Soziale Netzwerke

Editorial von Hubertus Primus, Chefredakteur test

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Inhalt

Liebe Leserin, lieber Leser,

ohne Facebook läuft bei meinen vier Kindern nichts mehr. Die Trainingstermine der Hockeymannschaften, Verabredungen zum Kino, Neuigkeiten aus der Schule, Tratsch und Klatsch unter Freundinnen – alles wird über Facebook abgewickelt.

Auch ich nutze Facebook intensiv: Nie hatte ich so viele Informationen über meine weitverzweigte Familie, selbst längst vergessene Freundschaften wurden über das soziale Netzwerk wieder aktiviert.

Soziale Netzwerke sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Während Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – vorab Vergebung für die Anglizismen – als „Digital Natives“ ohne Onlinenetzwerk gar nicht mehr auskommen, sind „Digital Immigrants“ wie ich noch nicht flächendeckend in den Sog der neuen Kommunikation geraten. Das kommt noch – darauf würde ich jede Wette eingehen.

Umso wichtiger ist es uns, den Betreibern sozialer Netzwerke auf die Finger zu schauen. Wie organisieren sie den Datenschutz, wie gehen sie mit den Nutzerdaten um? Wie steht es um die Datensicherheit? Werden die Rechte der Nutzer an den eigenen Daten beachtet, welchen Stellenwert räumen sie dem Jugendschutz ein? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob die allgemeinen Geschäftsbedingungen, AGB, die Nutzer nicht unangemessen benachteiligen.

Unter anderem haben wir als „Hacker mit Erlaubnis“ einen Angriff auf die Netzwerke gestartet – mit Einverständnis der Anbieter. Abgesehen davon, dass uns nur sechs der zehn getesteten Netzwerke die Erlaubnis gegeben haben, schnitten dann drei „mangelhaft“ und drei „ausreichend“ ab. Bei der Sicherheit gibt es für alle Netzwerke also viel zu tun. Insgesamt zeigt der Test auch ein unterschiedliche Verständnis von Datenschutz. Die deutschen Anbieter sind eher dem europäischen Ansatz verpflichtet, dass jeder Nutzer ein Recht an den eigenen Daten hat. Deshalb ist zum Beispiel die Weitergabe dieser Daten an Dritte problematisch. Anders sieht das bei den amerikanischen Netzwerken Facebook, Linked­In und Myspace aus. Der Deal ist einfach: Wir stellen euch das Netzwerk zur Verfügung. Ihr gebt uns dafür eure Daten, die wir zu Geld machen. Es wird sehr schwer werden, hier eine gemeinsame Basis zu finden. Letztlich ist jeder sein eigener Datenschützer. Je weniger Daten er ins Netz stellt, desto geringer ist sein Risiko.

Ihr Hubertus Primus
Chefredakteur test

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ms.lue am 09.11.2012 um 15:24 Uhr
Kleinere Alternativen

Vielen Dank für den lesenswerten Test. Ich möchte nur kurz anbringen, dass einige kleinere - insbesondere deutsche - Netzwerke sich durchaus große Mühen bereiten, ein gänzlich anderes Geschäftsmodell zu den großen wie FB etc. zu etablieren. Ein kleines und innovatives soziales Netzwerk ist z.B. www.weactive.com. Dort werden grundsätzlich erst gar keine wesentlichen Daten erfragt. Von der Idee her sehr sympathisch aber alles leider noch sehr in den Kinderschuhen.

fragmichdurch am 19.05.2012 um 09:07 Uhr
facebook an der Börse

Direkt nach dem versenden von eMails erschien lange Zeit unten ein Fenster von facebook, der eMailempfänger sei Mitglied bei facebook und ich solle mich auch dort umsehen (in diesem Sinne, nicht wortgetreu).
Was geht mich das an, wer alles bei facebook ist? Wieso kriegt jeder so eine Meldung? Hat mit Datenschutz ja nix mehr zu tun!
Einer meiner Bekannten hatte auch noch ein ziemlich beknacktes Bild von sich eingestellt. Schön blöd, sich so zum Affen zu machen.
Der denkt wohl nicht daran, das auch dieses - hm - peinliche Bild auf dem PC seines jetzigen oder zukünftiges Chefs landen könnte, wenn der mal eine mail schickt. Wofür muß man sich wohl erst einloggen, wenn man heimlich doch öffentlich wird? Zum Glück war auf diesen kleinen facebook-Fenstern auch eine Klickmöglichkeit, den Quatsch wieder abzubestellen. Werbung durch Datenmißbrauch ist für mich Grund genug, bei facebook ganz bestimmt nicht mitzumachen. Kurz danach kamen die ersten Datenmißbrauchs-Meldungen in den Medien...

Bart.Stevens am 16.06.2011 um 14:41 Uhr
Mr Billen VZW

Dear Mr Primus,
I met Mr Gerd Billen in Berlin 3 weeks ago and he asked me to contact you.
You can reach me via Bart.Stevens (at) ichoosr.com
Looking forward to talk to you.
Bart Stevens

Gärtnerin am 23.04.2011 um 10:06 Uhr
zu facebok

Seit einiger zeit erscheint auf meinem PC immer wieder die meldung Fecbok teilen. Er hat sich sogar bei mir in die Mailks eingeschlichen. Ich könnte verzweifeln. Versuche dann immer den darunter angegeben Link anzuklickken jetzt kommt das auch da rein. wie kann ich den Facbok loswerden. Kann mir jemand Umterstützung dazu geben. Ich hatte mich nie bei Facebok zumindest wissentlich, eingelogt. Da ioch dem Treiben von Angang an nicht glaubte

Godek am 28.01.2011 um 16:06 Uhr
Gefahr - Sozialnetzwerk

Die kommerziellen sozialen Netzwerke sind nicht nur aufgrund der Datenverwendung im Auge zu behalten. Gerade Facebook ist dermaßen kommerziell, dass einem da schon die Haare zu Berge stehen. Es wird viel Geld mit Benutzerdaten verdient. Doch hier tun sich alle der bekannten Netzwerke nicht sonderlich schwer - mit dem Datenhandel. Auch die gesellschaftlichen Veränderungen, die mit der intensiven Nutzung von SN einhergehen, sind nicht unbedingt wünschenswert. Immer mehr Leute vereinsamen weltweit durch die Nutzung des internets allgemein. Das sollte uns doch eigentlich stutzig machen. Doch hieran stört sich kaum jemand. Viellcht auch deßhalb, weil dazu kaum Informationen im Netz vorhanden sind - bzw. niemand danach sucht.
Ein Artikel, der dies meiner Meinung nach ganz gute beleuchtet findet sich hier: http://www.icando.eu/index.php?option=com_myblog&show=die-sozialen-netzwerke-und-der-wandel-in-der-gesellschaft.html&Itemid=60&lang=de || Grüße