Sozial­abgaben im Alter Special

Auch Rentner müssen Beiträge für die Kranken- und Pflege­versicherung zahlen. Von einer Betriebs­rente verlieren sie sogar fast ein Fünftel.

Kann das sein: 400 Euro Betriebs­rente brutto im Monat, aber nicht einmal 330 Euro auf dem Konto? Ja, das kann sein. Rechnen gesetzlich kranken­versicherte Rentner nach, müssen sie fest­stellen, dass ihnen mehr als 17 Prozent ihrer Zusatz­rente abge­zogen werden: 15,5 Prozent für die Kranken­versicherung und rund 2 Prozent für die Pflege­versicherung.

Die Abzüge von der gesetzlichen Alters­rente sind dank eines Zuschusses aus der Rentenkasse nicht ganz so groß wie die von der Betriebs­rente. Die Rentner müssen dafür aber immerhin 10 Prozent Sozial­abgaben aus eigener Tasche zahlen.

Ausgaben einplanen

Sozial­abgaben im Alter Special

Die Abzüge sollten Angestellte und Rentner einplanen, wenn sie sich einen Über­blick über ihre Finanzen im Alter verschaffen. Fragt sich ein Berufs­tätiger zum Beispiel, ob er sich den vorzeitigen Ruhe­stand leisten kann, ist für ihn entscheidend, wie viel Geld ihm tatsäch­lich bleibt.

Beispiel: Ein allein­stehender Mann kann in drei Jahren voraus­sicht­lich mit etwa 1 500 Euro Alters­rente rechnen und mit 400 Euro Rente aus der Direkt­versicherung, in die er über seinen Arbeit­geber einge­zahlt hat. Für die Kranken- und Pflege­versicherung werden von der gesetzlichen Rente 157,50 Euro (10,5 Prozent) abge­zogen, von der Betriebs­rente 71,20 Euro (17,8 Prozent). Von 1 900 Euro Rente bleiben etwa 1 670 Euro.

Für die meisten Rentner bleibt es bei den Sozial­abgaben auf die Alters­rente und auf Versorgungs­bezüge wie eine Betriebs­rente. Auf Kapital­einkünfte müssen sie zum Beispiel keine Kranken­versicherungs­beiträge zahlen, wenn sie pflicht­versichert in der gesetzlichen Kranken­versicherung der Rentner (KVdR) sind. Nur wenn sie nebenbei angestellt oder selbst­ständig arbeiten, können weitere Sozial­abgaben auf sie zukommen.

Zu den Pflicht­versicherten gehören alle Rentner, die im Berufs­leben immer gesetzlich kranken­versichert waren – als eigen­ständiges Mitglied oder auch als familien­versicherte Frau über den Ehemann.

Voraus­setzung für die Pflicht­versicherung: Der Rentner muss in der zweiten Hälfte seines Berufs­lebens für mindestens 90 Prozent der Zeit in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert gewesen sein. Diese Vorgabe erfüllt nicht jeder. Sie kann zum Hindernis für alle werden, die zwischen­zeitlich länger privat kranken­versichert waren.

Pflicht­versicherung nicht für alle

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Angelika Kröger Duczynski musste sich freiwil­lig gesetzlich kranken­versichern. Das kostet im Monat 160 Euro mehr als die Pflicht­versicherung.

Angelika Kröger Duczynski konnte im Ruhe­stand kein Pflicht­mitglied in der KVdR werden. Die 63-Jährige aus der Nähe von Frank­furt am Main hat mit ihrer Familie wegen des Berufs ihres Mannes jahre­lang in Afrika gelebt und konnte sich in dieser Zeit nur privat kranken­versichern.

Obwohl sie nach ihrer Rück­kehr nach Deutsch­land mehrere Jahre als Angestellte gesetzlich kranken­versichert war, erfüllte sie die Zeit­vorgabe für die Pflicht­versicherung nicht. Ihr blieb letzt­lich nur die Möglich­keit, sich im Ruhe­stand freiwil­lig in einer gesetzlichen Kasse zu versichern. Die Folge: Ihre Krankenkasse verlangt von ihr jeden Monat rund 160 Euro mehr, als sie als Pflicht­versicherte hätte zahlen müssen.

Freiwil­lig versicherte Rentner müssen auf viel mehr Arten von Einnahmen Beiträge zahlen als Pflicht­versicherte. Die Krankenkasse berück­sichtigt bis zu einem Einkommen von 3 937,50 Euro im Monat (Stand 2013) alle Einnahmen, die für den Lebens­unterhalt zur Verfügung stehen. Sie zieht beispiels­weise auch die Auszahlung aus einer privaten Kapital­lebens­versicherung oder Miet­einkünfte heran, wenn sie die Höhe der Beiträge ermittelt (siehe Tabelle). Selbst auf Riester- und Rürup-Renten können so im Alter Sozial­abgaben anfallen.

Da hilft es nur wenig, dass für solche zusätzlichen Posten nur ein reduzierter Beitrags­satz von 14,9 Prozent für die Kranken­versicherung fällig ist.

Schlecht informiert vor der Rente

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Freiwil­lig Versicherten kann es außerdem passieren, dass sie nicht nur für eigenes Einkommen Beiträge zahlen müssen. Auch Einnahmen des Ehepart­ners zählen mit, wenn dieser privat kranken­versichert ist. Das bekommen Angelika Kröger Duczynski und ihr privat versicherter Mann Knut zu spüren: Sie zahlen an die Krankenkasse der Frau auch Beiträge für die Rente des Mannes.

„Und das nur, weil mir bei Renten­beginn für die Pflicht­versicherung etwa ein Jahr in einer gesetzlichen Kasse fehlte“, sagt die ehemalige Arzt­helferin. Sie war vor dem Ruhe­stand für einige Monate arbeitslos und hat sich auch deshalb für eine Frührente entschieden. „Das hätte ich aber sicher nicht getan, wenn mich jemand auf die Versicherungs­regeln hingewiesen hätte.“

Zumindest haben auch freiwil­lig Versicherte die Möglich­keit, einen Zuschuss für den Krankenkassenbeitrag zu bekommen, den sie für ihre eigene gesetzliche Rente zahlen müssen. Der Zuschuss steht allen Rentnern zu – egal, ob gesetzlich oder privat kranken­versichert.

Kasse zahlt Zuschuss

Der allgemeine Beitrags­satz für die gesetzliche Kranken­versicherung liegt bei 15,5 Prozent, so viel ist auch für die gesetzliche Rente fällig.

Aus eigener Tasche müssen die gesetzlich Versicherten nur 8,2 Prozent aufbringen. Diesen Anteil zieht die Rentenkasse gleich von der Rente ab, ehe sie den Rest über­weist.

Die verbleibenden 7,3 Prozent Beitrag bezahlt die Rentenkasse für Pflicht­versicherte auto­matisch. Auch freiwil­lig Versicherte können den Zuschuss bekommen. Sie müssen dafür aber einen Antrag beim Renten­träger stellen (Formular R 820).

Privatversicherte können ebenfalls bis zu 7,3 Prozent ihrer gesetzlichen Rente als Zuschuss aus der Rentenkasse beziehen. Sie erhalten aber höchs­tens die Hälfte ihres Beitrags für die Kranken­versicherung.

Den Beitrag zur Pflege­versicherung zahlen alle Rentner allein. Für Rentner mit Kindern und alle , die vor 1940 geboren wurden, liegt der Beitrags­satz bei 2,05 Prozent der Rente. Alle anderen zahlen 2,3 Prozent.

Teure Betriebs­rente

Für Betriebs­renten und Leistungen aus berufs­stän­dischen Versorgungs­werken gibt es keinen Zuschuss. Deshalb sind die Sozial­abgaben darauf besonders hoch: Die Rentner müssen den Beitrag zur Kranken- und Pflege­versicherung allein aufbringen. Im Gegen­zug konnten sie in der Anspar­phase mit ihren Beiträgen Steuern und Sozial­abgaben sparen.

Freiwil­lig Versicherte zahlen die Beiträge für ihre Bezüge ab dem ersten Euro. Etwas güns­tiger dran sind wieder Pflicht­versicherte: Liegen ihre Bezüge monatlich nicht höher als 134,75 Euro (Grenze für 2013), können sie von den Abgaben verschont bleiben. Kritisch wird es erst, wenn die Pflicht­versicherten nebenbei selbst­ständig tätig sind. Kommen sie durch die Selbst­ständig­keit oder in Kombination mit den Versorgungs­bezügen auf mehr als 134,75 Euro im Monat, zahlen sie doch Abgaben ab dem ersten Euro.

Wollen Rentner etwas dazu­verdienen, ist für sie ein Minijob attraktiv. Verdienen sie regel­mäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat, müssen sie selbst keine Krankenkassenbeiträge zahlen. Diese über­weist der Arbeit­geber pauschal für sie. Nur Minijobber, die freiwil­lig gesetzlich kranken­versichert sind, müssen den Beitrag zur Pflege­versicherung selbst zahlen (siehe Tabelle).

Neben­job gut planen

Wird ein Job umfang­reicher, kann es sein, dass sich der Mehr­aufwand für Rentner nicht lohnt, vor allem, wenn sie vorzeitig in Rente gegangen sind. Bezieht zum Beispiel ein 62-Jähriger bereits eine Alters­rente und verdient nebenbei 600 Euro, wird zum einen seine Rente gekürzt. Zum anderen werden unabhängig vom Alter Sozial­abgaben fällig: Die Jobber werden als Angestellte versicherungs­pflichtig und müssen nicht nur für ihre Rente Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung leisten, sondern auch für ihr Gehalt.

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