Hier liegen Sie richtig: Das können wir von keinem der getesteten Sonnenstudios behaupten. Minuspunkte gab es vor allem für die Beratung und die Hygiene.

Sonnengebräunt – für viele ist das immer noch gleichbedeutend mit fit, attraktiv und gesund. Und das trotz aller Warnungen von Hautärzten und Strahlenschützern: Wer sich zu häufig und zu lange ultravioletten Strahlen aussetzt, riskiert schlaffes Bindegewebe, Falten, Altersflecken, Allergien und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Doch die Warnungen verhallen ungehört. Nach wie vor übertreibt so mancher im Sommer am Strand und auf Badewiesen – getreu dem Motto: Was kümmern mich mögliche Hautschäden, die erst in späteren Jahren sichtbar werden, ich lebe jetzt und Bräune ist schön. So schön, dass viele auch außerhalb der Ferienzeit auf die Farbe nicht verzichten wollen und sich unter den UV-Strahlern der Sonnenstudios „grillen“ lassen. Immerhin zwölf Millionen Bundesbürger gehen mehr oder weniger regelmäßig auf die Sonnenbank. Dabei gelten die Bedenken der Strahlenschützer nicht nur für die natürliche Sonne, sondern genauso für die Kunstsonne im Solarium.

Wer ein gut geführtes Studio aufsucht, kann die Risiken immerhin in Grenzen halten. Bislang ist die Studiowahl für den Laien aber reine Glückssache. Schließlich kann jeder ein Studio eröffnen, Gewerbeschein genügt, besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Es fehlt eine gesetzliche Grundlage, die eine regelmäßige Überprüfung der Studios ermöglichen würde. Die Gesundheitsämter überwachen nur aus konkretem Anlass, also erst dann, wenn sich Kunden beschweren, zum Beispiel über Verbrennungen oder mangelnde Hygiene.

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Der „Runde Tisch Solarien“ hat eindeutige Qualitätskriterien für Sonnenstudios erarbeitet. Solarien, die diese Richtlinien einhalten, können sich künftig mit einem Gütesiegel schmücken. Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Studios an der Aktion beteiligen. Für die Kunden wäre es ein eindeutiger Gewinn. Denn Bräunen im Studio ist Vertrauenssache:

  • Der Sonnenhungrige ist auf die kompetente Beratung durch den Studiobetreiber angewiesen. Für alle Fragen zur Kunstsonne sollte er sich als fachkundiger Gesprächspartner erweisen, auf den man sich verlassen kann – vor allem darauf, dass er die Hautempfindlichkeit der Kunden bezüglich UV-Bestrahlung richtig einschätzen kann und dazu passend die Geräte auswählt.
  • Die Sonnenbänke müssen technisch in einwandfreiem Zustand sein und regelmäßig gewartet werden.
  • Selbstverständlich müssen die Liegen blitzsauber sein, also zwischen den einzelnen Benutzungen gründlich und hautschonend desinfiziert werden.

Ob die Studios diesen Anforderungen gerecht werden, haben wir in einer verdeckten Untersuchung getestet. Dazu schauten wir hinter die Kulissen von vier großen, überregional vertretenen Sonnenstudio-Ketten: Ayk, Ihr Sonnenstudio, Solarent, Sunpoint. Pro Anbieter haben wir sieben Studios aufgesucht. Zusätzlich führten wir auch Stichproben bei kleineren Unternehmen durch. Sie unterschieden sich in den Ergebnissen nicht von den größeren Konkurrenten.

Geräte einwandfrei

Die gute Nachricht vorweg: Alle untersuchten Geräte waren technisch einwandfrei und hielten die Normungs-Anforderungen hinsichtlich der abgege­benen Strahlenbereiche ein. Von daher droht also keine Gefahr. Das ließ sich mithilfe unserer heimlich in die Studios eingeschleusten Messgeräte eindeutig feststellen. Wir fanden weder zu alte Strahler, für die der Kunde zahlt, ohne zur erhofften Bräunung zu kommen, noch entdeckten wir Geräte mit Strahlung zu kurzer Wellenlänge, die zu Verbrennungen führen können.

Allerdings bieten die Studios zum Teil sehr strahlungsintensive Geräte an, die Strahlenschützer am liebsten aus Solarien verbannen würden. Manche strahlen heftiger als die Mittagssonne am Äquator. Diese „Superbräuner“ sind wirklich nur etwas für deutlich vorgebräunte Menschen mit sonnenun­empfindlicher Haut. Aber auch sie können Hautschäden davontragen, wenn sie von den Angestellten nicht korrekt beraten, sondern zu lange auf die Liege geschickt werden. Nach unseren Test-Erfahrungen haben wir erhebliche Zweifel daran, dass das Wissen der Angestellten immer ausreicht, um den Kunden vor Hautschäden zu bewahren.

Schwachstelle Beratung

Je genauer und ausführlicher die Beratung – speziell beim ersten Besuch –, desto geringer ist das gesundheitliche Risiko für den Kunden. Doch hier konnten wir den Studios nur wenige Pluspunkte geben. Unsere Tester wurden zwar im Allgemeinen freundlich behandelt. Die Informationen, die sie im Beratungsge­spräch bekamen, waren aber oberflächlich und lückenhaft, oft wenig engagiert und inkompetent – kurzum dürftig. Generell zeigte sich, dass die Schulung der Solarienangestellten nicht ausreicht, um sie in Sachen Sonnenbräune zu kompetenten Fachberatern zu machen. Eigentlich kein Wunder, schließlich gelten in der Studiobranche schon eintägige Crashkurse als Ausbildung. Manche Aushilfskraft muss sogar völlig ohne Schulung auskommen.

Unsere Tester, die sich als Neulinge im Sonnenstudio ausgaben, wurden nur vereinzelt nach Vorbräunung, Sonnenbrandhäufigkeit oder früheren Solarienerfahrungen gefragt. Eine Einschätzung der Hautempfindlichkeit ist auf diese oberflächliche Art nur schwer möglich. Weitergehende Fragen und Informationen fielen völlig unter den Tisch:

  • Obwohl es notwendig ist, erkundigte sich fast niemand nach Medikamenteneinnahme, Haut- und Augenerkrankungen, Hautkrebs in der Familie. Mündliche Hinweise auf Risiken durch die UV-Strahlen gab es selten. Wenigstens hängen in allen Studios Warnhinweise aus, meist in den Vorräumen, manchmal auch in den Kabinen. Der Kunde muss also nicht ahnungslos bleiben.
  • Wer geschminkt auf die Sonnenbank geht, risikiert Hautirritationen. Das sollte in der Branche bekannt sein. Doch nur in einem Fall wurde unsere Testerin, die vor dem Solariumbesuch extra tief in den Farbtopf gegriffen hatte, darauf hingewiesen. Alle anderen „Berater“ bestätigten erst auf Nachfrage, dass Kosmetika unbedingt zu entfernen seien.
  • Kinder gehören nicht ins Solarium. Ihre Haut ist viel empfindlicher als die von Erwachsenen. Nicht umsonst weisen Strahlenexperten darauf hin, dass Menschen unter 18 nicht ins Solarium gehören. Doch unsere Tester hatten keinerlei Probleme, auch für ihren Nachwuchs eine Liege empfohlen zu bekommen.

All diese Versäumnisse führten im Prüfpunkt „Individuelle Information und Aufklärung“ durchweg zu „mangelhaft“.

Bei all den Wissens- und Informationslücken überrascht es kaum noch, dass zum Teil deutlich zu lange Besonnungszeiten empfohlen wurden. Unsere Tester, ungebräunt und – wie bereits erwähnt – angeblich zum ersten Mal im Solarium, bekamen manchmal Geräte und Besonnungszeiten angeboten, die deutlich über den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission lagen. Vereinzelt überschritten sie die empfohlene Strahlendosis sogar um das Vierfache. Zur Ehrenrettung des Solariumpersonals ist jedoch hinzuzufügen: Die überwiegende Mehrzahl der Sonnenbankempfehlungen war korrekt.

Mit den Schutzbrillen verfahren die Studios hingegen zu lässig. Meistens erhält der Kunde sie nur auf Nachfrage ausgehändigt. Es reicht nämlich nicht aus, unter dem Kunstlicht einfach die Augen zu schließen. Um vor Bindehautentzündung oder sogar Linsentrübung sicher zu sein, muss eine gut schützende Brille getragen werden. Aber Achtung: Die Schutzbrillen, die wir in den Studios erhielten, schirmen die Augen zum Teil nicht vollständig vor den ultravioletten Strahlen ab.

Nicht lupenrein

Bei all den verschwitzten Nackedeis im Sonnenstudio ist es kein Wunder, dass sich auf Sonnenliegen und Schutzbrillen schnell Keime aller Art tummeln. Deshalb sind sie nach jeder Benutzung gründlich zu desinfizieren. Meist geschieht das durch das Studiopersonal. Allerdings nicht immer sorgfältig genug, wie wir feststellen mussten. Wenngleich wir überwiegend harmlose Keime fanden, lupenrein sauber waren nur wenige der untersuchten Sonnenbank-Liegeflächen. Auf einer Liege der Firma Sunpoint konnten wir sogar Staphylococcus aureus nachweisen, einen potenziellen Erreger von Hautentzündungen.

Auch die Schutzbrillen waren nicht gründlich genug desinfiziert: Auf den Rändern fanden wir häufig Fäkalbakterien. Auch wenn eine Infektionsgefahr auszuschließen ist, gab es für die mangelnde Sauberkeit Minuspunkte.

Wer bei der Hygiene auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte seine Liege vor der Benutzung nochmals desinfizieren lassen und sich eine eigene Schutzbrille zulegen. Bei häufigerer Solariennutzung ist das sowieso zu empfehlen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3083 Nutzer finden das hilfreich.