Möglichkeiten: Hotel, Appartement – allein oder als Wohngemeinschaft –, Studentenresidenz oder Privatunterkunft. Wir haben für den Test die Privatunterkünfte gewählt, da sie die beste Möglichkeit bieten, eine fremde Kultur und Sprache unmittelbar zu erleben.

Schon bei Sprachreisen von Jugendlichen, die bei Gasteltern unterkommen, gibt es häufig Probleme. Für Erwachsene ist es meist noch schwieriger, sich einzufügen. Außerdem haben sich einige Schüler in den Privatquartieren nicht willkommen gefühlt. Viele Gastgeber leben offenbar von der Vermietung an Sprachschüler. Da diese Einnahmen nicht sehr üppig sind, versuchen manche durch übertriebene Sparsamkeit auf ihre Kosten zu kommen: Etliche Tester klagten über billiges, eintöniges Essen und darüber, dass sie ermahnt wurden, Strom oder Wasser zu sparen.

Die Zimmer erfüllten nicht immer Mindestansprüche. So hatte jeder Vierte kein ordentliches Bett. Knapp die Hälfte der Teilnehmer musste in unter zehn Quadratmeter großen Zimmern wohnen. Die Tür war meist nicht abzuschließen, und die Räume boten oft keinen Arbeitsplatz. In zwei Fällen konnte nicht einmal das Fenster geöffnet werden.

Desinteressierte Gasteltern

Auch der wichtigste Vorteil der Privatunterkunft, das Sprechen mit den Gastgebern, erwies sich häufig als schwierig. Denn Spanien ist vielsprachig. Neben Kastellanisch, das wir als Hochspanisch bezeichnen, wird unter anderem noch Katalonisch, Baskisch und Galizisch gesprochen. Außerdem waren einige Gastgeber gar nicht an Gesprächen mit ihren lernenden Gästen interessiert. In diesem Punkt versprechen die Veranstalter oft zu viel. Sie versagen oft auch bei der Vermittlung von Sonderwünschen, etwa für Allergiker, Nichtraucher oder Vegetarier. Obwohl sie ihre Wünsche den Veranstaltern bei der Buchung mitgeteilt hatten, landeten einige Teilnehmer in völlig unpassenden Familien.

Information und Buchung

Die Informationen der Veranstalter in den Katalogen und im Internet sind dagegen meist ausführlich und gut, am besten präsentierten sich Alfa, Studiosus und Dialog. Nur der Berliner Veranstalter Talk & Travel tritt hauptsächlich im Internet ein bisschen zu knapp auf. Dabei geht der Trend eindeutig zur Internetinfo. Einige Veranstalter drucken gar keine Kataloge mehr. Ihre Angebote gibt es nur noch im Web.

Fazit: Bereut hat kein Tester seine Reise, denn fürs Sprachenlernen ist der Aufenthalt im Land optimal. Viele würden jedoch keine Privatunterkunft mehr buchen. Unser Tester aus Valencia sagt: „Das nächste Mal gehe ich ins Hotel!“

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