Soziale Verantwortung

Interview: „Rechte verletzt”

29.05.2003
Inhalt

Sie kritisieren Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von Sportschuhherstellern wie adidas-Salomon. Was sind die Kernpunkte der Kritik?

Erzwungene, unbezahlte Überstunden, Entlassung bei Schwangerschaft, Gewerkschaftsverbot und Niedriglöhne sind an der Tagesordnung. Obwohl adidas letztes Jahr einen Gewinn von 229 Millionen Euro erzielte, können es sich adidas-Arbeiterinnen in Indonesien nicht leisten, ihre Kinder bei sich in der Stadt aufwachsen zu lassen. adidas lässt weltweit fertigen. Dabei spielt der Konzern die konkurrierenden Produzenten gegeneinander aus: Den Auftrag erhält der Fabrikant, der am günstigsten anbietet – obwohl bekannt ist, dass die Produktionskosten nur so niedrig sein können, weil die Arbeitnehmerrechte verletzt werden.

Was sollten Sportschuhhersteller tun?

Sie müssen dafür sorgen, dass die Arbeitsrechte bei ihren Zulieferbetrieben eingehalten werden. Das bedeutet: Sie müssen den Produzenten einen ausreichenden Preis bezahlen und sie müssen die Umsetzung der Arbeitsrechte kontrollieren lassen. Der entscheidende Punkt ist, dass diese Kontrolle unabhängig und unter institutionalisierter Beteiligung der Zivilgesellschaft geschieht. Modelle und Erfahrungen existieren, aber adidas hat sie bisher zurückgewiesen.

Gibt es bereits Verbesserungen?

Die Verbesserung ist, dass adidas seine Verantwortung anerkannt und sich einen eigenen Verhaltenskodex gegeben hat. Das Problem ist die Umsetzungskontrolle. Mitunter weisen wir adidas auf Missstände hin, die der Konzern nicht kennt – oder auch nicht kennen will ...

Wie sehen Sie die Rolle großer Anbieter?

Die Arbeitsbedingungen sind branchenweit vergleichbar, da alle eine ähnliche Einkaufspolitik fahren. Die Großen mussten nur früher reagieren, weil sie in den Fokus genommen wurden. Ein Konzern wie adidas gibt im Jahr 800 Millionen Euro für die Werbung aus. Das damit „erworbene“ Image will man sich nicht durch eine Kampagne zerstören lassen, die die schmutzige Seite der Medaille sichtbar macht. Ohne unseren Druck würde sich nichts bewegen.

  • Mehr zum Thema

    Herrenhemden im Test Gute Business­hemden, schlechte Arbeits­bedingungen

    - Hell­blaue Business­hemden sind ein Klassiker. Die Stiftung Warentest hat Herstellungs­bedingungen sowie die Qualität von 14 Modellen geprüft. Ein güns­tiges liegt vorn.

    Funk­tions­jacken im Test Die besten fluorfreien Modelle für Damen und Herren

    - In wetter­fester Kleidung kann schädliche Chemie stecken. Geht es auch ohne? Die Stiftung Warentest hat acht zweilagige Funk­tions­jacken getestet, die laut Anbieter...

    Online­handel Oft landen Retour-Sendungen im Müll

    - Jeder zweite Verbraucher in Deutsch­land kauft manchmal Waren im Internet mit der festen Absicht, sie später wieder zurück­zuschi­cken. Das zeigt eine repräsentative...