Sonnenstudios Schnell gebraten statt beraten

07.03.2003

Bräunung ist ein Hilfeschrei der Haut, sagen Hautärzte. Braune Haut ist geil, sagt unser Schönheitsideal. Sonnenstudios sollen für angeblich sanfte Bräune sorgen. Doch die Kunstsonne ist ebenso gefährlich wie die natürliche Strahlung. Wer sich lange und häufig bestrahlt, riskiert im wahrsten Sinne seine Haut. Die Stiftung Warentest hat 28 Sonnenstudios von vier großen Anbietern getestet. Fazit: Geräte top, Beratung flop.

Inhalt

Krebsrot statt Kaffeebraun

Hätten sich die Tester der Stiftung Warentest auf die Empfehlungen der Sonnenstudios verlassen, wären sie mitunter krebsrot geworden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Studios waren meist freundlich, aber nur selten kompetent. Ihre Tipps fielen spärlich aus. Manchmal lagen sie sogar daneben. Zum Teil wurden zu lange Bestrahlungszeiten empfohlen. Fast immer blieben wichtige Fragen ungestellt: Was für einen Hauttyp hat der Kunde? Sind Hautkrankheiten bekannt? Und nimmt er Medikamente? Diese Faktoren entscheiden über die Wirkung der ultravioletten Strahlen.

Hautärzte warnen

Wer sich lange und häufig sonnt, riskiert Falten, Altersflecken und Allergien. Im schlimmsten Fall sogar Hautkrebs. Hautärzte empfehlen höchstens 50 Sonnenbäder im Jahr. Ob Natursonne oder Studio spielt dabei keine Rolle. Die Sonnenbänke in den Studios arbeiten zwar überwiegend mit den weniger aggressiven UVA-Strahlen, dafür aber mit hoher Konzentration. Mancher Superbräuner strahlt heftiger als die Mittagssonne am Äquator. Die langwelligen UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlen. Sie können die Elastizität der Haut schwächen und ihre Alterung beschleunigen.

Geräte ohne Tadel

Die Sonnenbänke selbst sind ohne Tadel. Alle untersuchten Geräte waren technisch ok. Keine defekten Sonnenbänke ohne Filter, die die Haut verbrennen können und keine alten Röhren, für die der Kunde zahlt, ohne braun zu werden. Die Tester schmuggelten eigens Messgeräte in die Studios. Die belegten: Beim blauen Licht ist alles im grünen Bereich.

Keine saubere Sache

Nicht so bei der Hygiene. In vielen Studios wird offenbar nicht gründlich genug desinfiziert. Die Tester fanden Keime und Pilze auf den Sonnenbänken. Zu wenig für eine Infektion, zu viel, um als hygienisch durchzugehen. Besonders eklig: Fäkalbakterien auf vielen Schutzbrillen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte seine eigene Schutzbrille tragen und die Liege vor der Benutzung desinfizieren lassen.

Erst ab 18 Jahren

Sonnenbräune gilt als chic. Auch bei jungen Leuten. Jugendliche Haut reagiert aber besonders empfindlich. Jeder Sonnenbrand wird praktisch gespeichert. Die Strahlung lässt die Haut schneller altern. Irgendwann kann Hautkrebs entstehen. Deshalb gilt: Wer unter 18 ist, sollte nicht ins Solarium gehen. Gleiches gilt für alle Menschen mit dem besonders hellen und empfindlichen Hauttyp I. Bestimmen Sie Ihren Hauttyp im Internet.

  • Mehr zum Thema

    Sonnen­creme & Sonnen­spray Test Guten Schutz gibts günstig

    - Wie gut schützen Sonnen­sprays und -lotionen vor Sonnenbrand? Was bringt ein hoher Schutz­faktor (30, 50, 50+)? Viele Sonnen­cremes im Test schneiden gut ab, doch drei...

    Unabhängige Patientenberatung im Test Gute Beratung ist Glücks­sache

    - Jeder, der eine Frage zum Thema Gesundheit hat, kann sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutsch­land (UPD) wenden. Egal, ob es sich um medizi­nische oder...

    Hill‘s Hundefutter zurück­gerufen Zu viel Vitamin D kann Hunden schaden

    - Der amerikanische Tier­futterhersteller Hill‘s Pet Nutrition ruft fünf Dosenfutter für Hunde zurück. Sie enthalten möglicher­weise zu hohe Mengen an Vitamin D – die...