Interview: „Rechte verletzt”

Sie kritisieren Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von Sportschuhherstellern wie adidas-Salomon. Was sind die Kernpunkte der Kritik?

Erzwungene, unbezahlte Überstunden, Entlassung bei Schwangerschaft, Gewerkschaftsverbot und Niedriglöhne sind an der Tagesordnung. Obwohl adidas letztes Jahr einen Gewinn von 229 Millionen Euro erzielte, können es sich adidas-Arbeiterinnen in Indonesien nicht leisten, ihre Kinder bei sich in der Stadt aufwachsen zu lassen. adidas lässt weltweit fertigen. Dabei spielt der Konzern die konkurrierenden Produzenten gegeneinander aus: Den Auftrag erhält der Fabrikant, der am günstigsten anbietet – obwohl bekannt ist, dass die Produktionskosten nur so niedrig sein können, weil die Arbeitnehmerrechte verletzt werden.

Was sollten Sportschuhhersteller tun?

Sie müssen dafür sorgen, dass die Arbeitsrechte bei ihren Zulieferbetrieben eingehalten werden. Das bedeutet: Sie müssen den Produzenten einen ausreichenden Preis bezahlen und sie müssen die Umsetzung der Arbeitsrechte kontrollieren lassen. Der entscheidende Punkt ist, dass diese Kontrolle unabhängig und unter institutionalisierter Beteiligung der Zivilgesellschaft geschieht. Modelle und Erfahrungen existieren, aber adidas hat sie bisher zurückgewiesen.

Gibt es bereits Verbesserungen?

Die Verbesserung ist, dass adidas seine Verantwortung anerkannt und sich einen eigenen Verhaltenskodex gegeben hat. Das Problem ist die Umsetzungskontrolle. Mitunter weisen wir adidas auf Missstände hin, die der Konzern nicht kennt – oder auch nicht kennen will ...

Wie sehen Sie die Rolle großer Anbieter?

Die Arbeitsbedingungen sind branchenweit vergleichbar, da alle eine ähnliche Einkaufspolitik fahren. Die Großen mussten nur früher reagieren, weil sie in den Fokus genommen wurden. Ein Konzern wie adidas gibt im Jahr 800 Millionen Euro für die Werbung aus. Das damit „erworbene“ Image will man sich nicht durch eine Kampagne zerstören lassen, die die schmutzige Seite der Medaille sichtbar macht. Ohne unseren Druck würde sich nichts bewegen.

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