Spaghetti Test

Leibspeise. Die langen dünnen Nudeln lassen sich herr­lich einsaugen.

Die besten Spaghetti im Test kommen nicht von Marken wie Buitoni oder Jamie Oliver, sondern von Kauf­land – und in der Voll­korn­variante von Dennree.

Selbst­verständlich war es ein Italiener. Vor gut hundert Jahren erfand Fereol Sandragne die erste komplette Nudel­produktions­anlage. Die Zeit des Handwerks, in der Teig mit Füßen gestampft wurde, ging zu Ende. Sandragne brachte die industrielle Herstellung der Hartweizennudel ins Rollen. Italienische Pasta wurde zur Massenware und zum Export­schlager.

Heute werden Nudeln hoch stan­dardisiert hergestellt. Der Teig aus Hartweizengrieß und Wasser wird von Teig­mischern bearbeitet. Später wird er unter hohem Druck durch Formen gepresst, die Matrizen. Die Nudeln hängen nicht mehr im Freien, so wie früher, sondern in speziellen Trock­nern, die die Temperatur optimal steuern können, Industrielle Herstellung.

Spago heißt Bindfaden

Spaghetti Test

Sehr unterschiedlich lang. Das traf etwa auf die Spaghetti von Jamie Oliver zu.

Sehr unterschiedlich lang. Das traf etwa auf die Spaghetti von Jamie Oliver zu.

Das gilt auch für Spaghetti, der Deutschen Lieblings­nudel. Sie sind quer durch alle Alters­gruppen die mit Abstand beliebteste Nudelform. Ihr Name geht auf das italienische Wort Spago für Bindfaden zurück.

Für Fans gibt es viele empfehlens­werte Spaghetti. Wir haben 25 geprüft: vor allem klassische aus Hartweizen sowie einige aus Voll­korn und ohne Gluten. Am Ende heißt es zehnmal: gut. Die meisten anderen schneiden befriedigend ab. Die von Strauss Inno­vation sind nur ausreichend.

Vorgaben wie ein maximaler Wasser­gehalt von 13 Prozent und höchs­tens 1 Prozent Salz halten alle Test­kandidaten ein. Die Regeln stehen in den Leitsätzen für Teigwaren.

Die beiden Sieger

Nicht fade im Geschmack, nicht trocken, nicht klebrig, möglichst frei von Schad­stoffen – so sollten Spaghetti sein. Wir ließen sie von geschulten Prüf­personen verkosten: auf Aussehen, Geruch, Geschmack und Mund­gefühl. Die Nudeln wurden al dente gekocht – also nicht ganz weich, sondern mit sehr leichtem Biss – und pur verspeist.

Zwei Produkte fielen den Kennern besonders auf: Mondo Italiano von Netto Marken-Discount und die Bio-Voll­korn­spaghetti der Marke Dennree. Beide schneiden sensorisch sehr gut ab. Die Mondo Italiano glänzen sehr, riechen aromatisch, deutlich nach Grieß und Kleie – jenem Teil, der beim Schälen des vollen Korns übrig blieb, Spaghetti, Linguine & Co: Eine kleine Warenkunde. Sie fühlen sich im Mund sehr glatt an. Testsieger bei den hellen Nudeln sind sie aber nicht geworden. Das liegt an ihrer befriedigenden Schad­stoff­note wegen eines leicht erhöhten Gehalts eines Schimmelpilzgifts.

Den ersten Platz nehmen die K-Classic-Spaghetti von Kauf­land ein. Sie schneiden in allen Prüf­punkten gut und sehr gut ab – auch bei Schad­stoffen. Sie sind sehr biss­fest und erinnern im Geschmack an Voll­korn. Hergestellt wurden sie in Italien. Am Ende sind sie es, die neben Dennree zum Spaghetti-Sieger-Duo gehören.

Warum Voll­korn­nudeln gesund sind

Die Dennree-Voll­korn­nudeln schme­cken kräftig nach Kleie. Sie sehen deutlich dunkler aus als die klassischen Hartweizen-Spaghetti, fühlen sich im Mund rauer und körniger an, schme­cken aromatisch, leicht süßlich und leicht nussig. Für viele ist der Kleie-Geschmack von Voll­korn­nudeln gewöhnungs­bedürftig. Gesund sind die dunklen allemal. Sie haben in etwa genauso viele Kalorien wie die hellen Spaghetti – um die 350 Kalorien je 100 Gramm –, aber oft mehr als doppelt so viele Ballast­stoffe, zudem mehr Mineralstoffe.

Spaghetti von Barilla auf Platz zwei

Unter den bekannten italienischen Marken­herstel­lern schafft es nur Barilla auf einen der vorderen Plätze: aber nur bei den klassischen hellen Spaghetti. Das Familien­unternehmen aus Parma steigert jähr­lich seinen Umsatz im deutschen Handel. Seine Spaghetti N.5 glänzen und schme­cken leicht nach Grieß, wie viele andere auch. Das Besondere: Sie schme­cken deutlich nach Kleie und fühlen sich sehr glatt an.

Was an Spaghetti falsch sein kann

Spaghetti Test

Luft­blasen. Wir fanden sie vor allem bei den Spaghetti von Riesa Nudeln.

Die meisten Spaghetti im Test sind Durch­schnitts­ware mit Fehlern. Trotz stan­dardisierter Produktion laufen nicht alle einwand­frei vom Band. Bei fast der Hälfte aller rohen Nudeln fanden die Prüfer Luft­blasen, ungleich lange oder gebrochene Stücke. Solche Mängel entstehen etwa, wenn sich Grieß und Wasser beim Mischen ungenügend verbinden, oder die Nudeln nicht lang­sam von innen nach außen trocknen.

Nudeln spenden viel Energie

Spaghetti liefern viele komplexe Kohlenhydrate und versorgen den Körper lange mit Energie – ideal für Ausdauer­sportler. Eine 100-Gramm-Portion deckt für 10- bis 12-Jährige und auch für Erwachsene etwa zwei Drittel der Kalorien einer Haupt­mahl­zeit ab – oben­drauf bleibt da noch Platz für eine groß­zügige Portion Bolognese, Rezept des Monats: Bolognese mit Roter Beete.

Nudeln plus Soße – als ganze Mahl­zeit mögen das vor allem wir Deutsche. In Italien wird Pasta häufig als erster Gang serviert, dem Fleisch und Co. folgen, oder als Beilage. Italiener verspeisen pro Kopf und Jahr etwa das Dreifache an Pasta wie Deutsche. Spaghetti wickeln sie nicht mithilfe eines Löffels auf die Gabel, sondern drehen sie direkt am Tellerrand ein.

Die einen fade, die anderen hart

Die meisten guten Spaghetti kommen laut Angaben auf der Verpackung aus Italien. Manch bekannten Marken­hersteller suchen Pastalieb­haber unter den Siegern vergebens. Die Buitoni-Spaghetti schme­cken zum Beispiel etwas fade. Die Spaghetti des britischen Starkochs Jamie Oliver sind sehr ungleich­mäßig lang und teil­weise gebrochen. Und doch könnten sie für manchen interes­sant sein: Ihre raue Oberfläche soll besonders viel Soße aufnehmen können.

In der Tabelle ganz hinten zu finden: die Schlemmerliebling-Nudeln von Riesa. Sie haben Risse, sehr viele Luft­blasen, sind sehr klebrig. Ebenso fielen die Spaghetti der Kette Strauss Inno­vation negativ auf, unter anderem weil sie auch nach längerem Kochen hart bleiben.

Für alle, die das Klebereiweiß des Weizens nicht vertragen, kommen glutenfreie Spaghetti infrage. Im Test gab es zwei auf Basis von Maismehl von Lidl und Seitz. Da sie ohne Gluten auskommen müssen, war ihr Biss im Vergleich leicht trocken und körnig.

Schimmelpilzgift und Mineralöle

Die meisten Spaghetti sind nicht frei von Schad­stoffen. Gesundheitlich bedenk­lich war kein Produkt. In fast jedem fanden wir das Schimmelpilzgift Deoxynivalenol (DON), am meisten bei den 3 Glocken-Spaghetti. Die Menge lag aber deutlich unter dem gesetzlichen Höchst­gehalt. Der Pilz befällt Weizen vorzugs­weise bei feuchter Witterung und kann dann Gift bilden.

Potenziell krebs­er­regende aromatische Mineralöle (MOAH) fanden wir nicht. In 16 der 25 Produkte wiesen wir aber sehr geringe bis deutliche Gehalte an nichtaromatischen Mineral­ölen nach, kurz MOSH. Am stärksten belastet waren die Bernbacher-Spaghetti. Quelle könnte Weißöl sein, ein tech­nischer Hilfs­stoff für Maschinen. Diese Verunreinigung können Hersteller vermeiden. Einige Produkte kosten die Schad­stoff­funde eine bessere Note.

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